Das Tier rauslassen

25. Juni 2014, 17:16
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Radio-Wien-Moderator Alex Scheurer geht Donnerstag, 15.25 Uhr auf ORF 1 auf "Pilgerfahrt nach Córdoba". Mit Ironie gegen das Vergessen.

Wien - Alex Scheurer hat Angst. Der Radio-Wien-Moderator und "Echt fett"-Komödiant fürchtet, dass der Sieg der österreichischen Nationalmannschaft in Córdoba 1978 gegen Deutschland in Vergessenheit gerät: "Es gibt Siebenjährige, die wissen nicht, was in Córdoba passiert ist!“ Während der Fußballignorant angesichts solch’ für ihn froher Kunde geneigt ist, das Kinderhaupt zu tätscheln, ist das für Scheurer mehr als erschütternde Tatsache. Also macht er sich auf, um an die Helden von einst zu erinnern und um bei einer nicht ganz ernst gemeinten Pilgerfahrt nach Córdoba (Donnerstag, 15.25 Uhr) dem Ort des Geschehens zu huldigen.

"Gedenktag"

Der 21. Juni muss ein Feiertag für die Republik werden, fordert Scheurer. Er findet breite Zustimmung: Hans Krankl ist für "Gedenktag“ und "Parade“. „Deutschland zu schlagen ist heute noch das Ansinnen“, erinnert sich Robert Seeger. "Wir haben das Tier rausgelassen“, schwelgt Falter-Chef Armin Thurnher.

Böse Zungen meinen ja, an dem ungebremsten Freudentaumel habe sich Österreich tollgetrunken, der Kater wirke heute noch nach und lähme in einer Art Versagenspanik die Beine der heimischen Kicker. Das scheint vermessen, angesichts der anhaltenden Bedeutungslosigkeit, ist aber immerhin ein Erklärungsansatz.

In Córdoba selbst ist "Córdoba“ selbstverständlich vergessen. Und irgendwann sind auch in Österreich die Siebenjährigen groß. Sie werden nichts mehr wissen von Wunder und Schmach, selbst Sambatänzerinnen im ORF und Beißattacken am Fußballfeld 36 Jahre später werden bei ihnen kaum Emotionen auslösen. Schließlich heilt die Zeit alle Wunden, auch die peinlichsten. (Doris Priesching, Der Standard, 26.6.2014)

  • Alex Scheurer im Stadion, wo das "Wunder" wahr wurde.
    foto: orf

    Alex Scheurer im Stadion, wo das "Wunder" wahr wurde.

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