Kleine Insel, großer Kampf

25. Juni 2014, 14:10
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Der Kurzfilm "A Small Island" zeigt, wie sich die queere Szene in Sarajevo rund um das Lokal "Pussy Galore" formiert - Mittwoch ist Wienpremiere

Niemand ist eine Insel. Damit will man gemeinhin aussagen, dass kein Mensch ohne seine Mitmenschen sein kann. Wie das, im guten wie auch im schlechten Sinne, in der Realität aussieht, zeigt der gut 30-minütige Film "A Small Island", der heute, Mittwoch, seine Wienpremiere feiert. Realisiert wurde der Streifen von der Filmemacherin Liesa Kovacs, dem DJ und strickende Künstler Christian Pausch und dem Trickfilmer und Graffitikünstler Nick Prokesch. Die drei miteinander befreundeten, in Wien lebenden Niederösterreicher waren im Sommer 2013 vom Kulturlokal "Pussy Galore" in der Altstadt von Sarajevo eingeladen worden, das Lokal ein Wochenende lang zu bespielen und zu gestalten. Neben Urban-Knitting und einer Videoinstallation veranstalteten sie an diesem Wochenende auch einen Partyabend im Club. In ihrem Film haben die drei ihre Reise ebenso dokumentiert wie Erlebnisse und Begegnungen vor Ort.

Alle sind willkommen

Das Besondere an "Pussy Galore" ist, dass das Lokal als einer der wenigen Orte in  Bosnien und Herzegowina eine Art Schutzraum für LGBTIQ-Menschen bietet – also für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen. Im Gespräch mit der Betreiberin, der aus Kroatien stammenden Sanja Deanković wird deutlich, wie schwer es ist, an einem Ort wie Sarajevo einen solchen Club zu betreiben

Sie erzählt von massiven Anfeindungen, davon, unter Druck gesetzt und sogar mit Waffen bedroht worden zu sein. Warum? "Weil ich eine Frau bin", meint sie lapidar, und ergänzt: Die Gesellschaft hier in Sarajevo sei eben sehr patriarchal geprägt. Zudem sei sie nicht von hier, habe eine andere Ethnie – sie sei eben anders. Sie gehe trotzdem aus dem Haus, sagt sie, und stelle sich den Anfeindungen. Sie meint: Wenn man mit so etwas nicht umgehen kann, , dann darf man so einen Club eben nicht machen. Sie aber wollte genau das. Sie wollte eine "kleine Insel" schaffen, auf der alle willkommen sind.

Starker Zusammenhalt

Was für ein Glück die "kleine Insel" genau für die Menschen ist, die von ihrer Umwelt als "anders" definiert werden, das zeigt dieser kurze Film. Momenteindrücke zu Beginn lassen keinen Zweifel, wo man sich hier befindet: im postsozialistischen Sarajevo. Da sind feuerrote McDonalds-Plakate oft der einzige Farbklecks in einer Umgebung aus tristem Grau-in-Grau. An einem Museum hängt ein Transparent, das in dicken Lettern verkündet: geschlossen.

Daneben zeigt der Film Gespräche an der Bar des "Pussy Galore". Gespräche mit dem transsexuellen Barkeeper Aleks Gosto und der in Sarajevo lebenden deutschen Aktivistin Dorothee Baumann, in denen deutlich wird: Es ist ein großer Kampf, hier seine trans- oder homosexuelle Identität zu leben.  Zugleich gibt es eine Community, in der starker Zusammenhalt herrscht. Man will sich gegenseitig unterstützen und beistehen.

Graffiti als Kommunikation

Wie präsent diese Szene ist, zeigen (auch) Spaziergänge durch die Stadt mit Dorothee Baumann. Sie führen durch die Galerie der hiesigen Street-Art. An mehr oder weniger heruntergekommenen Fassaden weist die Aktivistin immer wieder auf Graffiti hin: "Queer Revolt" steht da zum Beispiel, immer wieder. Diese Slogans sind mit roter Farbe durchgestrichen – was diese Wände wiedergeben, ist eine Art Kommunikation zwischen der queeren Szene und homophoben Hooligans. Sie beweisen aber auch, dass sich in dieser Stadt etwas bewegt. Oder, wie es die Protagonistinnen und Protagonisten des Filmes ausdrücken: Sie zeigen ihnen, dass sie nicht alleine hier sind. (Andrea Heinz, dieStandard.at, 25.06.2014)

"A Small Island" feiert am 25. Juni, 20 Uhr, im mo.ë, Thelemanngasse 4, 1170 Wien Wienpremiere.

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  • Diese Slogans sind mit roter Farbe durchgestrichen – was diese Wände wiedergeben, ist eine Art Kommunikation zwischen der queeren Szene und homophoben Hooligans.
    foto: a small island

    Diese Slogans sind mit roter Farbe durchgestrichen – was diese Wände wiedergeben, ist eine Art Kommunikation zwischen der queeren Szene und homophoben Hooligans.

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    foto: a small island
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