Rechte EU-Fraktion: Isoliert und wirkungslos

Kommentar24. Juni 2014, 17:48
49 Postings

Die FPÖ steht nun noch einsamer im Winkerl als zuvor

Marine Le Pen tritt gern als wortmächtige Angreiferin auf, wenn es gegen die EU und gegen die Überwindung des Nationalismus in Europa geht. So war das auch, als die Chefin des Front National gleich nach den Europawahlen in Brüssel auftrat, um die Gründung einer rechtsnationalistischen Fraktion im Parlament anzukündigen. Sie wolle "die EU zerstören", Gegner vor sich hertreiben, kündigte sie an - flankiert von vier Männern weiterer Rechtsparteien, darunter Harald Vilimsky von der FPÖ.

Alle fünf beschworen sie ihren "historischen Sieg" und träumten öffentlich von der Wende zurück zu Nationalstaat, Nationalwährung, Grenzkontrollen, Abschottung.

Knapp vier Wochen später stellt sich heraus: Frau Le Pen und Co haben den Mund wohl etwas zu voll genommen. Sie sind nicht einmal in der Lage, EU-Abgeordnete aus genügend Ländern einzusammeln, um eine Fraktion bilden zu können. Sie bleiben parlamentarisch unorganisiert; laut, aber politisch wirkungslos; isoliert von der Arbeit in den wichtigen Arbeitsausschüssen. Wie wollen solche Maulhelden eine ganze Union aus den Angeln heben?

Für Freude darüber ist kein Anlass. Frau Le Pen ist auch deshalb gescheitert, weil es noch grauslichere Antisemiten und Fremdenhasser als Abgeordnete gibt als etwa ihren Ehrenpräsidenten und Papa Jean-Marie. Ein Deal wäre schwer zu verkaufen gewesen. Peinlich ist das besonders für die FPÖ: Sie steht nun noch einsamer im Winkerl als zuvor. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 25.6.2014)

Share if you care.