Bilanz der Telekom Austria wegen Bulgarien-Tochter tiefrot

25. Juni 2014, 17:37
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Wertberichtigung um 400 Millionen Euro - Bereits im ersten Quartal war der Überschuss um 26,5 Prozent auf 40,8 Millionen Euro abgesackt

Wien - Kurz nach der Aufregung um die Machtübernahme von America Movil bei der Telekom Austria sorgt der teilstaatliche Konzern neuerlich für Wirbel. Wie die Telekom am Mittwoch bestätigte, muss die Bulgarien-Tochter um 400 Millionen Euro wertberichtigt werden. Die bilanzielle Maßnahme dürfte heuer zu einem Verlust der Telekom in der Größenordnung von 200 bis 300 Millionen Euro führen. Wie ein Sprecher erklärte, bleibe die angekündigte Dividende unverändert bei fünf Cent je Aktie.

Er trat zudem Spekulationen über eine Finanzaffäre in Bulgarien entgegen. Das neue Management der Tochter Mobiltel habe angesichts des schlechteren ökonomischen Umfelds die Businesspläne verwerfen müssen. Diese hingen auch mit der Krise in der Ukraine zusammen. Der Durchschnittsumsatz sank binnen zwei Jahren von 8,7 auf 5,4 Euro pro User. Wegen der angeblich vom neuen Finanzchef Siegfried Mayrhofer nach einem tiefen Blick in die Bücher verlangten Abwertung kam es am Mittwoch zu einer Krisensitzung des Aufsichtsrats unter der Leitung von ÖIAG-Chef Rudolf Kemler.

Aufbesserung

Die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von einer Milliarde Euro dürfte nun eher zur Aufbesserung der ramponierten Eigenkapitalquote als zur Expansion in Osteuropa verwendet werden, meinen Insider - wenn überhaupt: Laut Magazin News hat der von Carlos Slim aufgebaute mexikanische Konzern eine Ausstiegsklausel vereinbart. Damit würde auch die Kapitalerhöhung wackeln. Die Telekom will das nicht kommentieren, weil sie den zwischen ÖIAG und America Movil geschlossenen Syndikatsvertrag nach eigenen Angaben gar nicht kennt.

Für den Konzern wird die Situation dadurch verschärft. Bereits im ersten Quartal war der Überschuss um 26,5 Prozent auf 40,8 Millionen Euro abgesackt, der für das Unternehmen besonders wichtige Cash Flow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sank um 22,4 Prozent auf 148,9 Millionen Euro. Damals wurde ein Kostensenkungsprogramm im Volumen von 100 Millionen Euro angekündigt. Neben Bulgarien schlägt sich auch die Krise in Weißrussland nieder.

Auch in Österreich ist die Lage nicht allzu rosig. A1 hat zuletzt deutlich an Kunden verloren. Auch die durchschnittlichen Erlöse je Abnehmer schrumpfen wegen sinkender Preise. Bei Tarifen und Handypreisen wurde allerdings bereits gegengesteuert. (as, DER STANDARD, 26.6.2014)

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