Im One-Stop-Shop zur Anmeldung in Österreich

Ansichtssache25. Juni 2014, 18:57
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Die MA 35 für Eheschließung und Einwanderung übersiedelt 40.000 EWR-Verfahren zu einem neuen Standort in Wien-Meidling

26 Minuten soll es in Zukunft dauern, bis EWR-Bürger ihre Anmeldebescheinigung in Händen halten. Das sei keine Bestzeit, sondern die in einem "langwierigen Prozess" berechnete Durchschnittszeit, die das Verfahren in Anspruch nehmen wird, sagt Werner Sedlak, der seit März die Wiener Magistratsabteilung (MA) 35 leitet.

Die Behörde, die neben standesamtlichen Belangen über Einbürgerungen und Aufenthaltstitel entscheidet, ist seit 20. Juni um eine Adresse reicher: In die Arndtstraße 65 im zwölften Bezirk Wiens müssen EWR-Bürger nun, um ihren Aufenthalt in Österreich anzumelden.

Nur ein Besuch nötig

Im neu adaptierten "EWR-Zentrum", in dessen hellen und freundlichen Räumlichkeiten sich zuvor die MA 40 befand, sollen die Anträge im One-Stop-Shop-Prinzip bearbeitet werden: Alle bürokratischen Schritte sollen also an einer einzigen Stelle und - im besten Fall - mit nur einem Besuch erledigt sein. Ein Mitarbeiter werde schon beim Eingang prüfen, ob die Antragsteller im richtigen Amt sind und alle nötigen Unterlagen dabeihaben. Erst dann würden sie zum zuständigen Referenten weitergeleitet.

Eine Sonderbehandlung für EWR-Bürger solle das neu geschaffene Zentrum aber nicht darstellen: "Das heißt nicht, dass wir die Drittstaatsangehörigen weniger servicieren wollen", sagt Sedlak. Die EWR-Verfahren seien aber meist weniger kompliziert. Das Gesetz gebe für Antragsteller aus Drittstaaten außerdem mindestens zwei persönliche Besuche im Verfahrensablauf vor. Man wolle aber auch hier versuchen, den Ablauf zu verbessern.

Standort entlasten

Hauptgrund für die Umstrukturierung der MA 35 sei, den bisherigen Standort in der Dresdner Straße im 20. Bezirk zu entlasten. Erstanträge von Drittstaatsangehörigen werden auch weiterhin dort behandelt. In das "EWR-Zentrum" wurden rund 40.000 Anträge übersiedelt und der neue Standort mit 23 Mitarbeitern aufgestockt. Etwa 80.000 Verfahren verbleiben in der Dresdner Straße.

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst alle Staaten der EU sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Bürger aus diesen Ländern sowie der Schweiz müssen - sofern sie länger als drei Monate in Österreich verweilen - innerhalb von vier Monaten eine Anmeldebescheinigung beantragen. Andernfalls droht ihnen eine Verwaltungsstrafe in Höhe von 50 bis 250 Euro. (Christa Minkin, DER STANDARD/derStandard.at, 25.6.2014)

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Arndtstraße 65-67, Stiege 1, 1. Stock, 1120 Wien lautet die Adresse für das neu geschaffene "EWR-Zentrum". Am Dienstag luden MA-35-Leiter Werner Sedlak und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) Medienvertreter zu einer Besichtigung ein und informierten über den Verfahrensablauf.

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Das One-Stop-Shop-Prinzip beginnt für Antragsteller mit dem Ziehen einer Nummer. Anstatt sich aber dann direkt in den Warteraum zu begeben, wird man zunächst von einem Mitarbeiter aufgehalten. "Aus welchem Land kommen Sie?", wird da gefragt. Das "EWR-Zentrum" ist nur Anlaufstelle für EWR-Bürger und Schweizer. Der Mitarbeiter prüft außerdem, ob alle nötigen Dokumente mitgebracht wurden: "Das ist mitbedacht, dass das möglichst früh passiert", erklärt Werner Sedlak. Lange Wartezeiten mit bösen Überraschungen dürften nach diesem System nicht mehr passieren, meinen Sedlak und seine Mitarbeiter. Wer ein wichtiges Dokument vergessen hat, wird schon beim Eingang wieder weggeschickt oder sofort auf die Nachreichung hingewiesen.

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Bevor man endlich mit der gezogenen Nummer im Warteraum Platz nehmen darf, wird einem auch ein Antragsformular in die Hand gedrückt: für eine Anmeldebescheinigung, einen Lichtbildausweis für EWR-Bürger oder eine Aufenthaltskarte.

Langweilig wird einem dann hoffentlich nicht. Immerhin soll der gesamte Ablauf in nur 26 Minuten zu bewältigen sein. Das Warten kann ja also nicht viel Zeit in Anspruch nehmen.

Trotzdem wurden die Räumlichkeiten vor dem Einzug des "EWR-Referats" aufgefrischt: Auch kurze Wartezeiten verbringt man lieber in hellen Zimmern mit Pflanzen.

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Erst wenn man am Bildschirm die gezogene Nummer erblickt, darf man sich zu einem Referenten oder einer Referentin begeben.

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Wenn bisher tatsächlich alles nach Plan gelaufen ist, braucht die Referentin/der Referent nicht lange.

Blöd wäre nur, wenn nun ein Dokument doch fehlt - zum Beispiel die Bestätigung über die Existenzmittel. Wer sicher gehen möchte, erkundigt sich am besten schon vorab im Internet über die nötigen Unterlagen.

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Vom ersten Referenten geht es zunächst in Richtung Kassa. Die Kosten belaufen sich je nach Antrag auf etwa 30 bis 100 Euro. Mit der Einzahlungsbestätigung in Händen darf man nun in Wartebereich B Platz nehmen. Das Ziel ist schon nah.

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Sogar für die Kleinen ist in den Warteräumen gesorgt: Platz zum Malen und Spielen. Hoffentlich ist dann niemand traurig über die kurzen Wartezeiten.

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Im Büro des zweiten Referenten - das im Falle des Falles natürlich besetzt sein wird - befindet sich die Endstation: Die Anmeldebescheinigung wird ausgedruckt und dem Antragsteller übergeben.

Der Ausgang ist in großen Lettern angeschrieben und ganz einfach zu finden: Das sei "innovative KundInnenstromlenkung" erfahren die Medienvertreter bei der Besichtigung.

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