Lernen, lernen, lernen - für die Karriere?

29. Juni 2014, 10:16
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Es gilt Grundlegendes zu gestalten 

Ein Thema, eng mit positiver Karriereentwicklung verbunden, ist die zunehmende Propagierung von lebenslangem Lernen. Historisch betrachtet ist dieses Konzept nicht neu, schon in der Antike gab es erste Formulierungen von Ansätzen, dass sich Menschen ganzheitlich und selbstreflektiert mit der Wirklichkeit auseinandersetzen soll(t)en.

Lebenslanges Lernen ist definiert als "all learning activity undertaken through-out life, with the aim of improving knowledge, skills and competence, within a personal civic, social and/or employment-related perspective".

Durch diese Definition wird klar, dass die positiven Attribute des lebenslangen Lernens weit über individuelle Entwicklungsbedürfnisse hinausgehen. Unter dem Dachbegriff Lernen finden sich viele Formen positiv konnotierter Lernformen: projektbasiertes, selbstgesteuertes Lernen, Erfahrungslernen etc.

"Formales Lernen" ist "karriererelevant"

Wenn wir die Frage nach beruflichen Perspektiven stellen, kommt "formales Lernen" in Form von Bildungsabschlüssen als wichtige Determinante für Beschäftigung und Entlohnung, als ein Proxy für Erfolg, ins Spiel. Unter diesem Gesichtspunkt wird Lernen zur "harten Währung" und die Ökonomisierung von Lernen und Bildung sowie deren Wirkung "karriererelevant".

Versteht man unter Karriere ein selbstgesteuertes Konzept ohne Beschränkungen, fügt sich lebenslanges Lernen gut in einen gewissermaßen agentenzentrierten Ansatz ein. Lernen kommt so einem Motor gleich, der, mit dem richtigen Treibstoff kontinuierlich betrieben, die berufliche Laufbahn ebnen soll. Geht man von dieser individuumszentrierten Sichtweise aus, kann Lernen durchaus als lebensbegleitende Stimulierung gesehen werden. Aber unter welchen Bedingungen findet idealtypisches Lernen statt?

Organisationen über weite Strecken lernfeindlich

In der Wissenschaft ist man sich einig, dass die meisten Organisationen es nicht fertigbringen, Bedingungen wie Autonomie, Offenheit für Neues etc. zu bieten. Mehr noch: Sie verhalten sich über weite Strecken lernfeindlich. Ein Blick über den Tellerrand individueller - und darüber hinaus - kollektiver Einbettung von Lernprozessen zeigt, dass es hier wohl noch einiges, vor allem aber auch Grundlegendes, zu gestalten gibt.

Zurück zu Rethink Career: Insgesamt können derartige Konzepte als Chance betrachtet werden, einen ressourcenorientierten Ansatz zu betonen und die berufliche Entwicklung über die Qualität des (Lern-)Wegs zu bestimmen. Ihre Verwirklichung geht aber nur über die Schaffung von Bedingungen, die eine Lernorientierung ermöglichen, die durch Authentizität und Relationalität geprägt sind, abseits von ergebnisorientierten und individualisierten Erfolgsmaßstäben.

Dies würde aber eine "heile Welt" voraussetzen, in der weder Auf- noch Abwertungen durch die Umwelt stattfinden und die Menschen sich uneingeschränkt ihren beruflichen Ausdruck (v)erschaffen können, abseits von allzeitigen Grundproblemen wie Knappheit oder Diskriminierungen aufgrund von sozialer Kategorisierungen. Dies würde auch einen Karrierebegriff, der am Individuum festgemacht ist, infrage stellen und es wäre notwendig, sich auf eine relationale, systemische Ebene einzulassen. (Katharina Chudzikowski, DER STANDARD, 28.6.2014)

Katharina Chudzikowski ist Associate Professor an der University of Bath (UK).  www.vicapp.at

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