Hypo-Haircut: Deutsche Investoren laufen Sturm

27. Juni 2014, 14:45
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Ein Fondsverband macht gegen die Aktion der österreichischen Regierung mobil, sieht große rechtliche Bedenken und den Ruf Österreichs gefährdet

Frankfurt - Deutsche Investoren machen gegen den geplanten Schuldenschnitt bei der Hypo Alpe Adria mobil. Ein dafür geplantes Gesetz verstoße gegen österreichisches Verfassungsrecht und Europarecht, schrieb der deutsche Fondsverband BVI in einem Brief an Österreichs Finanzminister Michael Spindelegger, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag.

Das Gesetz sieht vor, dass vom Land Kärnten garantierte Anleihen im Volumen von 890 Millionen Euro nicht zurückbezahlt werden. Sollte es tatsächlich dazu kommen, werde dies "das Anlegervertrauen in die Stabilität und Berechenbarkeit rechtlicher Rahmenbedingungen in Österreich" nachhaltig erschüttern, schrieben die BVI-Geschäftsführer Thomas Richter und Rudolf Siebel.

Der BVI vertritt Fondsgesellschaften wie Deka, Union Investment und die Deutsche-Bank -Tochter DWS. Finanzkreisen zufolge wären viele deutschen Investoren in relativ überschaubarem Maße vom Schuldenschnitt betroffen, mit Ausnahme der DWS. Für sie stünden rund 200 Millionen Euro im Feuer, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Reuters. Die Deutsche Bank und der BVI wollten sich zu dem Thema am Freitag nicht äußern.

Überdenken

Österreich will die Milliardenkosten für Hypo-Abwicklung nicht nur auf den Steuerzahler abladen, sondern auch die Gläubiger beteiligen. Neben den Anleihe-Haltern soll auch die ehemalige Hypo-Mutter BayernLB einen Sanierungsbeitrag von 800 Millionen Euro abdrücken. Aus Sicht des BVI wird sich der Schuldenschnitt für Österreich unter dem Strich aber nicht rechnen. "Diese Maßnahme ist rechtlich nicht haltbar und bringt erhebliche finanzielle Risiken für die österreichische Finanzwirtschaft sowie die Staatshaushalte, die die potenziellen Vorteile für die heimischen Steuerzahler auf längere Sicht deutlich überwiegen können", heißt es in dem Brief.

Sollten die Anleihen der Hypo Alpe Adria Bank International (HBInt) nicht zurückbezahlt werden, beschädige das die Reputation des österreichischen Kapitalmarkts und führe dazu, dass Anleger dort künftig weniger investieren, erklärte der BVI. Zudem müssten österreichische Banken, Bundesländer und auch die Republik Österreich langfristig höhere Zinsen bezahlen, wenn sie am Kapitalmarkt Geld aufnehmen wollten. "Aus diesen Gründen möchten wir Sie, Herr Minister, dringend bitten, die Beteiligung der Gläubiger von Nachrangverbindlichkeiten an der Sanierung der HBInt zu überdenken", schreibt der BVI in dem Brief, der laut Briefkopf am Donnerstag abgeschickt worden ist. (Reuters, 27.6.2014)

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