Microsofts neues Surface Pro 3 angetestet

Ansichtssache2. Juli 2014, 10:01
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Die dritte Generation erweckt einen guten Ersteindruck, doch es könnte an der Zielgruppe fehlen

Mit Windows 8 wollte Microsoft die Welt von Touch und Desktop zusammenführen, doch das 2012 veröffentlichte Betriebssystem wurde mit viel Kritik empfangen. Zwei Jahre später ist die Software zur Version 8.1 herangereift - und Gleiches gilt auch für die hauseigene Vorzeigehardware "Surface". Das Convertible ist in der mittlerweile dritten Auflage in den USA erschienen und kommt im Sommer auch nach Österreich. Der WebStandard konnte einen ersten Blick auf das Gerät werfen.

foto: derstandard.at/pichler

Zu den Basics: Im Kern ist das Surface Pro 3 ein Tablet mit 12-Zoll-Display. Der Bildschirm liefert eine Auflösung von 2.160 x 1.440 Pixel, im Inneren werkt je nach Modell eine CPU aus Intels neuester Core-i3-, -i5- oder -i7-Reihe mit unterschiedlich großen (Arbeits-)Speicherkapazitäten

Mit Hilfe des (optional erwerbbaren) Type Cover, das im Prinzip eine dünne Laptoptastatur mit vollwertigen Tasten und einem Touchpad ist, lässt sich das Gerät in eine Art Ultrabook umfunktionieren. Dem entsprechen auch Maße und Gewicht, die bei 292,1 x 201,4 x 9,1 Millimeter bzw. circa 800 Gramm liegen.

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foto: derstandard.at/pichler

In puncto Verarbeitung präsentiert sich das Gerät durchaus hochwertig. "VaporMg" nennt Microsoft die Magnesiumlegierung. Die Fertigung wirkt rundum sauber. Eher Sorgen bereitet in dieser Hinsicht das Type Cover, dessen Kunststoffoberfläche sich etwas "filzig" anfühlt. Die Tasten geben ausreichendes Feedback, halten aber beim Schreibgefühl im ersten Eindruck nicht mit guten Laptop-Tastaturen und eigenständigen Keyboards mit.

Eine kuriose Lösung ist die Schlaufe, in welcher der mitgelieferte Stift für Handschrifteingabe und Zeichentätigkeiten befestigt werden kann. Diese klebt der Benutzer an das Type Cover. An Ablösen und erneutes Anbringen ist allerdings nicht zu denken.

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foto: derstandard.at/pichler

Der (im Lieferumfang enthaltene) Stift an sich wirkt beim Ausprobieren wie eine durchdachte und sinnvolle Beigabe. Mit einem Klick kann Microsofts Cloud-basierte Notiz-App Onenote geöffnet und ein neuer Eintrag angelegt werden, der über das Internet mit anderen Geräten synchronisiert wird.

Der Bildschirm reagiert gut auf die Stifteingabe. Zumindest in Onenote ist auch die Auswahl der Zeichenmodi, der Farbe und Strichdicke einigermaßen gut gelöst. Die am Stift befindlichen Knöpfe werden zum schnellen Umschalten zwischen den wichtigsten Funktionen verwendet. Ein gelungenes Feature ist auch das Auslösen eines Screenshots per Doppelklick.

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foto: derstandard.at/pichler

Eine Besonderheit der Surface-Reihe ist seit jeher der in das Tablet integrierte Kickstand. Auf dem Surface Pro 3 ist dieser erstmals stufenlos einstellbar und soll seine Position bei normalem Gegendruck bei der Eingabe zuverlässig wahren. Unter ihm hat Microsoft den MicroSD-Slot versteckt.

Beim Hands-on-Gerät, das nach Auskunft von Microsoft ein Vorserienmodell ist, entstand der Eindruck, der Bildschirm könnte etwa beim Arbeiten im Zug erschütterungsbedingt weiter nach hinten klappen. Gegenüber dem WebStandard versicherte man, dass bei der finalen Fassung des Surface 3 ein verbessertes Scharnier zum Einsatz kommt.

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Hardwarebedingt nutzt das Surface 3 Pro aktive Lüftung und verfügt deswegen am Rand seines Gehäuses über einen dünnen, durchgehenden Schlitz. Ob dieser auf lange Sicht zu einem Einfallstor für Staub und Schmutz werden könnte, bleibt abzuwarten.

Im Normalbetrieb ist das Lüftergeräusch praktisch nicht hörbar, erst unter Last erschallt ein merkbares Pfeifen. Getestet wurde das mit einer Rennrunde in "Asphalt HD", wo das Geräusch aber locker vom Sound des Spiels überdeckt wurde.

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Beim Anspielen des Titels gab sich das Testgerät hinsichtlich Performance keine Blöße. Der Durchlauf funktionierte ruckelfrei, auch bei aufwendigeren Zeitlupe-Effekten. Dementsprechend flüssig lässt sich auch durch die Kacheloberfläche von Windows 8.1 oder per Browser durch das Web navigieren.

Das Display bietet klare Farben und schöne Kontraste, was insbesondere bei Games und hochauflösenden Videoinhalten zur Geltung kommt. Beim Versuch, unter freier Sonne Bilder aufzunehmen, erwies sich der Bildschirm allerdings auch als recht stark spiegelnd.

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foto: derstandard.at/pichler

Bleibt noch eine kurze Beurteilung des Formfaktors: Mit dem größeren Display - vorherige Generationen wiesen eine Diagonale von 10,6 Zoll auf - eignet sich das Surface Pro 3 prinzipiell durchaus als Ultrabook. Allerdings sind für die erhöhte Portabilität Einschränkungen hinsichtlich Tastatur und Anschlüssen gegeben - diese erschöpfen sich in einem USB-3.0-Port, einem Displayport mit 4K-Unterstützung und der 3,5-mm-Audioklinke.

Als reines Tablet wiederum wirkt das Gerät etwas groß und schwer. Damit erscheint ein Einsatz abseits der eigenen Wohnung oder im Büro als potenziell mühselig. Ein Urteil diesbezüglich kann allerdings erst in einem Langzeittest gefällt werden.

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foto: derstandard.at/pichler

Microsoft sieht das Surface Pro 3 als Angebot für Businesskunden. Daher hat der österreichische Windows-Chef Alexander Linhart wenig Bedenken bezüglich der Dimensionierung und des vergleichsweise hohen Preises - obwohl es auf dem Markt wesentlich günstigere Tablets, Laptops und auch Windows-Convertibles gibt.

Die günstigste Variante des bereits vorbestellbaren Hybriden wird 799 Euro kosten, sie besitzt eine Core-i3-CPU, 64 GB Speicher und vier GB RAM. Das obere Ende des Spektrums bildet das Surface 3 mit Core-i7-Prozessor und 512 GB Platz sowie acht GB RAM um 1.949 Euro. Für das Type Cover verlangt man zusätzlich 129 Euro.

Der Österreich-Start erfolgt am 28. August. (Georg Pichler, derStandard.at, 2.7.2014)

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