Ruhende Freundschaft vor USA gegen Deutschland

25. Juni 2014, 17:08
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Es geht nicht um Klinsmann und Löw, sondern um den Gruppensieg. Portugal und Ghana kämpfen um die letzte Chance

Recife - Deutschlands Teamchef Joachim Löw sieht das Duell mit seinem engen Weggefährten und Vorgänger Jürgen Klinsmann im letzten Vorrundenspiel gegen die USA nur als einen Randaspekt. "Wir spielen jetzt gegeneinander. Das ist natürlich ein Geschäft. Da geht es um erfolgreich sein oder auch nicht. Da ruht diese Freundschaft", sagte Löw vor der Partie um den Gruppensieg am Donnerstag (18 MESZ).

Supergespann auf getrennten Wegen

Auf der 1.000 Kilometer langen Reise vom Teamquartier in Santo André zum Austragungsort nach Recife beschäftigte sich der DFB-Coach nicht weiter mit Klinsmann. "Wir beide waren ab 2004 ein Supergespann, haben uns super ergänzt. Jetzt wissen wir beide, es geht für unsere Mannschaften um sehr viel."

Löw musste sich viel mehr damit auseinandersetzen, wie er seinem Team nach dem 2:2 gegen Ghana wieder mehr Organisation und Stabilität geben kann - eventuell auch durch personelle Veränderungen. Für radikale Umbaumaßnahmen aber sieht der Coach nach 13 Länderspielen in Folge ohne Niederlage keinen Anlass.

Bestimmt

Auch die Diskussionen über die womöglich suboptimale Rolle für Kapitän Philipp Lahm als Mittelfeldspieler blockte der 54-jährige Löw ab. "Manchmal nimmt man diese Dinge auch wahr, aber als Trainer kann man nicht immer alles über den Haufen werfen."

Zweifel lässt sein Masterplan nicht zu. "Warum sollte ich jetzt nach einem Spiel irgendwie unsicher werden?", sagte Löw mit dem Hinweis auf jene Kritiker, die nach dem überzeugenden 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal noch von einer Weltklasseleistung und auch von Lahm im Mittelfeld geschwärmt hatten.

Entschlossen

Manager Oliver Bierhoff sprach nach der nochmaligen Aufarbeitung des Ghana-Spiels von "Kleinigkeiten", die gegen die physisch starken Amerikaner besser gemacht werden müssten. Dazu zählt noch größere Entschlossenheit im Abschluss. "Keine dummen Situationen im Aufbauspiel provozieren", laute eine zentrale Vorgabe, verriet Torjäger Thomas Müller. Gegen Ghana hatten ein Fehler im Spielaufbau von Lahm sowie ein kurzes Zögern von Sami Khedira zum Rückstand geführt.

"Philipp hat sicherlich nicht unbedingt den besten Tag erwischt. Er hat zuvor bei Bayern München auf dieser Position viele gute Spiele gemacht", sagte Löw und ergänzte: "Ein Trainer darf sich von der öffentlichen Meinung nicht ständig beeinflussen lassen." Müller räumte zwar ein, dass intern auch das Thema Lahm eine Rolle spiele, aber in einem anderen Sinn: "Wenn, dann wird darüber diskutiert, warum diskutiert wird in den Medien. Die Trainer haben sich klar festgelegt."

Viele Lösungen

Bringt Löw also auch gegen die USA wieder dieselbe Startelf wie in den ersten beiden Spielen, zumal Khedira und Jérôme Boateng ihre Verletzungen überwunden haben? "Denkbar, muss aber nicht unbedingt sein. Wir haben unterschiedliche Lösungen für Spiele, müssen nicht unbedingt mit der gleichen Aufstellung spielen", erwiderte der Bundestrainer auf diese Frage. Am ehesten könnte Bastian Schweinsteiger in die erste Elf rücken. Löw: "Das entscheide ich."

Portugal und Ghana um die letzte Chance

Portugals Verbleib im Turnier hängt nicht nur an einem seidenen Faden, er ist nahezu auszuschließen. Die Portugiesen müssen in Brasília gegen Ghana unbedingt gewinnen und auf Schützenhilfe der Deutschen hoffen. Selbst bei einer Niederlage der USA gegen Deutschland könnte es aufgrund der Tordifferenz für Portugal nicht reichen. Fünf Treffer fehlen dem Ranglistenvierten bei drei Punkten weniger auf die USA. Etwas besser stehen die Chancen für Ghana,. Die Tordifferenz muss man gegenüber den USA um drei Treffer aufbessern. Ein eigener und ein deutscher Sieg sind dabei Pflicht.

Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat im Turnier noch nicht getroffen. "Ich habe nie geglaubt, dass wir Weltmeister werden. Portugal war nie der Favorit", sagte er zuletzt. Der 29-Jährige wirkt nicht in Vollbesitz seiner Kräfte. Schon gegen Ende der Ligasaison hatten ihn Patellasehnenprobleme geplagt. "Ich hätte es mir leicht machen können. Ich hätte nicht nach Brasilien kommen, die Saison als Champions-League-Sieger beenden können. Aber ich bin einer, der sich stellt." (red, derStandard.at/DER STANDARD, 26.6.2014)

Gruppe G, 3. Runde, Donnerstag:

USA - Deutschland
18 Uhr MESZ, Recife, Pernambuco Arena, SR Irmatow/UZB)

Mögliche Aufstellungen:

USA: 1 Howard - 23 Johnson, 20 Cameron, 5 Besler, 7 Beasley - 13 Jones, 15 Beckerman - 11 Bedoya, 4 Bradley, 19 Zusi - 8 Dempsey

Ersatz: 12 Guzan, 22 Rimando - 2 Yedlin, 3 Gonzalez, 6 Brooks, 21 Chandler, 10 Diskerud, 14 Davis, 16 Green, 18 Wondolowski, 9 Johannsson

Es fehlt: 17 Altidore (Oberschenkelverletzung)

Teamchef: Jürgen Klinsmann (GER)

Deutschland: 1 Neuer - 20 Boateng, 17 Mertesacker, 5 Hummels, 4 Höwedes - 7 Schweinsteiger, 16 Lahm, 18 Kroos - 8 Özil, 13 Müller, 19 Götze

Ersatz: 12 Zieler, 22 Weidenfeller - 2 Großkreutz, 3 Ginter, 15 Durm, 21 Mustafi, 6 Khedira, 10 Podolski, 14 Draxler, 23 Kramer, 9 Schürrle, 11 Klose

Portugal - Ghana
18 Uhr MESZ, Brasilia, Estadio Nacional Mane Garrincha, SR Shukralla (Bahrain)

Mögliche Aufstellungen:

Portugal: 22 Beto - 21 J. Pereira, 3 Pepe, 2 Bruno Alves, 19 A. Almeida - 8 Moutinho, 4 Veloso, 16 Meireles - 18 Varela, 11 Eder, 7 Ronaldo

Ersatz: 1 Eduardo, 12 Rui Patricio - 13 R. Costa, 14 Neto, 6 Carvalho, 20 Amorim, 9 H. Almeida, 10 Vieirinha, 15 Rafa, 17 Nani, 23 Postiga

Es fehlt: 5 Coentrao (Oberschenkelverletzung)

Fraglich: 12 Rui Patricio, 9 H. Almeida (beide muskuläre Probleme)

Teamchef: Paulo Bento

Ghana: 16 Dauda - 23 Afful, 21 Boye, 19 Mensah, 20 Asamoah - 7 Atsu, 5 Essien, 17 Rabiu, 10 A. Ayew - 9 K.-P. Boateng, 3 Gyan

Ersatz: 1 Adams, 12 Kwarasey - 2 Inkoom, 4 Opare, 15 Sumaila, 6 Acquah, 8 Badu, 14 Adomah, 22 Wakaso, 13 J. Ayew, 18 Waris

Es fehlt: 11 Muntari (gesperrt)

Teamchef: James Kwesi Appiah

  • Toni Kroos, Miroslav Klose, Trainer Joachim Löw und Kapitän Philipp Lahm (von links) bei der Arbeit. Gegen die USA könnte es zu Umstellungen kommen.
    foto: ap/schrader

    Toni Kroos, Miroslav Klose, Trainer Joachim Löw und Kapitän Philipp Lahm (von links) bei der Arbeit. Gegen die USA könnte es zu Umstellungen kommen.

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