Umfrage: Mehrheit für Unterricht am Nachmittag

25. Juni 2014, 13:12
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55 Prozent für verschränkte Ganztagsschule - Volkshilfe: Nachhilfe überflüssig machen

Die Mehrheit der Österreicher ist dafür, dass auch am Nachmittag unterrichtet wird. In einer Umfrage, die von der Volkshilfe in Auftrag gegeben wurde, sprachen sich 55 Prozent der 1.000 Befragten dafür aus, dass die verschränkte Ganztagsschule flächendeckend eingeführt wird. "Es ist absurd, dass Millionen für die Nachhilfe ausgegeben werden. Schüler sollen am Nachmittag in der Schule lernen", sagte Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, bei der Präsentation der Studie am Mittwoch.

Minderheitenprogramm

An der verschränkten Ganztagsschule wechseln sich über den ganzen Tag hinweg Unterrichts- und Freizeit für alle Schüler ab. Im Gegensatz dazu werden bei der Ganztagsbetreuung nur jene Schüler am Nachmittag betreut, deren Eltern sie dafür anmelden. Die verschränkte Ganztagsschule ist derzeit noch ein Minderheitenprogramm. Im Schuljahr 2012/13 boten 1,8 Prozent der AHS-Unterstufen Unterricht auch am Nachmittag an. Das Unterrichtsministerium geht davon aus, dass insgesamt und über alle Schulformen hinweg fünf Prozent der Schulen verschränkte Ganztagsschulen sind.

Bis 2018 wird die Ganztagsbetreuung an Schulen mit 400 Millionen Euro zusätzlich unterstützt. Ob das ausreichen wird, will Fenninger noch nicht beurteilen. "Die Schüler sollen am Nachmittag ohne Hausübung nach Hause gehen. Nicht alle Eltern sehen sich in der Lage, sie daheim zu unterstützen", sagt er.

109 Millionen Euro für Nachhilfe

Die Volkshilfe fordert die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule vor allem deshalb, um auch Schülern von Eltern mit formal niedrigerem Bildungsabschluss und wenig Geld eine gute Bildungskarriere zu ermöglichen. "Derzeit hängt das Durchkommen in der Schule vom Geldbörsel der Eltern ab", sagt Fenninger. Ein Beispiel dafür sei, dass laut einer Studie der Arbeiterkammer 25 Prozent der Eltern ihre Kinder zur Nachhilfe schicken. Insgesamt fließen pro Jahr 109 Millionen Euro in die Nachhilfe für schwache Schüler, pro Kind sind das 732 Euro. Die Ganztagsschule soll Nachhilfe obsolet machen.

Fenninger fühlt sich in dieser Forderung auch durch die Umfrage unterstützt, in der 80 Prozent der Befragten dafür sind, dass es mehr Lernbetreuung und Nachhilfe in den Schulen geben soll, um private Nachhilfe überflüssig zu machen.

Flächendeckende Sozialhilfe

Ein Anliegen ist der Volkshilfe zudem ein flächendeckendes Angebot von Schulsozialhilfe. In der Umfrage sprachen sich 72 Prozent für diese Maßnahme aus. Im Jahr 2013 waren laut einer Schätzung des Unterrichtsministeriums rund 150 Schulsozialarbeiter an den 6.000 Schulen im Einsatz. Das ist laut der Volkshilfe viel zu wenig, sie fordert, dass auf 500 Schüler mindestens ein Schulsozialarbeiter kommt. Derzeit ist ein Sozialarbeiter manchmal sogar für 4.000 Schüler zuständig.

Mehr Mittel für Problemschulen

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 84 Prozent der Befragten wollen eine bessere Ausstattung von Schulen in benachteiligten Gebieten. "Damit sind nicht nur ländliche Gebiete gemeint, sondern Schulen in der Stadt, die zum Beispiel viele Schüler mit Migrationshintergrund besuchen", erklärt Fenninger. Die Volkshilfe fordert hier ein Modell, das sich an Ländern wie den Niederlanden, Kanada und der Schweiz orientiert, wo Problemschulen "kompensatorische Mittel" bekommen.

Wie so oft sind sich die Österreicher auch in der Volkshilfe-Umfrage nicht einig darüber, ob es eine Gesamtschule für alle Zehn- bis 14-Jährigen geben soll. 49 Prozent sind dafür, 39 dagegen, zwölf Prozent haben keine Meinung dazu. Fenninger ist überzeugt davon, dass die gemeinsame Schule den Kindern aus ärmeren Familien bessere Bildungschancen geben würde. "Die frühe Trennung nach der Volksschule muss beendet werden."

Für die Umfrage wurden 1.000 Personen im April in persönlichen Gesprächen befragt. Durchgeführt wurde die Studie vom SORA-Institut, die Schwankungsbreite liegt bei drei Prozent. (Lisa Aigner, derStandard.at, 25.6.2014)

  • Bei der verschränkten Ganztagsschule wechseln Unterrichts- und Freizeit einander ab.
    foto: apa/schlager

    Bei der verschränkten Ganztagsschule wechseln Unterrichts- und Freizeit einander ab.

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