Die Zeit der weißen Elefanten

26. Juni 2014, 16:57
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Für die Städte Manaus, Cuiabá, Natal und Curitiba ist die WM bereits gelaufen, der Alltag eingezogen

Manaus - Der weiße Elefant steht seit Mittwochabend im brasilianischen Dschungel. Ihre Aufgabe hat die für 198 Millionen Euro errichtete Arena Amazonia in den vergangenen zwei Wochen bereits erfüllt. Vier Vorrundenspiele fanden im Herzen des größten Regenwaldes der Welt in Manaus statt. 14 Tore fielen, rund 160.000 Zuschauer kamen, nun droht gähnende Leere. Und das in einer Zwei-Millionen-Stadt, in der die Armut deutlich sichtbar ist.

Der örtliche Drittligist São Raimundo Esporte begrüßt maximal 2000 Zuschauer zu seinen Spielen. Zeitweise ging sogar das Gerücht um, der Bundesstaat Amazonas wolle das Stadion als Auffanglager für Kriminelle nutzen. Bereits vor der WM nannte der deutsche Entwicklungshilfe-Minister Gerd Müller (CSU) die Situation wegen der fehlenden Nachhaltigkeit "unglücklich".

Sportjournalist Claudio Nogueira von der Zeitung O Globo aus Rio de Janeiro hat aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. "In Manaus gibt es viel Industrie und gutsituierte Firmen. Vielleicht sehen sie die Chance und engagieren sich künftig als Sponsoren", sagte Nogueira. "Dann gibt es bald vielleicht eine erstligataugliche Mannschaft."

Das Interesse dürfte prinzipiell vorhanden sein. Als im April die auswärtigen Klubs aus Vasco und Resende das brasilianische Cup-Finale austrugen, war die Arena Amazonia mit 40.189 Zuschauern fast ausverkauft.

Auch in Cuiabá erinnern nur noch die Hinweisschilder zur Arena Pantanal daran, dass hier WM-Spiele stattfanden. Das um 170 Millionen Euro erbaute Stadion dürfte eines der größten Probleme der für Rinderzucht und Sojaanbau bekannten Stadt werden. Drittligist Cuiabá Esporte Clube plant zwar, seine Heimspiele dort auszutragen, doch selbst nach dem geplanten Rückbau auf 28.000 Zuschauer ist die Anlage noch überdimensioniert. Normalerweise besuchen die Spiele des Klubs 1000 Fans, weniger als beim ortsansässigen American-Football-Team Arsenal Cuiabá.

Von den übrigen angekündigten Infrastrukturmaßnahmen hatten die Einwohner ohnehin nicht viel. Der Bau der Straßenbahn vom Flughafen ins Zentrum steckte während der WM noch in den Anfängen. Dort dürfte er bleiben. Die Arena das Dunas in Natal wurde für rund 132 Millionen Euro für nur vier Vorrundenspiele geschaffen. Besonders die Umgebung des Stadions ist noch immer nicht fertig. Der geplante "künstliche See" zum Beispiel war nur dann zu sehen, wenn die Baugrube nach den heftigen Regenfällen mit Wasser gefüllt war.

Immerhin gibt es zwei Zweitligisten: America FC wird der künftige Nutzer sein. Der ABC Futebol Clube wird weiter im Estádio Maria Lamas Farache spielen, dessen Besitzer er ist.

Curitiba fällt leicht aus der Reihe, weil die Stadt in Atlético Paranaense einen Erstligisten hat, der auch Eigentümer der Arena da Baixada ist. Also kein weißer Elefant, wie leerstehende Bauten nach Events genannt werden.

In Manaus lächelte Bürgermeister Arthur Virgilio Neto alle Kritik weg. "Wir sind die schönste Stadt im Regenwald. Auch auf unsere Piranha-Suppe muss niemand verzichten." Was bleibt, ist ein weißer Elefant. (sid; DER STANDARD, 26.6.2014)


  • Manaus und aus.
    foto: apa/ap/danau

    Manaus und aus.

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