Investitionen: Europa hofft auf Renaissance

24. Juni 2014, 19:00
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Nach dem Schwellenländerboom werden die Industrienationen für Investoren wieder attraktiver, meint die UN-Organisation Unctad

Genf/Wien - Bei den globalen Investitionsströmen zeichnet sich eine neuerliche Wachablöse ab. Die Industrienationen könnten in den kommenden Jahren wieder die aufstrebenden Schwellen- und Transformationsländer bei der Anlockung von ausländischen Finanzierungen hinter sich lassen. Damit rechnet die Unctad, die Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen. Die weltweiten Zuflüsse durch ausländische Direktinvestitionen (FDI) haben 2013 um neun Prozent zugenommen, auf 1,45 Billionen US-Dollar. Der jüngste Aufschwung sollte sich auch dieses und nächstes Jahr fortsetzen und dabei hauptsächlich von den "alten" Industrienationen getragen werden, rechnet die Unctad.

Tatsächlich verortet das Team von James Zhan, der zuständige Unctad-Direktor für den Bericht, die größten Risiken in den Schwellenländern. Eine Reihe von Schwellenländern sei nach wie vor "verletzlich", warnen die Ökonomen in dem Bericht. Damit meint die Institution offenbar Länder wie Indonesien oder Indien, die im Zuge der Sorgen um eine straffere US-Geldpolitik im Vorjahr mit einem massiven Abfluss von ausländischem Kapital zu kämpfen hatten. Dazu kommen noch geopolitische Risiken wie im Irak oder im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

Asien im Vormarsch

Dabei dokumentiert die Unctad auch, dass sich das globale Kräfteverhältnis in den vergangenen zwei Jahrzehnten nachhaltig verändert hat. Machten bis zum Jahr 2004 die Industrienationen stets ein Gros der Investitionsströme aus, sind seitdem gerade die schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften in den Fokus gerückt. Die Region Süd- und Südostasiens war auch 2013 jene mit den höchsten Kapitalzuflüssen. Mit China, Hongkong, Singapur, Indien und Indonesien sind fünf Volkswirtschaften aus der Region in den Top 20 der globalen Zielländer ausländischer Investoren.

Die Unctad-Zahlen belegen dabei, dass die EU und die USA im globalen Wirtschaftskonzert in den vergangenen Jahren nur eine Nebenrolle gespielt haben. Der Anteil an den globalen FDI-Zuflüssen hat sich vom Vorkrisenniveau (56 Prozent) nahezu halbiert (2013: 30 Prozent). In demselben Zeitraum hat sich der Anteil der Brics (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) auf 21 Prozent nahezu verdoppelt.

Kapitalfluss nach Reform

Doch die Handelsökonomen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass Europa künftig wieder mehr Interesse von Investoren auf sich ziehen wird. So habe Spanien nach tiefgreifenden Strukturreformen im Vorjahr am meisten ausländisches Kapital von allen europäischen Ländern erhalten (39 Milliarden Dollar), zeigen die Unctad-Daten, mehr als etwa Mexiko oder Indien. Mit den Direktinvestitionen sollten auch Wachstum und Beschäftigung steigen.

Die weltweit verbesserte Investitionslaune könnte auch Österreich helfen, schätzt Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik der Oesterreichischen Nationalbank. Die OeNB hat eine Befragung zu den Direktinvestitionen in der heimischen Wirtschaft durchgeführt. Demnach machen ausländisch kontrollierte Konzerne in Österreich rund 38 Prozent der Direktinvestitionen aus. Daher betont Turner "die Bedeutung der Standortqualität Österreichs für internationale Niederlassungen und regionale Firmenzentralen". (sulu, DER STANDARD, 25.6.2014)

  • Solaranlagen in Spanien haben viel internationales Kapital angezogen.
    foto: reuters/albert gea

    Solaranlagen in Spanien haben viel internationales Kapital angezogen.

  • Die Industrienationen haben den Rückgang bei Investitionen vorerst überwunden.

    Die Industrienationen haben den Rückgang bei Investitionen vorerst überwunden.

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