Als Signore Prandelli den Trapattoni gab

25. Juni 2014, 17:08
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Italiens Chefcoach tritt nach dem Aus gegen Uruguay ordentlich hin und wie der Verbandschef zurück - Ärger auch unter den Spielern

Natal - Als die Pleite perfekt war, ließ es Cesare Prandelli quasi trapattonisch krachen. Allerdings watschte der sonst so distinguierte Lombarde nach dem 0:1 gegen Uruguay, nach dem Scheitern Italiens, nicht seine Spieler, sondern die Journalisten ab. Erst verkündete der 56-Jährige seinen Rücktritt als Coach, worauf Verbandspräsident Giancarlo Abete ebenfalls seine Demission verkündete. Als Abete seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, dass sich Prandelli die Sache noch einmal überlegen werde, ließ dieser keinen Ausweg: "Mein Entschluss steht ebenso fest wie der von Giancarlo."

Prandellis Wutausbruch kam mit Verzögerung. Ende Mai hatte er seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Daraufhin gab es viel Kritik an seinem Salär. Es sei in Zeiten der wirtschaftlichen Krise unmoralisch hoch. Zudem war von Schwarzgeld berichtet worden. "Plötzlich wurden wir beleidigt, wir wurden behandelt wie eine politische Partei", sagte Prandelli. Ihm und Abete sei vorgeworfen worden, dem Staat Geld wegzunehmen, aber "ich habe immer meine Steuern gezahlt. Ich möchte nicht, dass jemand sagt, dass ich ein Dieb bin."

Einmal in Schuss, griff Prandelli noch weiter aus und beklagte sich über die wankelmütigen Tifosi. "Wir sind ausgepfiffen worden, Leute haben bei der Nationalhymne gelacht, und jetzt soll das ganze Land plötzlich hinter uns stehen?", frug er rhetorisch.

Die Ära Prandelli, nach dem Rücktritt von Weltmeister Marcello Lippi im Spätsommer 2010 begonnen, war erfolgreich. Die Verjüngung der Mannschaft schien gelungen, der Finaleinzug bei der EM 2012 galt als schlagender Beweis.

Doch am Dienstag offenbarten sich Gräben in der Squadra Azzurra. "Oft hört man, dass es zu einem Wechsel kommen sollte, dass Buffon, Pirlo, De Rossi, Chiellini und Barzagli alt sind. Die Wahrheit ist, dass diese Spieler immer in der ersten Reihe sind, wenn es ums Arbeiten geht. Man muss sie ein bisschen mehr respektieren, nicht nur aufgrund dessen, was sie einmal waren, sondern aufgrund dessen, was sie heute noch sind", sagte Kapitän Gianluigi Buffon (36), der kein Wort über einen möglichen Abschied verlor.

Die Kritik galt vor allem auch Mario Balotelli, der im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht in der Kabine ausharrte, sondern gleich in den Bus floh. Prandelli, der das Enfant terrible immer unterstützt, ja wie seinen eigenen Sohn behandelt hatte, konnte den 23-Jährigen nicht mehr verteidigen. "Balotelli war Teil des Projekts, und es war kein siegreiches Projekt." (sid, lü - DER STANDARD, 26.6. 2014)

  • Cesare Prandelli verlässt die Squadra Azzurra voller Groll.
    foto: ap/calanni

    Cesare Prandelli verlässt die Squadra Azzurra voller Groll.

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