Rote Karte für überzogene Erwartungen

27. Juni 2014, 18:08
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Durchwachsene Auktionsbilanz für Impressionisten und Moderne in London

Camille hin, Pissarro her: Für manche seiner Werke lassen Sammler Rekordwerte springen, zuletzt im Februar (Sotheby's London), als ein anonymer Bieter für das prachtvolle Le Boulevard Montmartre (1897) netto 17,5 Millionen Pfund (19,68 Mio. inkl. Aufgeld) bewilligte. Anderes will der Connaisseur nicht mal für 500.000, etwa ein motivisch wenig spektakuläres Spätwerk. Wäscherinnen in Aktion? Nun, das 1901 gemalte ländliche Idyll drehte diese Woche im Rahmen der Impressionist-&-Modern-Art-Auktion bei Christie's (24. 6.) die vierten Runde auf dem Auktionsparkett. 1997 war das Werk (400.000-600.000 Pfund) unverkauft geblieben; 2007 fand sich via Sotheby's New York ein Käufer (netto 577.000 Pfund), der es 2011 wieder verkaufen wollte. Auf bis zu 1,02 Mio. Pfund taxiert, blieb es in der Pariser Christie' s-Niederlassung neuerlich unverkauft.

Diese Stationen des Scheiterns finden im Katalogtext zwar keine Erwähnung, lauern jedoch nur einen Kunstpreisdatenbank-Abfrage entfernt. Ein Ladenhüter, der aktuell nicht an den Mann zu bringen war. Und ein Schicksal, das Pissarro an diesem Abend mit Kollegen teilte. Mit Kokoschka etwa, dessen Hamburger Hafen II (1961), der 2010 bei Christie' s für 460.000 Pfund den Besitzer wechselte, nun deren 500.000 bis 800.000 einspielen sollte. Oder mit Giacometti, dessen Guss Le Main (1947) im Mai 1990 bei Sotheby's in New York umgerechnet netto 532.500 Pfund erzielt hatte und für den Christie's aktuell zehn bis 15 Millionen Pfund erhoffte. Vergeblich.

Überzogene Schätzwerte erhielten dieser Tage die rote Karte. Den einen oder anderen Treffer landete Christie's dennoch, etwa mit Kurt Schwitters Ja - Was? - Bild (1920), dessen Schätzwert ein Telefonbieter mit 13,97 Millionen Pfund (inkl. Aufgeld; 17,46 Mio. Euro) mehr als verdreifachte. Am Ende des Abends belief sich der Umsatz nach 40 Besitzerwechseln auf 85,78 Millionen Pfund. Die Verkaufsquote lag mit 67 Prozent für Londoner Verhältnisse allerdings im unterirdischen Bereich.

Das Glück ist auch auf dem Kunstmarkt ein Vogerl und fühlte sich auf den Schultern des Sotheby's-Teams offenbar wohl. Dort hatten sich am Tag davor 42 Zuschläge (91,3 %) auf ein Total von knapp 121,95 Millionen summiert. Dazu trug etwa ein Konvolut von 17 Werken aus dem Nachlass der französischen Kunsthändlerlegende Jan Krugier bei (27,13 Mio.), sondern vor allem Monets Seerosenepos (Nymphéas, 1906) bei, für das sich ein anonymer Telefonbieter gegen einen asiatischen Konkurrenten mit 31,72 Millionen (39,68 Mio. Euro) durchsetzte. (kron, Album, DER STANDARD, 28./29.6.2014)

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