Eric Clapton: Instrumentalgesänge und gezuckerter Zucker

27. Juni 2014, 16:40
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Der britische Gitarrist und Sänger gastierte in der vollen Wiener Stadthalle: Das blueslastige Konzert, gewürzt mit Hits wie "Layla" und "Wonderful Tonight", zeigte einen Veteranen zwischen Routine und gitarristischer Emphase

Wien - Blues war der afroamerikanische Selbstbedienungsladen der Rockmusik, an dessen Produkten der Käufer - durch Weiterverscherbeln - mehr verdiente als der Produzent. Auch war er die Drei-Akkorde-Akademie des Rock, aus der talentierte Lehrlinge jedoch immerhin mit Ideen herauskamen, die man unter Weiterentwicklung des guten alten Wurzelstils verbuchen durfte. Für Lehrling Eric Clapton war der Blues all das, aber auch ein bisschen mehr. Die Beziehung ging tiefer.

Wenn wieder einmal alles schiefgegangen war, kehrte der Brite zu ihm zurück. Blues war Claptons musikalische Rehastation, ein Rückzugsgebiet auch, dessen simple Formen Orientierung gaben. War wieder einmal alles schiefgegangen, schlief man also wieder eine Weile bei Mutti. Man kam dann mit Songs wie Layla oder Wonderful Tonight zurück oder gab ein Hitparaden-Lebenszeichen mit Coverversions von After Midnight, Cocaine (vom verstorbenen Amigo J.J. Cale) oder I Shot the Sheriff (Bob Marley).

Insofern biografisch konsequent, ein Konzert in der Stadthalle mit bluesigen Songs zu beginnen: Somebody's Knocking und Key To The Highway tuckern gemütlich dahin, während auf zwei Bildschirmen nur die Künstlerhände zu sehen sind. Auch irgendwie naheliegend. Auf der Bühne bewegt sich eigentlich nichts außer Staub.

Clapton, eher wortkarg

Clapton war als Erster erschienen, hatte seine Klampfe umgehängt und zu spielen begonnen. Das war übrigens auch schon das wildeste Showelement. Der Veteran war quasi einer an der Steckdose der Entspannung, zum Gipfel der Geschwätzigkeit wird nur das "Thank you", das er in den Applaus hinein regelmäßig dem Mikro anvertraut.

Im instrumentalen Bereich blieb der 69-Jährige nicht immer maulfaul, wobei dies die Intensität betraf. Ein Notenschwätzer war Clapton nie. An ihm konnte man dieses singende Etwas als Besonderheit schätzen.

Hymnisch aufgeladen klingt es an diesem Abend vor allem ab dem zwölften Bund, also in jener hohen Instrumentalregion, wo das pentatonische Skalenrückgrat des Blues am grellsten auszukosten ist. Da ist dies typische Vibrato des Grundtons (Clapton produziert es lustigerweise aus dem Unterarm, Vorbild B.B. King hingegen durch eine Flatterbewegung des Zeigefingers). Da sind diese wiederkehrenden wenigen Noten, deren Energie an alte Tage erinnert, als Claptons Musik Dringlichkeit versprühte.

Das bisschen Magie muss sich allerdings in einer Arrangementumgebung behaupten, die tönt, als wollte sie sich für die Beschallung von Supermärkten bewerben. Tears in Haeven, ohnedies schon recht weich, wird mit einem Hawaiigitarrensound gewürzt (von einem der beiden Keyboarder simuliert). Das war quasi gezuckerter Zucker.

Markante Aphorismen

Immerhin ein paar Momente: Nach Ende des obligaten Blocks auf der akustischen Gitarre dreht Clapton sein Gerät lautstärkemäßig in Richtung 1960er auf, bewegt sich in Richtung Extreme. Das kleine Wunder einer dreckigen musikalischen Ausnahmesituation biegt dann leider zum Dienst nach Vorschrift ab. Und ein paar markante Aphorismen weiter geht es schließlich mit Cocaine direkt zur Erinnerung an den verstorbenen Freund J.J. Cale (man hatte schon Crazy Mama zu hören bekommen), ohne dem markanten Zwei-Akkorde-Riff des Songs gerecht zu werden.

Routine kann ein einlullender Begleiter sein - wie auch das Faktum, als Teil des pflegeleichten Rock-Pop-Mainstrems zu wirken. Beides lässt einen Musiker, zu dessen Stärken (nach den hitzigen 1960ern) in den 1970ern eine Art raffinierte Relaxtheit des Gesanglichen wie des Instrumentalen zählten, als soliden Verwalter des eigenen Repertoires erscheinen. Relaxtheit kommt dann aber auch als Schlaffheit rüber. Ist aber bei Clapton natürlich auch nichts wirklich Neues. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 28./29.6.2014)

  • Wortkarg und in die Welt der sechs Saiten vertieft: Eric Clapton, der bis auf ein paar hitzige Momente sehr routiniert wirkte.
    foto: robert newald

    Wortkarg und in die Welt der sechs Saiten vertieft: Eric Clapton, der bis auf ein paar hitzige Momente sehr routiniert wirkte.

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