US-Behörden strafen Europas Banken

27. Juni 2014, 17:39
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Die britische Großbank Barclays und die französische BNP Paribas stehen in den USA im Visier von Ermittlern

London/Paris - Für die Großbank BNP Paribas könnte es ein tiefer Schnitt werden. Die Bank verhandelt, wie berichtet, mit US-Behörden einen milliardenschweren Vergleich, weil das Geldinstitut US-Sanktionen gegen den Sudan zwischen 2002 und 2009 verletzt haben soll. Rund neun Milliarden Dollar könnte die französische Bank zahlen müssen, heißt es aus informierten Kreisen.

Das könnte BNP finanziell fordern. Wie das Wall Street Journal berichtet, steht das Institut kurz davor, die Dividende zu kürzen und eine milliardenschwere Anleihe zu platzieren, um die hohe Buße zu stemmen. Die Gewinnausschüttung an die Investoren könnte daher "drastisch" gestutzt werden, zitiert das Blatt eingeweihte Insider. Analysten der Deutschen Bank etwa haben in ihren Prognosen bereits eine komplette Streichung der Dividende für 2014 unterstellt.

Die Anleihen zur Zahlung der Strafe könnten bereits kommende Woche begeben werden. Insider rechnen damit, dass eine Einigung mit den US-Behörden bereits am Montag bekannt gegeben werden könnte. Auch für die kommenden Quartale könnte das Geschäft für BNP unter der Strafe leiden. Dem Institut könnten Dollargeschäfte für ein Jahr untersagt werden. Es wäre die erste Strafe dieser Art für eine weltweit tätige Bank. Seit Februar sind die Aktien der Bank um über 20 Prozent gefallen.

In den vergangenen Monaten haben US-Ermittler eine Reihe von europäischen Großbanken mit hohen Strafen belegt, etwa die britische Standard Chartered und die Schweizer UBS. Die US-Großbank JPMorgan wurde Ende 2013 mit der Rekordstrafe von 13 Milliarden Euro abgestraft.

Dark Pools im Fokus

Auch die britische Bank Barclays ist in den USA unter Druck. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York klagt das Institut. Barclays hätte Investoren in seinem "Dark Pool" systematisch hinters Licht geführt. Über solche Handelsplattformen können Investoren abseits der Börsen Wertpapiere ordern. Gerade institutionelle Anleger können so ohne großes Aufsehen Aktienpakete handeln. Neben der Transparenz sind die Gebühren meist geringer als an regulierten Börsen. Doch Barclays soll seinen Kunden verheimlicht haben, dass sich Hochfrequenzhändler auf Kosten der Kunden in dem "Dark Pool" tummelten.

Nach der Klage wegen des Vorwurfs der Investorentäuschung ziehen sich offenbar erste Banken von der Handelsplattform der britischen Barclays zurück. Dazu gehörten die Deutsche Bank, Credit Suisse und die Royal Bank of Scotland. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die US-Banken JPMorgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley hätten keine Orders mehr in der anonymen Handelsplattform platziert. sulu, Reuters, DER STANDARD, 28.6.2014)

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