Freigelassene OSZE-Beobachter werden nach Wien geflogen 

27. Juni 2014, 12:43
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Die internationalen Beobachter waren seit Wochen in der Gewalt prorussischer Separatisten

Kiew/Wien - Die in der Nacht auf Freitag freigelassenen OSZE-Beobachter werden aus der Ukraine geflogen. Ein Flugzeug im Auftrag der OSZE bringt die vier Personen nach Wien, wie das Schweizer Außenamt (EDA) mitteilte. Inzwischen habe der Schweizer Bundespräsident und OSZE-Vorsitzender Didier Burkhalter mit dem Schweizer Staatsangehörigen in der Gruppe telefoniert, schreibt das EDA.

Er habe sich nach seinem Befinden erkundigt und ihm die weitere Unterstützung seines Departements zugesichert. Die vier Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) waren in der ostukrainischen Region Lugansk (Luhansk) tätig gewesen und befanden sich seit Ende Mai in den Händen prorussischer Separatisten. Freitagnacht wurden die Geiseln der Obhut der OSZE übergeben.

Gemäß Angaben des Separatistenführers Alexander Borodaj wurden für die Freilassung keine Bedingungen gestellt. Das EDA bezeichnete den Gesundheitszustand des Schweizer Beobachters als "den Umständen entsprechend gut". Das EDA wies darauf hin, dass weitere vier OSZE-Mitarbeitende noch immer in der Ostukraine festgehalten werden. Das Schweizer Außenministerium forderte deren schnelle und bedingungslose Freilassung.

Brüchige Waffenruhe

In der Ukraine ringen die unterdessen Konfliktparteien um eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe. Eine von den prorussischen Separatisten verkündete Feuerpause war am Freitag um 9.00 Uhr MESZ ausgelaufen. Sie war allerdings seit der Verkündung am vergangenen Montag äußerst brüchig. Bei vereinzelten Gefechten nahe Kramatorsk wurden in der Nacht mindestens vier Soldaten getötet und fünf verletzt.

Dies teilte der Militärexperte Dmitri Tymtschuk in Kiew mit. Militante Gruppen in der Großstadt Donezk besetzten zudem nach fast siebenstündigem Schusswechsel einen Stützpunkt der Nationalgarde. Mehrere Soldaten seien verletzt worden, hieß es. Nahe der Separatistenhochburg Slawjansk wiederum zerstörten Regierungseinheiten einen Kampfpanzer der prorussischen Aufständischen, wie Innenminister Arsen Awakow mitteilte.

Poroschenko zu Verhandlungen bereit

Die Feuerpause ist wichtiger Bestandteil eines Friedensplans des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Er hatte am vergangenen Freitag eine einwöchige Waffenruhe der Armee angeordnet, die formell am Freitagabend um 21.00 Uhr MESZ ausläuft. Die Konfliktparteien wollen aber noch im Laufe des Tages mit Vertretern Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu Gesprächen über eine mögliche Verlängerung zusammenkommen.

Poroschenko betonte, er sei auch zu Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit - trotz des schweren Streits über die Halbinsel Krim und über Moskaus Unterstützung der Separatisten. "Manchmal ist die Position von Herrn Putin völlig pragmatisch, manchmal ist sie sehr emotional. Ich versuche einen Moment zu finden, in dem er pragmatischer und weniger emotional ist", sagte Poroschenko dem US-Sender CNN. Beide Präsidenten hatten zuletzt mehrfach telefoniert.

Den Aufständischen hatte Poroschenko mit "schweren Konsequenzen" gedroht, falls sie nicht einlenken sollten. In der Ostukraine werde die "Anti-Terror-Operation" der Regierungseinheiten dann vermutlich mit größerer Härte fortgeführt, sagte der Politologe Witali Kulik in Kiew. In den vergangenen Wochen hatte die Armee bereits Kampfhubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt. (APA, 27.6.2014)

  • Donezk, 27. Juni 2014: Ein OSZE-Beobachter steigt aus einem Auto, Alexander Borodai, der "Regierungschef" der von den Separatisten ausgerufenen "Republik Donezk", sieht zu.
    foto: reuters/shamil zhumatov

    Donezk, 27. Juni 2014: Ein OSZE-Beobachter steigt aus einem Auto, Alexander Borodai, der "Regierungschef" der von den Separatisten ausgerufenen "Republik Donezk", sieht zu.

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