Ein Büro auf Zeit

27. Juni 2014, 17:00
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Regus und Bena, die zwei großen Anbieter servicierter Büros, sind am Wiener Markt weiter umtriebig

Ein verglastes Büro in der Flybridge, in dem man zwar nicht - wie der Name verspricht - auf einer Yacht, dafür aber über der Mariahilfer Straße thront. Ein Thinkpod im stylish-bunten Großraumbüro im Business Center am Fleischmarkt im 1. Bezirk. Ein Office in der Business Embassy am Graben. Die Angebote haben alle - neben einer Affinität für die englische Sprache - eines gemeinsam: Es sind Adressen, die Eindruck machen - und die ohne langfristige Verpflichtungen und - falls gewünscht - mit All-Inclusive-Service daherkommen. So versprechen es die Anbieter von servicierten Büros in Wien zumindest.

Davon gibt es am heimischen Markt derzeit zwei größere: Das international tätige Unternehmen Regus mit Sitz in Luxemburg, das in mehr als 100 Ländern 2000 Standorte für flexible Büroarbeit hat, acht davon in Wien. Der stärkste Mitbewerber ist das österreichische Unternehmen Bena, das ab Herbst über acht Standorte in Wien verfügen wird. Auch in Belgrad verfügt das Unternehmen über zwei Standorte.

Glaubt man diversen Studien, setzen beide Anbieter auf die Zukunft: Immer mehr Jobs werden flexibel gestaltet - und diese Flexibilität wird von den Menschen auch zunehmend verlangt, ist Alisa Kapic, Country Director von Regus in Österreich, überzeugt.

Neue Standorte

Daher wird expandiert: Zu Jahresbeginn eröffnete Regus ein neues Flaggschiff-Business Center am Fleischmarkt auf zwei Stockwerken.

Der Mitbewerber zieht nach: Über 30.000 Quadratmeter Fläche wird Bena ab Oktober in Wien verfügen, was das Unternehmen laut eigenen Angaben zum Marktführer macht.

Dann soll nämlich das neueste Projekt eröffnet werden: 7Senses wird das ehemalige Bosch-Gebäude beim neuen Wiener Hauptbahnhof dann heißen. Momentan wird es noch revitalisiert. Mit der Funktion als Developer betritt Bena Neuland. Man sei nunmehr der erste und einzige Business-Center-Betreiber Österreichs, der innerhalb der Gruppe die Funktionen Immobilienentwickler, Eigentümer, Vermieter und Hausverwalter vereint, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Die Eröffnung des Pilotprojekts beim Hauptbahnhof soll im Oktober stattfinden, berichtet Bena-Geschäftsführer Alexander Varendorff. Ursprünglich war der September angepeilt worden - "aber es gab eine kleine Verzögerung baubehördlicher Natur".

"Kein Leerstand im Luxusbereich"

Auch im 1. Bezirk kommt ein neuer Standort dazu: Das Le Palais wird zwar erst im September offiziell eröffnet, trotzdem sind schon jetzt 75 Prozent der Flächen weg, so Varendorff. Dabei seien dort noch nicht einmal alle Adaptionen umgesetzt.

Auch um das 7Senses macht sich Varendorff keine Sorgen: Die Vermarktung starte zwar gerade erst, Interessenten gebe es aber bereits. Aufgrund der großen zur Verfügung stehenden Fläche seien es zudem eher große Kunden, die sich dort einmieten wollen.

Grundsätzlich sei die Situation im Marktsegment, das Bena größtenteils bedient, eine gute: "Im Luxusbereich gibt es keinen Leerstand", so Varendorff. Was knapp dahinter liege, sei da schon schwieriger zu vermitteln.

Bei der Konkurrenz hält man sich, was die nächsten Schritte in Wien angeht, noch bedeckt: Konkrete Neuigkeiten für Wien gibt es laut Kapic nicht. "Aber Regus hat einiges vor." Potenzial sieht sie in Wien in allen Segmenten - im preisgünstigeren Bereich würden sich Start-ups einmieten.

Individuell und international

Neue Projekte in Wien gegen Ende des Jahres schließt Varendorff nicht ganz aus: "Wenn wieder etwas Besonderes auf den Markt kommt, ist das denkbar." Besonders im Bereich Business Base, der preisgünstigeren Schiene als den sonst im Angebot befindlichen Business Embassies, wolle man "in nächster Zeit etwas machen".

Bena will sich von Mitbewerbern dadurch unterscheiden, dass die Standorte individuell gestaltet sind. In der neuen Location in der Herrengasse werden von einem Künstler beispielsweise gerade Lichtskulpturen entworfen. Außerdem gebe es - im Unterschied zu den Mitbewerbern - kein prominentes Firmenschild an den Standorten: "Die Kunden stehen im Mittelpunkt."

Bei Regus gibt es einen Grundstandard, so Kapic. Vom Design her würden die Angebote je nach Standort aber variieren. Die Nachfrage steigt jedenfalls nicht nur an innerstädtischen Standorten, sagt sie, sondern auch an Büros in der Nähe von Flughäfen und Tankstellen. (zof, DER STANDARD, 28.6.2014)

  • Das ehemalige Bosch-Gebäude beim Hauptbahnhof wird momentan von Bena revitalisiert.
    visualisierung: bena/jumptomorrow

    Das ehemalige Bosch-Gebäude beim Hauptbahnhof wird momentan von Bena revitalisiert.

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