Die Rolle von DNA, RNA und Umwelteinflüssen

28. Juni 2014, 17:35
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Tagung von RNA-Biologen und Virologen in Salzburg

Salzburg - Galt früher der zentrale Lehrsatz, dass bei der Zellvermehrung sämtliche Information über die DNA weitergegeben wird, so weiß man seit wenigen Jahren, dass auch durch Umwelteinflüsse veränderte Eigenschaften vererbt werden können. In Salzburg treffen sich in der kommenden Woche RNA-Biologen und Virologen, um erstmals gemeinsam über diese Erkenntnis zu diskutieren.

"Bis vor Kurzem war die Richtung eindeutig: Jede Information basiert auf DNA. Das ist jetzt widerlegt", sagte der Salzburger Philosoph und Kongressveranstalter Günther Witzany. Heute wisse man, dass auch Umwelteinflüsse auf die Vielfalt der RNA (Ribonukleinsäuren) einwirken. "Inzwischen untersuchen die Forscher eine Vielzahl von RNAs, die nicht für Proteine codieren und aus einer RNA-Welt stammen, die vor dem zellulären Leben und seinem Speichermedium DNA existiert hat."

Man kenne bereits Hunderte Zwischenschritte und Regulationsprozesse, die bei jeder einzelnen Zellvermehrung stattfinden und die alle durch die Koordination einer Vielzahl von RNAs durchgeführt werden. Das könne sogar zu Vererbung von Eigenschaften führen.

Abschied von der Idee der "Urzelle"

Damit sei auch die Theorie widerlegt, dass irgendwann erstmals eine Zelle - die Urzelle - entstanden sei und damit das Leben begonnen habe, so Witzany. Denn wenn man vom Leben das zelluläre Leben wegdenken würde, bliebe trotzdem die Vielfalt der höchst aktiven RNA-Welt übrig. Würde man hingegen die RNAs aus dem zellulären Leben wegdenken, bliebe nichts, was sich aus Zellen aufbaut; eine zelluläre Koordination wäre undurchführbar. "Das bedeutet, dass die für das Leben entscheidenden Akteure die RNAs sind."

Kurz nach der evolutionären Entstehung der RNAs vor ca. 3,8 Milliarden Jahren hätten sich erste Gruppen von Viren gebildet, die nur aus RNA bestehen und schon in den Ur-Ozeanen massenweise vorgekommen seien, sagte Witzany. "Die Rolle der Viren wurde die letzten 50 Jahre unterschätzt. Inzwischen weiß man, dass sie die Hauptmasse der Gene auf diesem Planeten ausmachen. So finden wir in einem Tropfen Meerwasser zwar ca. eine Million Bakterien, aber zehnmal so viele Viren."

Im Unterschied zur landläufigen Meinung seien Viren nicht nur Krankheitserreger und Epidemieauslöser, sondern in ihrer überwiegenden Mehrzahl friedliche Besiedler zellulärer Genome. In vielen nachgewiesenen Fällen würden sie dem Wirtsorganismus helfen, gegen ähnliche Viren Immunfunktionen zu entwickeln. Beim Menschen finden sich Hunderttausende solcher Besiedelungen im Genom, so der Salzburger.

Termin

Das Besondere an der Tagung von 3. bis 5. Juli im Salzburger Bildungshaus St. Virgil sei, dass erstmals die führenden RSA-Biologen und Virologen gemeinsam diese Fragen diskutieren. Witzany räumte aber gleichzeitig ein, dass die weitere Forschung zusehends komplexer werde: "In fünf Jahren wird das um den Faktor 10 komplizierter sein. Wenn man bedenkt, dass in einer einzelnen Zelle Tausende Regulationsprozesse stattfinden, und wenn nur ein einziger aus dem Lot gerät, kann das eine Krankheit verursachen, dann sieht man, wie kompliziert es wird." (APA/red, derStandard.at, 28. 6. 2014)

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