Der letzte Auftritt des Weltenbummlers

25. Juni 2014, 17:36
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Faryd Mondragón, 43 Jahre und drei Tage alt, durfte noch einmal für fünf Minuten das kolumbianische Tor hüten. Er wurde somit zum ältesten Spieler der WM-Geschichte. Der Spielball kommt nun in sein ganz persönliches Museum.

Cuiabá - Als ihn die kolumbianischen Fans nach seiner historischen Bestmarke minutenlang mit Sprechchören feierten, kämpfte "Altmeister" Faryd Mondragón mit den Tränen. Mutterseelenallein stand der älteste Spieler der WM-Geschichte nach dem 4:1-Erfolg Kolumbiens gegen Japan auf dem Rasen der Arena Pantanal und war sich der Bedeutung des Moments vollauf bewusst.

"Es ist ein großer Moment, am Ende eines langen Weges mit 43 Jahren noch einmal eine WM zu spielen", sagte Mondragón, und er hielt seine persönliche Erinnerung an den Abend ganz fest in seinen Händen. Nach dem Schlusspfiff hatte sich der in der 85. Minute eingewechselte Torhüter den Spielball geschnappt und ließ ihn auch beim anschließenden Interviewmarathon nicht mehr los: "Der ist für mein persönliches Museum."

Mit 43 Jahren und drei Tagen ist der ehemalige Schlussmann des 1. FC Köln seit Dienstagabend der älteste, jemals bei Weltmeisterschaften eingesetzte Spieler. Er verdrängte den Kameruner Roger Milla, der 1994 exakt 42 Jahre und 39 Tage alt war. "Herzlichen Glückwunsch an Faryd Mondragón. Alter ist keine Grenze", twitterte Fifa-Präsident Joseph Blatter, der sich jüngst ja erfolgreich gegen ein Alterslimit für Fifa-Funktionäre gewehrt hatte.

"Faryd ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Mit ihm haben wir jemanden, der bereits WM-Erfahrung hat. Davon können auch die anderen Spieler profitieren", sagte José Pékerman. Kolumbiens Trainer hatte es sich, als das Spiel beim Zwischenstand von 3:1 längst entschieden war, nicht nehmen lassen, Mondragón zum Rekord zu verhelfen. Für den "trotamundos", den Weltenbummler, wie ihn die Kolumbianer nennen, ist das Turnier in Brasilien bereits die dritte WM: 1994 war er Ersatzgoalie, 1998 absolvierte er beim Vorrunden-Aus alle drei Begegnungen. Doch kein Einsatz über die gesamte Spielzeit dürfte für ihn so emotional gewesen sein wie die fünf Minuten in Cuiabá.

Rechte Hand

Pékerman hatte Mondragón sogar zu einer Fortsetzung der Karriere überreden müssen. Nach elf Vereinen in acht Ländern heuerte Mondragón 2012 noch einmal in der Heimat bei Deportivo Cali an und ist bei der WM die rechte Hand des argentinischen Trainers. "Ich danke Professor Pékerman für die Möglichkeit", sagte Mondragón, der auch in seiner großen Stunde bescheiden blieb: "Dieser Rekord ist nicht nur für mich, sondern auch für den kolumbianischen Fußball. Es geht nicht nur darum, Geschichte zu schreiben."

Nach dem eindrucksvollen Gruppensieg mit drei Erfolgen treffen die Kolumbianer nun im Achtelfinale am Samstag auf den traditionellen Rivalen Uruguay. "Jetzt kommt Uruguay im Maracanã, eine neue Herausforderung, ein neues Ziel. Wir haben genug Selbstvertrauen und wollen weiterkommen", sagte Pékerman.

Mondragón wird dann selbstverständlich wieder auf der Bank Platz nehmen. Der 25-jährige David Ospina, er ist bei Nizza beschäftigt, ist Kolumbiens klare Nummer eins. Modragón über den Mann, der sein Sohn sein könnte: "Er ist die Zukunft, ich bin die Vergangenheit." (sid, red, DER STANDARD, 26.6.2014)


  • Faryd Mondragón feiert den "großen Moment, am Ende eines langen Weges".  Kolumbien zählt so nebenbei zu den Überraschungen der WM.
    foto: ap/wigglesworth

    Faryd Mondragón feiert den "großen Moment, am Ende eines langen Weges". Kolumbien zählt so nebenbei zu den Überraschungen der WM.

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