Herzlichst, Ihr Postler und Altenbetreuer

27. Juni 2014, 14:51
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Die Deutsche Post startet ein Pilotprojekt, bei dem Postler sich gegen Bezahlung um Kunden kümmern. Kritik kommt von der Gewerkschaft

Wien – "Grüß Gott, Frau Huber. Da ist Ihr Packerl. Geht’s Ihnen gut?" Wenn der Postler klingelt, wird schon mal ein bisschen geplaudert. Die Deutsche Post startet per 1. Juli ein Pilotprojekt, das diesen menschlichen Kontakt in ein buchbares Service übersetzt und käuflich macht.

"Post Persönlich" heißt das Service, gedacht ist es für ältere Menschen oder generell Personen, die ein wenig mehr Betreuung und soziale Kontakte wünschen. Die Idee dahinter: Der Postler kommt täglich zur Haustüre, bringt das Packerl oder die Rechnungen vorbei, nimmt frankierte Briefe auch gleich wieder mit in die Postfiliale und erkundigt sich nach dem gesundheitlichen Befinden. Sollte es notwendig sein, verständigt der Postbote den Rettungsdienst und wenn gewünscht auch die Angehörigen.

Wer sich von Dienstag bis Freitag vom Postler besuchen lässt, zahlt 37,50 Euro im Monat, nimmt man noch den Samstag dazu, dann belaufen sich die Kosten auf  42,50 Euro. Vorerst beschränkt sich das Pilotprojekt der Deutschen Post auf die Städte Gelsenkirchen und Mühlheim. Bis Ende des Jahres will man im Unternehmen evaluieren, wie gut das Projekt ankommt und ob es ausgeweitet wird, heißt es auf Nachfrage des Standard.

Kritik am Preis

Mit der Ankündigung treten auch Kritiker auf den Plan. Die Gewerkschaft warnt in deutschen Medien  davor, dass die ohnehin knappen Zeitvorgaben für Post-Zusteller mit dem Zusatzservice noch verschärft werden könnten. Kritik kommt auch aus dem Sozialbereich: das Post-Persönlich-Angebot sei zu teuer, Hausnotruf-Systeme würde um die 20 Euro im Monat kosten, die Krankenkasse übernehme diese Kosten zudem. Bei „Post Persönlich“ ist das nämlich nicht der Fall.

Außerdem zweifeln Pflegeexperten auch an der Kompetenz der Postboten. Bei der Post weist man deutlich darauf hin, man wolle auf keinen Fall medizinische Kompetenz vortäuschen, es gehe vor allem um die persönliche Kontaktaufnahme. die Mitarbeiter würden eigens geschult werden, auf die Aussagen der Kunden müsse man sich dann verlassen.

Heimische Pensionisten bekommen vom Postler weiterhin nur Packerl und Briefe zugestellt. Bei der Österreichischen Post denkt man derzeit nicht über ein Service nach dem Vorbild der deutschen Kollegen nach. (Daniela Rom, derStandard.at, 27.6.2014)

  • Der Postler, dein Freund und Helfer: Die Deutsche Post weitet ihr Angebot aus.
    foto: apa/puchner

    Der Postler, dein Freund und Helfer: Die Deutsche Post weitet ihr Angebot aus.

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