Zugeständnisse Stögers besänftigen Hausärzte

25. Juni 2014, 12:09
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Modifizierter Reformplan spricht vom "Team rund um den Hausarzt"

Wien - Die modifizierte Fassung des Konzepts für eine medizinische Primärversorgung lindert offenbar den Ärger der Hausärzte.  Statt von "multidisziplinären Teams" ist dort laut "Ö1 Morgenjournal" vom "Team rund um den Hausarzt" die Rede - und der solle auch künftig das Sagen haben. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) sagte am Mittwoch: "Das Konzept der Primärversorgung wird die Allgemeinmediziner, die Hausärzte, in ihrer Rolle stärken."

Das Finden neuer Begrifflichkeiten sei notwendig geworden, denn "das sind zwei schwierige Begriffe, deren Inhalt unterschiedlich beurteilt wird." Jetzt sind - entsprechend der Forderung der Hausärzte - andere medizinische Berufe nicht mit dem der Mediziner gleichberechtigt.

Kooperationen gewollt

Geht es nach dem Gesundheitsminister, soll die Reform in folgende Richtung zeigen: "Es wird in der Zukunft auch einzelne Ordinationen geben müssen und die werden wir brauchen. Aber es wird für die Ärztinnen und Ärzte in der Allgemeinmedizin möglich sein, Kooperationen einzugehen - und das wird unterstützt und gewollt."

Immerhin: Die Hausärzte haben ihre Protestpressekonferenz vorerst abgesagt, am bevorstehenden Ärztekammertag wolle man ausführlich zur Neufassung des Reformkonzeptes Stellung nehmen.

Reformvorhaben

Der Hintergrund: Im Zuge der jüngst beschlossenen Gesundheitsreform soll die Primärversorgung in Österreich gestärkt werden. Nach Beratungen von Bund, Ländern, Sozialversicherungen und verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitsbereich soll ein entsprechendes Konzept am Montag beschlossen werden. Ziel ist die Vernetzung der Gesundheitsberufe. Die Patienten sollen an ihrem Wohnort von Teams betreut werden.

Sogenannte Primärversorgungseinrichtungen sollen in Hinkunft als erste medizinische Kontaktstellen für alle Menschen mit gesundheitlichen Anliegen und Problemen dienen. Das heißt aber nicht, dass der einzelne Allgemeinmediziner in seiner Praxis abgeschafft wird. Vielmehr sollen in einem ersten Schritt bestehende Strukturen vernetzt werden. Daneben sind aber auch neue Organisationsformen geplant - mit allen Gesundheitsberufen in einem Haus.

Reformvorhaben reloaded

Vorgesehen sind Teams, die aus einem Hausarzt, Pflegepersonal und Ordinationsassistenzen bestehen. Dazu kommen noch Spezialisten für die Versorgung von Kindern, Alten oder für Menschen mit psychosozialen Problemen. Bei Bedarf können noch weitere Berufsgruppen wie Ergotherapeuten, Hebammen, Sozialarbeiter und Einrichtungen wie Apotheken, Krankenanstalten oder Schulen dazukommen. Der Passus "Team rund um den Hausarzt" soll eben jene gestärkte Rolle der Hausärzte unterstreichen.

Ziel ist es laut einem Papier des Gesundheitsministeriums, jederzeit leicht zugängliche Kontaktstellen und Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. Neben der Primärversorgung ist auch die Koordination für die weitere Behandlung vorgesehen. Lange Öffnungszeiten sollen einen Zusatznutzen für die Patienten bringen. Die multiprofessionelle Zusammenarbeit soll zudem für eine leichtere Terminvereinbarung, die Vermeidung unnötiger Arztwege und kürzere Wartezeiten sorgen. Vor allem um chronisch Kranke will man sich damit besser kümmern können. Erste Versuche sollen kommendes Jahr starten. (APA, 25.06.2014)

  • Verspricht den Hausärzten, weiter eine wichtige Rolle zu haben: Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

    Verspricht den Hausärzten, weiter eine wichtige Rolle zu haben: Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

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