Verlassene Pinguinkolonien sind ein positives Zeichen

27. Juni 2014, 17:55
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Zwei neue Studien zeigen: Kaiserpinguine sind nicht so unflexibel, wie befürchtet wurde

Saint Paul - Eine aufgegebene Pinguinkolonie klingt nicht nach etwas, worüber man sich aus Artenschutzgründen freuen müsste - aber das kommt ganz auf den Blickwinkel an. Sie kann nämlich auch signalisieren, dass sich die Tiere flexibler - und damit überlebenstauglicher - verhalten, als man ihnen zugetraut hätte. Und genau zu diesem Ergebnis kommen zwei aktuelle Studien, die sich mit dem Auftauchen und Verschwinden von Kaiserpinguinkolonien in der Antarktis befassen.

"Unsere Untersuchungen zeigen, dass Brutkolonien über die Jahre aufzutauchen und zu verschwinden scheinen", sagt  Michelle LaRue von der Universität von Minnesota in Saint Paul. "Das passt nicht zu dem Verhalten von Kaiserpinguinen, wie wir es zu verstehen glaubten", meinte die Wissenschafterin.

Bisher habe als gesichert gegolten, dass Kaiserpinguine immer wieder zum selben Brutort zurückkehren. Forscher seien deshalb besorgt gewesen, dass das schwindende Meereis die Tiere beeinträchtigen könnte. Nun geben LaRue und ihre Kollegen Entwarnung: Sie fanden innerhalb von drei Jahren anhand von Kot und anderen Hinterlassenschaften sechs ehemalige Pinguinkolonien, zu denen die Tiere nicht zurückgekehrten. Zugleich entdeckten sie bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen neue Brutkolonien.

Weitere Studie bestätigt Beobachtungen

Wissenschafter um Andre Ancel von der Universität Straßburg in Frankreich bestätigen diese Erkenntnisse: Auch sie hatten Satellitenbilder ausgewertet - vor und nach dem Abbruch einer großen Gletscherzunge im Februar 2010. Die Kolonie auf der Zunge des Mertz-Gletschers in der Ost-Antarktis zog offenbar in die Nähe der Abbruchkante um, wo es zuvor keine Kolonie gegeben hatte, berichten die Forscher im Fachmagazin "PLOS ONE".

Bei einem Besuch stellten Ancel und Kollegen dann überrascht fest, dass es in etwa 20 Kilometern Entfernung eine zweite Kolonie gibt. Sie sei auf den Satellitenaufnahmen nicht zu erkennen gewesen, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass die ungünstigen Landschaftsbedingungen zu einem Aufspalten der ehemaligen Kolonie geführt haben. "Die Fähigkeit der Kaiserpinguine, wegen Veränderungen in der Umwelt ihre Kolonien zu verlegen, unterstreicht den weiteren Bedarf an einem Mix aus Fernerkundung und Untersuchungen an Ort und Stelle", betonen die Biologen.

Nach der Auswertung früherer Schätzungen und eigener Berechnungen kommt Ancels Team auf eine Gesamtzahl von etwa 260.000 Kaiserpinguin-Paaren in 52 Brutkolonien der Antarktis. Das seien rund ein Viertel mehr als vor 15 Jahren. (APA/red, derStandard.at, 27. 6. 2014)

  • Pinguine können ihren alten Brutplätzen Lebewohl sagen, wenn sie anderswo bessere finden: Eine Flexibilität, die überlebenswichtig sein kann.
    foto: reuters/deborah zabarenko

    Pinguine können ihren alten Brutplätzen Lebewohl sagen, wenn sie anderswo bessere finden: Eine Flexibilität, die überlebenswichtig sein kann.

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