Vom Außenseiter zum Überraschungsteam

Reportage mit Video25. Juni 2014, 14:08
4 Postings

Die "Ticos" sorgen nicht nur in Brasilien für Begeisterung. Auch in Wien befindet sich die costa-ricanische Community in Ekstase. Ein Lokalaugenschein aus der Sportbar "Champions"

"Fußball verbindet das Land", sagte Ana Teresa Dengo, Botschafterin Costa Ricas in Österreich, inmitten eines blau-weiß-roten Fahnenmeers. Die Diplomatin des mittelamerikanischen Staates ist eine der Anwesenden beim ersten großen Zusammentreffen der costa-ricanischen Community in Wien während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Einen Anlass zur "reunión" gab die hervorragende Leistung der Überraschungsmannschaft des Turniers.

csekö & puktalovic

Der Initiator des Meetings war die costa-ricanische Botschaft selbst, auf elektronischem Weg wurden die in Wien lebenden "Ticos" zum Spiel gegen England versammelt. Im amerikanischen Pub eines Innenstadt-Hotels kamen an die 50 Costa-Ricaner zusammen, um ihr Team nach den ersten zwei überraschend erfolgreichen WM-Spielen anzufeuern. Fast die Hälfte der registrierten Community-Mitglieder erschien, viele trafen direkt von der Arbeit ein. Vom "Tellerwäscher" bis zum höchsten diplomatischen Kreis des Landes waren alle präsent und feierten gemeinsam die neuesten Kapitel der costa-ricanischen Sportgeschichte.

Die "Ticos" blickten mit Leidenschaft und Enthusiasmus auf das dritte Spiel der Überraschungsmannschaft der WM, ihre Erleichterung nach der frühen Qualifikation fürs Achtelfinale war deutlich spürbar.

Überraschung für die eigenen Fans

Die Leistung der Spieler war für die Costa-Ricaner selbst eine Überraschung. Adriana, eine in Wien lebende Doktorandin, interessierte sich für Fußball vor der WM eher weniger, innerhalb von ein paar Tagen drehte sich diesbezüglich die Welt für sie komplett um. Diesmal erschien sie in einem roten T-Shirt und merkte mit leichtem Schamgefühl an, dass sie noch nicht über das offizielle Trikot der Nationalmannschaft verfügt. Lang wird das vermutlich nicht dauern, beim Achtelfinal-Spiel am kommenden Sonntag gegen Griechenland soll ein noch furioseres Ambiente in der mittelamerikanischen Community herrschen.

Erwartungen gestiegen

Je weiter das Team kommt, desto höher die Erwartungen. Für viele sind diese sehr schnell gestiegen. Kaum wer hätte vor dem ersten Spiel damit gerechnet, dass die "Ticos" als Erster aus der "Todesgruppe" weiterkommen. "Niemals hätte ich gedacht, dass wir gegen die Götter des Fußballs gewinnen können", konstatiert Fanny mit viel Stolz und glänzenden Augen. Nach der Eliminierung von England und Italien ist ihre Freude mehr als gerechtfertigt.

Den Sieg zu erlangen ist aber nicht der einzige Aspekt, der für die Fans zählt. Für Jonas, Wiener costa-ricanischer Abstammung, ist auch das Spiel wichtig: "Wenn die Mannschaft gut spielt und so verliert, dann bin ich auch glücklich."

Nicht zum ersten Mal im WM-Achtelfinale

Die Qualifikation fürs Achtelfinale ist Costa Rica nicht unbekannt. Vor 24 Jahren ist die "Selección" bei der WM in Italien schon einmal so weit gekommen, damals ist ihr aber die Tschechoslowakei im Weg gestanden. Ob die Geschichte gegen Griechenland sich wiederholt, ist eine Frage, die sich an diesem Sonntag entscheiden wird. Die "Ticos" und "Ticas" werden auch dann ihre Mannschaft lauthals unterstützen in der Hoffnung, dass Costa Rica weiter Geschichte schreiben kann. (Balázs Csekő, Siniša Puktalović, daStandard.at, 25.6.2014)

Share if you care.