Weltbild-Verlag war Österreicher Taus zu teuer

27. Juni 2014, 15:32
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100 bis 150 Millionen mehr gebraucht als Kaufpreis - Erwartet mittelfristig Anteile zum Kauf

Eine Übernahme des insolventen deutschen Weltbild-Verlags war dem Industriellen Josef Taus zu teuer und ist deshalb nicht zustande gekommen. "Neben dem Kaufpreis hätten wir noch 100 bis 150 Millionen Euro gebraucht - das ist viel Geld", sagte Taus am Freitag. Das letzte Wort sieht er aber noch nicht gesprochen, denn der Finanzinvestor Paragon werde mittelfristig wieder Teile abgeben müssen.

Außer dem Kaufpreis hat Taus und die Management-Kollegen seiner MTB-Gruppe auch der hohe Zeitdruck gestört, unter dem eine Entscheidung für einen Einstieg beim kirchlichen Weltbild-Verlag nach dem Willen von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz erfolgen sollte. "Das wäre uns zu geschwind gegangen", sagte Taus im MTB-Bilanzpressegespräch in Wien.

"Ohne Basel III hätten wir es eventuell gemacht"

Weltbild "hat uns aber schon ganz gut gefallen", betonte Martin Waldhäusl, Chef der Handelsgruppe von MTB, zu der neben Libro und Pagro auch Mäc Geiz und Pfennigpfeiffer gehören. Das Unternehmen sei "nicht uninteressant", drückte es Taus zurückhaltender aus. "Aber allein", also ohne einen Partner, "wäre eine Übernahme unmöglich gewesen", räumt dazu der Aufsichtsratsvorsitzende der MTB Beteiligungen AG, Gerhard Wildmoser, am Freitag ein. Dabei war man laut Taus mit interessierten Partnern schon im Gespräch.

Man hätte zwar die 30 oder 40 Mio. Euro Eigenkapital "schon geschafft", sagte Taus - und man sei in der MTB-Gruppe auch kreditmäßig gut ausgestattet mit ständig 100 Mio. Euro nicht ausgenutzten Linien. Doch sei mittlerweile ja die Vergabe von Bankkrediten insgesamt erschwert, gab der frühere langjährige ÖVP-Wirtschaftspolitiker zu bedenken: "Ohne Basel III hätten wir es eventuell gemacht."

Mittelfristig Anteile verscherbeln

Taus könnte möglicherweise später bei Weltbild doch noch zum Zug kommen. Denn der Private-Equity-Fonds Paragon, "nette Burschen aus München", müssten die Übernahme des insolventen Verlags finanziell stemmen und mittelfristig Anteile wieder verscherbeln, meinte Taus.

Momentan steht bei Weltbild die Übernahme durch Paragon bevor. Kürzlich hatte das deutsche Bundeskartellamt die Freigabe erteilt, bis 30. Juni sollen die Verträge unterzeichnet werden, hatte ein Paragon-Sprecher vor einer Woche zur deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA erklärt.

Umsatzeinbrüche

Demnach will Paragon 51 Prozent des ehedem katholischen Medienkonzerns übernehmen, Insolvenzverwalter Geiwitz soll mit 49 Prozent stellvertretend für die Gläubiger an Weltbild beteiligt bleiben. Die mit 1. Juli neu startende Gesellschaft solle schuldenfrei und mit 100 Mio. Euro Eigenkapital ausgestattet sein, 20 Mio. Euro davon als Barmittel.

Zuletzt arbeiteten bei Weltbild in Augsburg noch 1.200 Mitarbeiter, ebenso viele in den Filialen. Nach der Insolvenz fielen 656 Stellen in Augsburg und 293 in den Weltbild-Läden weg. 53 der 220 Filialen würden geschlossen, hieß es. Schon 2012/13 soll der Umsatz um 20 Prozent eingebrochen sein, zum Weihnachtsgeschäft 2013 wurde über weitere starke Rückgänge berichtet. Frühere Schätzungen von 650 Mio. Euro Jahresumsatz wurden nie bestätigt, ohne die abgetrennte Buchhandelskette Hugendubel sollen es laut "FAZ" weniger als 400 Mio. Euro gewesen seien.

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