Und am Ende ist es eben wieder einmal aus

25. Juni 2014, 18:11
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Zum dritten Mal en suite verabschiedet sich Côte d'Ivoire schon in der Vorrunde. Und diesmal nimmt auch die goldene Fußballergeneration der Ivorer ihren Abschied - allen voran der 36-jährige Didier Drogba.

Fortaleza - Und wieder ist nichts daraus geworden. Seit mehr als zwanzig Jahren versucht Côte d'Ivoire - in deutschen Landen oft auch Elfenbeinküste genannt - an ihren größten ballesterischen Erfolg anzuschließen. 1992 wurde man Afrikameister, die einschlägigen Hoffnungen schossen hoch. Aber auch die goldene ivorische Generation tat, was vor ihr schon getan wurde. Sie lief der Ambition hinterher, um schließlich, außer Atem, mit den Achseln zucken zu müssen.

Der unbestrittene Chef der Goldenen, Didier Drogba, litt unter akuter Sprachlosigkeit. Die Elefanten - wie die Ivorer sich, in ihrem etwas kecken Umgang mit dem eigenen Selbstbewusstsein, nennen - scheiterten, wie schon 2006 und 2010, in der Vorrunde. Und das gegen Griechenland. Griechenland! Wären Fußballländer Eigenschaften, Côte d'Ivoire wäre das Gegenteil von Griechenland. Kein Wunder also, dass es dem großen Drogba da die Rede verschlagen hat.

Abschied, Entschuldigung

Während der 36-jährige Drogba sich stumm hinter sich selber verkroch, mussten andere das Wort ergreifen. Trainer Sabri Lamouchi, der Drogba in der 78. Minute beim Stand von 1:1 vom Platz genommen hatte, kündigte schon seinen Abschied als Nationaltrainer an. Und der Baseler Giovanni Sio bat händeringend das ganze Land um Entschuldigung. Sio war in der 83. Minute für Gervinho gekommen. Zehn Minuten später elferfoulte er Georgios Samaras von Celtic Glasgow, der den Penalty auch selber verwertete. "Wenn es ein Elfmeter war, dann übernehme ich die Verantwortung. Ich hoffe, die Elfenbeinküste und das Team vergeben mir."

Werden sie müssen. Sio ist mit seinen 25 Jahren im besten Fußballalter. Er, Gervinho mit seinen 27 Jahren und die anderen jungen Ivorer - die allesamt unter strenger Uefa-Obhut ihr Brot verdienen - werden nun darangehen, eine neue Generation zu formen. Die Touré-Brüder Kolo und Yaya, Drogba, Goalie Copa - sie haben ihre Chance gehabt. "Wir haben es uns selbst zuzuschreiben", meinte Kolo Touré von Liverpool, ein Ausgekochter normal, "das war am Ende sehr naiv von uns."

Darunter leidet der afrikanische Fußball seit jeher. Schwer zu sagen, warum. Denn von der ballesterischen Tarantella - der puren Freude des Tänzers an sich und seinem Tun - sind immer wieder auch andere Teams befallen. Wie ließe sich das gerade in Brasilien übersehen? Allerdings stimmt dieses Vorurteil gar nicht mehr. Die Ghanaer, die Kameruner, die Nigerianer und eben auch die Ivorer formieren sich praktisch ausschließlich mit Höchstligaerprobten, solchen also, die mit allen ballesterischen Wassern dieser Welt gewaschen sind.

So wie eben Didier Yves Drogba Tébily, der 1978 in der damaligen ivorischen Hauptstadt Abidjan auf die Welt gekommen ist mit der klaren Vorgabe, zu einem der weltweit besten Fußballspieler zu werden. Das genau tat er in Marseille, später dann sehr eindrucksvoll beim FC Chelsea in London, in Schanghai, im istanbulischen Galata bei Galatasaray.

Nach der traurigen WM darf der Führer der goldenen ivorischen Generation ablösefrei wechseln. Er wird dies nach Turin tun. Aber die Juventus Arena wird wenig mehr sein als ein Ausgedinge für ihn. (sid, red, DER STANDARD, 26.6.2014)

  • Didier Drogba und Wilfried Bony nehmen Abschied vom Dienst an seinem Land, aber noch nicht vom  großen Fußball.
    foto: apa/ap/licovski

    Didier Drogba und Wilfried Bony nehmen Abschied vom Dienst an seinem Land, aber noch nicht vom großen Fußball.

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