VGN-Geschäftsführer Pirker: "Sparen alleine ist kein Konzept"

27. Juni 2014, 12:23
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Medienmanager sieht sich "einer ganzen Reihe" von Baustellen gegenüber - Hofft 2015 auf "erste Indikatoren einer Trendumkehr"

Wien - Horst Pirker steht vor einer großen Herausforderung: Als neuer Geschäftsführer der Verlagsgruppe News (VGN) soll er das Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Klar sei, dass es "nicht nur eine Baustelle gibt, sondern eine ganze Reihe", erläuterte er dem Branchenblatt "Medianet". Das Ziel des Medienmanagers, der im Juni die Nachfolge von Axel Bogocz angetreten ist, lautet "nachhaltige Neuordnung".

Alle Titel und Bereiche

Wobei Pirker die neue Strategie, die in den vergangenen Monaten entwickelt wurde und nun vor der Implementierung stehe, nicht als Bruch verstanden wissen will. "Aber wohl haben wir vor, eine umfassende Aufbauarbeit, alle Bereiche des Hauses und alle Titel erfassend, zu leisten." Nötig wurde dies nicht zuletzt aufgrund sinkender Werbeerlöse und Leserzahlen, was beim ehemaligen Flaggschiff "News" aufgrund kolportierter Sparpläne im Vorjahr für Unruhe gesorgt hat. Pirker betonte in diesem Zusammenhang, dass "das Sparen allein kein Konzept ist und für sich allein sogar tödlich sein kann".

Während Pirker die Erosion bei einigen Titeln stoppen will, müsse gleichzeitig der digitale Bereich gestärkt werden. Hinauslaufen soll dies auf eine Erhöhung von Auflagen und Leserzahlen sowie eine Stabilisierung der Umsätze, die man in weiterer Folge "deutlich nach oben entwickeln" wolle. Wie genau dieser Weg beschritten werden soll, darauf ging der ehemaliger Styria-Vorstand nicht näher ein. Man werde das heurige Jahr brauchen, "um die Weichen für die Zukunft zu stellen", wie er im "Horizont" festhielt. 2015 sollten erste positive Auswirkungen sowie "erste Indikatoren einer Trendumkehr" erkennbar sein.

Paid Content als Option

Zum Stichwort Paid Content ließ Pirker eine etwas andere Sicht als viele Kollegen erkennen. Dass Verleger Inhalte lange unentgeltlich im Internet zur Verfügung gestellt haben, sei nicht unbedingt ein Fehler, sondern "einfach unvermeidlich" gewesen. "Jetzt sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem eine Neubewertung notwendig und möglich ist. Und für die Verlagsgruppe News wird Paid Content ganz sicher ein Aspekt der digitalen Geschäftsmodelle sein." Da müsse man sich an international bereits erprobten Modellen orientieren, "freilich mit Bedacht auf die jeweils unterschiedliche Positionierung des einzelnen Mediums".

Aber auch hier gelte ein von Pirker gern vorangestelltes Motto, wie er gegenüber "Medianet" erläuterte: "Schaffe ich Inhalte, die unverwechselbaren Nutzen stiften? Wenn sie das tun, dann wird über die Zeitachse eine Zahlungsbereitschaft darstellbar sein." Grundsätzlich verspüre er bei diesem Thema "zunehmend Rückenwind, für Qualitätsinhalte auf digitalen Kanälen auch Geld bezahlen zu wollen". Und in punkto Print forderte er mehr Kampfbereitschaft ein: "Wir brauchen in der eigenen Branche eine andere, positivere Haltung Print gegenüber."

Ausdifferenzierung statt Verschmelzung

Im eigenen Haus zeigt er sich, was Veränderungen betrifft, alles andere als abgeneigt, gebe es hinsichtlich der Struktur doch "keine Vorbehaltszonen, wo man jetzt sagen müsste, dieses oder jenes wird auf alle Fälle so bleiben, wie es ist". Gleiches gelte laut Pirker für die personelle Seite, auch wenn das "derzeit nicht das Thema" sei. Einer zunehmenden Verschmelzung der Titel erteilte der VGN-Geschäftsführer aber eine Abfuhr: "Meine Grundtendenz ist eher die der stärkeren Ausdifferenzierung. Wir werden weniger Verschmelzen und bis zur Unkenntlichkeit verbinden, sondern eher zentrifugal arbeiten." (APA, 27.6.2014)

  • Pirker: "Nachhaltige Neuordnung" aller Bereiche in der Verlagsgruppe News.
    foto: apa/hochmuth

    Pirker: "Nachhaltige Neuordnung" aller Bereiche in der Verlagsgruppe News.

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