Die bipolare heimische Quantenwelt

25. Juni 2014, 17:46
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Vor zehn Jahren wurde das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) in Innsbruck und Wien gegründet

Wien/Innsbruck - Der Quantenphysiker Anton Zeilinger erinnert sich gern an ein Gespräch, das er vor mehr als zehn Jahren mit dem Chemiker Peter Schuster geführt hat. Die beiden Wissenschafter diskutierten über die damals schon aufstrebende Quantenphysik im Allgemeinen und über Platzfragen im Besonderen: Zeilinger wollte einen freiwerdenden Raum im ehemaligen Radiuminstitut in der Wiener Boltzmanngasse für seine Forschungen nützen. Er galt schon damals als einer der renommiertesten Experimentatoren, 1997 war ihm mit seiner Gruppe die erste Teleportation eines Photons gelungen. Schuster, von 2000 bis 2003 Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), war von der Idee angetan, die man gut mit Plänen von Quantenphysikern in Innsbruck verknüpfen konnte.

Auch an der dortigen Universität hatte man das Bedürfnis, dem spätestens seit den Berufungen von Peter Zoller und Rainer Blatt Mitte der 1990er-Jahre wachsenden Know-how in Sachen Quantenphysik mehr Raum zu geben. Da außerdem der von Zoller geleitete Spezialforschungsbereich des Wissenschaftsfonds FWF mit Innsbrucker und Wiener Physikern erfolgreich verlief, schienen die Grundlagen für ein eigenes Institut unter dem Dach der Akademie geschaffen. Das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) entstand an den Standorten Innsbruck und Wien. Das war nach dem Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien schon die zweite Institutsgründung unter dem damaligen Akademie-Präsidenten Werner Welzig.

Internationale Sichtbarkeit

Wissenschaftlicher Direktor in Wien wurde Zeilinger, am Hauptsitz in Tirol übernahmen Blatt, Zoller, der experimentelle Physiker Rudolf Grimm und der Theoretiker Hans Briegel diese Position. Grimm sagt: "Für unsere Anliegen in der Grundlagenforschung war diese Konstruktion der ideale Rahmen." Und Zeilinger ergänzt: "Durch das IQOQI wurde unsere internationale Sichtbarkeit gestärkt."

Peter Zoller hatte schon 1998 den Wittgensteinpreis, Österreichs renommiertesten Wissenschaftspreis, gewonnen. Rudolf Grimm folgte 2005. In Innsbruck und Wien wurden außerdem zahlreiche Grants des European Research Councils (ERC) eingeworben. Mit Grimm, Blatt, Zoller, Zeilinger und dem Experimentalphysiker Christian Roos aus Innsbruck sind gleich fünf Wissenschafter des IQOQI in der aktuellen Liste der "Highly Cited Researchers" der Agentur Thomson Reuters. Insgesamt befinden sich 21 in Österreich arbeitende Wissenschafter in der Liste.

Akute Platznot

Zuletzt stiegen die Physiker in Innsbruck und in Wien bei ERC- und FWF-Anträgen auf die Bremse: Denn an beiden Standorten platzt man aus allen Nähten. "Wo sollen die Leute arbeiten, wenn wir keine freien Labors haben?", sagt Grimm. In der Tiroler Landeshauptstadt wälzt man schon länger Pläne für ein Haus der Physik, in Wien könnten das IQOQI durch Übersiedelungen anderer in der Boltzmanngasse ansässiger Institute mehr Platz bekommen, sagt Zeilinger - der, seit er selbst Akademie-Präsident wurde, die Wiener IQOQI-Direktion abgegeben hat.

Sein Wunsch für die Zukunft? "Junge Leute sollen an diesem Standort arbeiten können." (Peter Illetschko, DER STANDARD, 25.6.2014)

  • Rudolf Grimm, Direktor des IQOQI in Innsbruck.
    foto: reuters

    Rudolf Grimm, Direktor des IQOQI in Innsbruck.

  • Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), ist einer der IQOQI-Gründerväter.
    foto: corn

    Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), ist einer der IQOQI-Gründerväter.

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