Übersetzungsprobleme im Ecclestone-Prozess

25. Juni 2014, 15:42
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Formel-1-Juristin widersprach Ecclestone-Anklägern in wichtigem Punkt

München - Übersetzungsprobleme haben im Bestechungsprozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone für Schwierigkeiten gesorgt und eine wichtige Zeugin in Tränen ausbrechen lassen. Eine Dolmetscherin hatte am Mittwoch vor dem Landgericht München Probleme, die Aussage der Formel-1-Hausjuristin Sacha Woodward-Hill korrekt vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen.

Ecclestones Anwälte korrigierten sie mehrfach, weil sie einzelne Sätze nicht richtig wiedergegeben habe. Nach rund einer Stunde musste die Dolmetscherin gehen. Die Juristen des 83-Jährigen betonten, die korrekte Übersetzung sei wichtig, da Woodward-Hill als wichtige Zeugin gilt. Die Australierin arbeitet seit fast 20 Jahren mit Ecclestone zusammen und gilt als eine seiner engsten Vertrauten. Falls Ecclestone wegen Bestechung verurteilt wird und seinen Job verlieren würde, gilt sie als mögliche Kandidatin für eine Nachfolgelösung an der Formel-1-Spitze.

Rückendeckung

Inhaltlich hat Sacha Woodward-Hill ihrem Chef Ecclestone vor dem Landgericht München in einem zentralen Punkt den Rücken gestärkt. Als Zeugin im Bestechungsprozess gegen Ecclestone widersprach sie dem Vorwurf der Anklage, dass der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky bei einem Treffen am Münchner Flughafen offen mit der Absetzung Ecclestones als F1-Chef gedroht habe.

"Wenn Dr. Gribkowsky ihm mit dieser Drohung gekommen wäre, dann wäre er mit Sicherheit in sein Flugzeug gestiegen und nach Hause geflogen", sagte Woodward-Hill am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Ecclestone dem Landesbank-Vorstand beim Verkauf der Rennserie aus Angst vor seinem Rauswurf an der Spitze 44 Millionen Dollar (32,31 Mio. Euro) Bestechungsgeld gezahlt hat.

Tränen im Gerichtssaal

Der Streit um die Übersetzung setzte Woodward-Hill aber offenbar zu. Mehrfach wurde sie gebeten, einzelne Passagen zu wiederholen - anscheinend zu viel für die ranghohe Juristin: In einer kurzen Unterbrechung verließ sie weinend den Saal. Wenige Minuten später hatte sie sich wieder gefangen. Auf Vorschlag von Ecclestone wurde ihre Aussage schließlich von seiner eigenen Dolmetscherin übersetzt, die seit Jahren mit der Materie vertraut ist und die komplizierten Begriffe kennt. Für Ecclestone wurde ein anderer Dolmetscher gefunden.

Hintergrund

Im Kern geht es in dem Prozess um den Vorwurf, Ecclestone habe dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowksy 44 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt, damit dieser die Formel-1-Mehrheit an seinen Wunschinvestor verkauft. Ecclestone stellte das Ganze hingegen als eine Art Erpressung dar.

Die Übersetzungsprobleme fingen schon bei der Abfrage der Personalien von Woodward-Hill an. "Unmarried" sagte die Juristin auf die Frage nach ihrem Ehestand. Die Dolmetscherin verstand stattdessen aber "I'm married" und übersetzte es somit als "verheiratet". Während es sich dabei noch um ein akustisches Verständnisproblem handelte, ging es kurz darauf um die Auslegung einzelner Wörter: "Cordial" übersetzte die Dolmetscherin mit "freundlich" und löste damit eine Diskussion darüber aus, ob es nicht besser "herzlich" heißen müsste. (APA, 25.06.2014)

  • Berni Ecclestone (li.) und sein Anwalt Sven Thomas beim Warten am Münchner Gericht.

    Berni Ecclestone (li.) und sein Anwalt Sven Thomas beim Warten am Münchner Gericht.

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