Lostag für den Iran und ein Hund namens Messi

24. Juni 2014, 17:31
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Nigeria benötigt ein Remis, um den Gauchos ins Achtelfinale zu folgen - Iran muss siegen und auf Hilfe Argentiniens hoffen

Im niederländischen Fernsehen ist Messi ein absoluter Renner - bis 2 Uhr früh begeistert er die Zuschauer. Er schläft, er schnüffelt, wedelt, frisst, manchmal bellt er. Messi ist ein brauner Langhaardackel.

Im "Studio Brasil" beschert der Hund dem Sender NOS derzeit nicht nur Traumquoten, er verdeutlicht vor allem eines: Lionel Messi ist nicht nur die Hoffnung von mehr als 40 Millionen Argentiniern, er ist neben Neymar der große WM-Star, er ist in.

Deshalb dürfte der kleine Superstar auch am Mittwoch in Porto Alegre (18 MESZ) trotz der bereits perfekten Achtelfinal-Qualifikation der Albiceleste von Beginn an stürmen. Der Hype um den Floh offenbart allerdings auch das Dilemma der Argentinier. Trifft Messi wie gegen Bosnien-Herzegowina (2:1) und den Iran (1:0), ist alles gut. Sollte er aber mal nicht erfolgreich sein, droht Ungemach. "Wie lange soll uns Leo noch retten?", frug die Zeitung Clarín: "Bislang haben uns nur seine Tore am Leben gehalten."

Vermissen lassen haben die Argentinier bisher jeglichen spielerischen Glanz. Der Rhythmus fehle noch, monierte Ikone Diego Maradona. Ein Delegierter der Mannschaft sagte, "dass einzelne Spieler noch lange nicht ihr Maximum erreicht haben. Das ist keine Frage des Systems."

Das 4-3-3 funktioniert nur, wenn neben Messi auch die anderen drei der "Fantastischen Vier" ihre Form finden. Gonzalo Higuain, Sergio Agüero und Angel Di Maria haben für Clarín "ihren Schrecken verloren", sind "nur ein Schatten ihrer selbst".

Di Maria versprach gegen Nigeria eine Steigerung. Die wird es auch brauchen. Die Super Eagles benötigen ein Remis fürs Achtelfinale. "Ich hatte nie Zweifel daran, dass wir es schaffen können", sagte Stephen Keshi, der Coach der Afrikameister.

Bosnien-Herzegowina gegen Iran

Präsident Hassan Rouhani wird wieder daheim auf dem Sofa Platz nehmen, wenn Irans Fußballer Geschichte schreiben wollen. Seine Landsleute werden dagegen versuchen, das offizielle Verbot für Public Viewing erneut einfallsreich zu umgehen. Denn Millionen fiebern beim Finale um den Einzug ins Achtelfinale (18 Uhr MESZ) gegen das bereits gescheiterte Team von Bosnien-Herzegowina mit. "Wenn wir so arbeiten wie gegen Argentinien, haben wir eine richtig gute Chance weiterzukommen", sagte Ashkan Dejagah, Legionär von Fulham in London.

Um daheim dem Regime äußerst suspekte Jubelkundgebungen wie beim tapferen 0:1 gegen den zweifachen Weltmeister Argentinien auszulösen, muss die Mannschaft des Portugiesen Carlos Queiroz, die zum Auftakt gegen Nigeria ein 0:0 ermauert hatte, nicht nur gegen die Bosnier gewinnen. Zeitgleich muss auch Nigeria gegen die bereits qualifizierten Argentinier verlieren. "Ich kann nicht versprechen, dass wir weiterkommen", sagte Queiroz: "Aber wir werden alles versuchen." Gewinnt der Iran mit einem Tor Unterschied, während Nigeria mit dem identischen Ergebnis verliert, muss übrigens das Los zwischen den beiden Mannschaften entscheiden.

Bislang hat der Iran bei vier Endrunden noch genau kein Mal gegen eine europäische Mannschaft gewonnen. Die Bosnier allerdings sind Lieblingsgegner. Vier Siege und ein Remis stehen bislang zu Buche. Für die WM-Debütanten geht es um einen guten Abschluss. "Ich hoffe, dass wir unser wahres Gesicht zeigen können, dass wir gewinnen und ehrenvoll Abschied nehmen", sagte Vedad Ibisevic. "Unsere Mission, eine starke und bestimmende Nationalmannschaft zu schaffen, beginnt erst", ließ Sturmkollege Edin Dzeko wissen. (sid, red, DER STANDARD, 25.6.2014)

Gruppe F (3. Runde):

Nigeria - Argentinien
Mittwoch, 18 Uhr MESZ, Porto Alegre, Estadio Beira Rio, SR Nicola Rizzoli (ITA)

Nigeria: 1 Enyeama - 5 Ambrose, 22 Omeruo, 2 Yobo, 13 Oshaniwa - 10 Mikel, 17 Onazi - 18 Babatunde - 8 Odemwingie, 7 Musa - 9 Emenike

Ersatz: 16 Ejide, 21 Agbim - 3 Uzoenyi, 6 Egwuekwe, 12 Odunlami, 4 Gabriel, 20 Uchebo, 19 Nwofor, 23 Ameobi, 15 Azeez, 14 Oboabona, 11 Moses

Teamchef: Stephen Keshi

Argentinien: 1 Romero - 4 Zabaleta, 2 Garay, 17 F. Fernandez, 16 Rojo - 5 Gago, 14 Mascherano, 7 Di Maria - 10 Messi, 9 Higuain, 20 Aguero

Ersatz: 12 Orion, 21 Andujar - 3 Campagnaro, 15 Demichelis, 23 Basanta, 6 Biglia, 8 Perez, 11 Rodriguez, 19 Alvarez, 13 A. Fernandez, 18 Palacio, 22 Lavezzi

Teamchef: Alejandro Sabella

Bosnien-Herzegowina - Iran
Mittwoch, 18 Uhr MESZ, Salvador da Bahia, Fonte Nova Arena, SR Carlos Velasco (ESP)

Bosnien-Herzegowina: 1 Begovic - 13 Mujdza, 4 Spahic, 15 Sunjic, 5 Kolasinac - 8 Pjanic, 7 Besic, 10 Misimovic, 16 Lulic - 9 Ibisevic, 11 Dzeko

Ersatz: 12 Fejzic, 22 Avdukic - 2 Vrsajevic, 3 Bicakcic, 6 Vranjes, 14 Susic, 17 Ibricic, 18 Medunjanin, 21 Hadzic, 19 Visca, 20 Hajrovic, 23 Salihovic

Teamchef: Safet Susic

Iran: 12 A. Haghighi - 23 Pooladi, 5 Sadeghi, 15 Montazeri, 4 Hosseini - 14 Teymourian, 6 Nekounam - 21 Dejagah, 7 Shojaei, 3 Hajsafi - 16 Ghoochannejhad

Ersatz: 1 Ahmadi, 22 Davari - 13 Mahini, 20 Beitashour, 17 Alnameh, 2 Heydari, 8 R. Haghighi, 18 Rahmani, 19 Beikzadeh, 11 Hadadifar, 9 Jahanbakhsh, 10 Ansarifard

Teamchef: Carlos Queiroz (POR)

  • Messi schläft und isst auch, wedeln und bellen kann nur sein  Namensvetter im TV.
    foto: epa/ballesteros

    Messi schläft und isst auch, wedeln und bellen kann nur sein Namensvetter im TV.

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