Terroralarm: Radikale junge Briten rufen zum Kampf auf 

25. Juni 2014, 10:00
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In England wächst die Sorge vor gewaltbereiten Jihadisten 

London - Die Sicherheitsbehörden auf der Insel warnen schon seit Monaten vor radikalisierten jungen Muslimen, die traumatisiert aus dem syrischen Bürgerkrieg zurückkehren. Jetzt erhalten die Antiterror-Fahnder Bestätigung durch die Propaganda der Islamisten: In einem Videofilm rufen drei junge Briten ihre Glaubensbrüder zum Märtyrertod für Isis auf, die blutrünstige Terrortruppe, die im Irak für Angst und Schrecken sorgt.

Fast täglich liefern die Medien neue Geschichten über junge Jihadisten. Dabei gleichen sich die Details auf verblüffende Weise: Die 17- bis 20-Jährigen galten allesamt als gut integriert in der britischen Gesellschaft, die Familien beteuern ihre Ahnungslosigkeit.

Mit Youtube und Gewehr

In seiner bescheidenen Wohnung im walisischen Cardiff hat Ahmed Muthana (57) den Medien bereitwillig Auskunft gegeben. Der Elektriker war "schockiert und traurig", als er vergangenes Wochenende das Rekrutierungsvideo der Islamisten zu sehen bekam. Darin posieren sein Sohn Nasser, 20, sowie dessen gleichaltriger Freund Reyaad Khan mit Gewehren und werben für den Jihad. "Brüder im Westen, ich weiß, wie Ihr Euch fühlt", sagt Khan. "Man meint, man führe ein ehrloses Leben. Kommt zum Jihad und erlebt die Ehre, die wir fühlen."

Vor seinem Verschwinden im November 2013 hatte das Duo den geradezu mustergültigen Werdegang gut integrierter Einwanderer der zweiten Generation: Beide machten Matura. Muthana erhielt anschließend von vier Universitäten einen Medizinstudienplatz angeboten. Der als hochintelligent eingestufte Khan, treuer FC-Chelsea-Fan, gab vor Jahren als Traumziel an, er wolle "Großbritanniens erster Premierminister asiatischer Herkunft" werden.

Seit November hat die Familie Muthana nichts von Nasser gehört, im Februar verschwand zusätzlich Nassers 17-jähriger Bruder Aseel. Auch er wird in Syrien vermutet, wohin er sich mit einem gefälschten Pass via Zypern durchschlug. Die meisten anderen Möchtegern-Jihadisten fliegen nach Istanbul und reisen von dort an die türkisch-syrische Grenze.

500 Briten aktiv

Schätzungen der Sicherheitsbehörden zufolge haben sich mittlerweile mehr als 500 Briten aktiv am Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad beteiligt. Genaue Zahlenangaben sind schwierig, viele junge Briten reisen über Pakistan oder die Türkei ins Bürgerkriegsland. Brigadegeneral Ben Barry vom Londoner Strategieinstitut IISS spricht von "mutmaßlich einigen Hundert - mehr als 100, weniger als 1000". Statt wie früher Afghanistan und Pakistan sind Syrien und neuerdings auch wieder der Irak zum Ausbildungslager für gewaltbereite Muslime geworden.

Längst gibt es auch Märtyrer für die Sache des islamischen Gottesstaates. Im Februar fuhr ein 41-jähriger Familienvater aus einem Londoner Vorort nach Informationen des britischen Geheimdienstes einen sprengstoffbeladenen Lastwagen ins Gefängnis von Aleppo. Ein Ingenieurstudent aus Manchester kam ebenso bei Kämpfen ums Leben wie ein Brüderpaar aus London. Die aus Eritrea stammenden Mohamed (28) und Akram Sebah (24) hatten in Tarnkleidung mit Gewehren für ein Foto posiert, ehe sie in Syrien getötet wurden.

Ahmet Muthana kann noch hoffen, dass dieses Schicksal seinen Söhnen erspart bleibt. Dass Nasser nach Cardiff zurückkehrt, ist freilich kaum zu erwarten. "Er hat Großbritannien verraten", sagt der Vater traurig. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 25.6.2014)

  • Der Islam als weltumspannende Religion. Das ist das Ziel der Jihadisten  auch in Europa.
    foto: reuters

    Der Islam als weltumspannende Religion. Das ist das Ziel der Jihadisten auch in Europa.

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