Wir und Fitzcarraldo

Kolumne25. Juni 2014, 18:25
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KIar: Kleine Geister verstehen nicht alles gleich auf Anhieb. Und so kann es eben passieren, dass etwas so Großartiges wie die Arena da Amazônia in den Schmutz niederer Gesinnungen gezogen wurde und weiterhin wird. Gar von dreister Denkmalsetzerei war schon die Rede. Und das nur, weil mit São Raimundo Esporte Clube in Manaus gerade einmal ein Drittligist herumkickt, quasi in der Regionalliga Amazonien! Das aber ist kein Argument gegen ein so schönes, 44.310 sitzende Zuschauer fassendes Oval.

Hat denn niemand der so flinkzüngigen Kritikaster sich die angenehme Mühe gemacht, einmal dem Werner Herzog zuzuschauen? Wie der den Klaus Kinski hochtreibt den tropischen Fluss mit dem schönen Traum, der sich bald als Vision und recht schnell auch schon als Besessenheit herausstellt! Und jetzt aber steht - allen Widrigkeiten zum Trotz - das Opernhaus mitten in Manaus. Und dort könnten die Nachkommen des visionären Fitzcarraldos public viewen, was das Zeug hält. So wie dann, wenn die WM vorbei sein wird, im Stadion man public die Netrebko viewen wird können, quasi wie nichts.

Die Kleingeisterei ist - wir wissen's und beklagen's - nicht auf Brasilien beschränkt. Was ist nicht über den heimischen EM-Stadienbau gelästert worden! Und heute? Eben! Was wäre zum Beispiel Klagenfurt ohne seine Arena, die den Wörthersee schmückt wie sonst nur Minimundus. Da wird noch Abbitte zu leisten sein. Spätestens dann, wenn der FC Kärnten die Regionalliga Mitte verlässt, um, darin São Raimundo Esporte Clube gleich, der Welt einen Haxen auszureißen. Diesbezüglich bedarf es nur noch Gespräche mit den Bayern. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 26.6.2014)

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