"Valiant Hearts": Ein packendes Kriegsspiel ohne Töten

26. Juni 2014, 09:46
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Adventure erhält viel Lob für Atmosphäre und Erzählkunst, Kritik an spielerischen Schwächen

Von 1914 bis 1918 tobte mit dem Ersten Weltkrieg einer der bisher verheerendsten bewaffneten Konflikte auf dem Planeten. Die Auseinandersetzung, die Millionen Tote forderte und historisch letztlich auch den Boden für den Zweiten Weltkrieg bereitete, gehört zu einem der beliebteren Szenarios für Videospiele. So auch für das Adventure "Valiant Hearts: The Great War" – das darauf verzichtet, den Spieler töten zu lassen.

Keine pazifistischen Motive

Entstanden ist das Game bei Ubisoft im französischen Montpellier. Gamedesigner Simon Chocquet-Bottani erklärt gegenüber CVG, dass die Entscheidung bewusst getroffen wurde, um sich mehr auf die "menschliche" Seite des Krieges konzentrieren zu können.

Das Töten von Gegnern wäre auch hinderlich für die Bindung zwischen dem Spieler und den vier Protagonisten und wäre der Botschaft des Spiels nicht zuträglich. Selbst bei "indirekten Aktionen", wie etwa dem Zerstören einer Brücke, wäre ersichtlich, dass die darauf befindlichen Soldaten rechtzeitig mit dem Leben davon kommen.

Vier Geschichten

Der Spieler schlüpft in die Rolle der vier Charaktere Emile, Freddie, Anna und Karl. Emile ist der ältere Herr der Runde, er lehnt das Kämpfen ab und dementsprechend führt sein Weg ihn durch viele friedlich lösbare Rätsel und erfordert auch die Suche nach Wegen, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Freddie hingegen ist aufgrund seines Hintergrunds öfters in Auseinandersetzungen involviert und geht mit mehr Temperament an Herausforderungen.

Anna übernimmt eine eher samariterhafte Rolle und muss oft schnelle Entscheidungen treffen, um anderen zu helfen. Karl wurde durch den Krieg zum Kämpfer wider Willen und sucht Möglichkeiten, gefährlichem Geschehen leise zu entkommen. Mit dabei ist auch ein treuer Sanitäts-Hund, der sich in manchen Situationen per Zuruf ins Geschehen involvieren lässt.

Packende Atmosphäre

Unisono gelobt wird das Spiel für seine künstlische Umsetzung. Trotz der comichaften Grafik ist das Szenario packend inszeniert und lässt den Spieler schnell mitfühlen. Die Landschaften – vom ländlichen Frankreich bis hin zu zerbombten Städten – sind liebevoll coloriert und mit zahlreichen Details gespickt. Im Hintergrund vermitteln Ruinen, Kriegsmaschinerie und animierte Kampfsequenzen trotz 2D-Umsetzung ein Gefühl für Situation und Dimensionen, umschreibt es Eurogamer.

Gleichzeitig stimmt auch die akustische Untermalung, um ein stimmiges Bild zu schaffen. Einen Eindruck von den Fähigkeiten der "Valiant Hearts"-Entwickler gibt bereits der packend-melancholische Trailer.

ubisoft

Mit Botschaft

In spielerischer Hinsicht wechselt das Geschehen zwischen klassischen Adventure-Puzzles, die teilweise unter Zeitdruck zu erledigen sind, und action-lastigeren Sequenzen wie etwa einer Autoverfolgungsjagd.

Dabei liefert das Spiel auch – wie Joystiq es bezeichnet – "charmante" Einlagen, wie den Kampf gegen einen deutschen Kommandeur in einer zerbombten Kirche in Reims mithilfe der dortigen Orgel. Besonderes Lob erhält das "brlliant inszenierte" Finale.

Die Botschaften, die "Valiant Hearts" vermittelt, werden dabei nicht aufdringlich transportiert. Es gibt keinen Fokus auf Momente, in denen Menschen zu Tode kommen oder andere tragische Dinge passieren. Die Erinnerungen, die man in der Haut der Protagonisten durchlebt, reichen von traurig bis heiter oder einfach nur "einprägsam".

Schwächen

Hinter der mitunter beeindruckenden Fassade verbergen sich aber auch Schwächen, wie man etwa bei Eurogamer liest. Viele Rätsel, die das Spiel stellt, sind eher gewöhnlich und uninspiriert, und werden der Inszenierung nicht gerecht. Dazu gesellen sich auch einige repetitive Einlagen, wie etwa Schalterrätsel an Orten, wo sie eher nicht hinpassen, was der Spielwelt manchmal etwas von ihrer Authenzität nimmt.

Positiv herauszustreichen ist wiederum, dass das Spiel nicht nur die Beklemmungen eines Krieges vermittelt, sondern oft auch die Gelegenheit gibt, sich Fakten zu dieser düsteren Epoche der Weltgeschichte anzueigenen

Interaktive Geschichtsstunde

Insgesamt präsentiert sich "Valiant Hearts" als traditionell gestricktes Adventure aus der alten Schule, das seine Schwächen oft mit einer überaus gelungenen Präsentation überspielen kann. Teils packende Erzählung, teils interaktive Geschichtsstunde ermöglicht der Titel dem Spieler, sich eine neue Perspektive auf den blutigen Anbruch des 20. Jahrhunderts anzueignen.

"Valiant Hearts: The Great War" ist für PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360 und Windows erschienen. (gpi, derStandard.at, 26.06.2014)

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