Alles ist möglich, nur Frankreich praktisch fix

24. Juni 2014, 17:24
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Die Schweizer wollen am Mittwoch über Honduras ins Achtelfinale einziehen

Manaus - So richtig spitzt Ottmar Hitzfeld, der Trainer der Schweizer, noch nicht auf seine Pension. Die entscheidende Partie am Mittwoch (22 MESZ) in der Tropenstadt Manaus gegen Honduras könnte sein Abschiedsspiel auf der großen Fußballbühne sein. "Ich gehe davon aus, dass es nicht mein letztes ist", sagt hingegen der 65-jährige Deutsche. "Wir werden gewinnen."

Das müssen sie auch, und das ziemlich hoch, wollen die Eidgenossen aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen. Aber auch sonst stehen die Chancen der Nati nicht schlecht. Immerhin kämpfen die bisher überragenden Franzosen im Parallelspiel gegen Ecuador um ihre weiße Weste. Es gibt derzeit wahrlich schlechtere Mannschaften, um sich auf Schützenhilfe zu verlassen.

Das mussten die Schweizer am eigenen Dress erfahren: Nach der 2:5-Abfuhr gegen Les Bleus ist Rehabilitation angesagt. "Jetzt müssen wir Charakter zeigen und ein großes Spiel abliefern", sagte Stürmer Xerdan Shaqiri vom FC Bayern München. "Es gilt, bei dem Klima dort den inneren Schweinehund zu überwinden." Blerim Dzemaili vom SSC Neapel will Hitzfeld, gegen den in der Heimat nach der Frankreich-Pleite scharfe Kritik laut wurde, "einen guten Abschied bereiten". Gegen das noch punktelose Schlusslicht Honduras haben die Schweizer nicht die besten Erinnerungen: Beim bisher einzigen Duell 2010 bei der WM in Südafrika trennten sich die Mannschaften torlos, beide scheiterten vorzeitig.

Aber auch die Zentralamerikaner können noch mit dem Aufstieg spekulieren. Honduras benötigt einen hohen Sieg und einen Erfolg der Franzosen über Ecuador. Auch da zählt, was für die Schweiz gilt: Es gibt schlechtere Mannschaften als Frankreich, um sich auf Schützenhilfe zu verlassen.

Frankreich gegen Ecuador

Rio de Janeiro - An Ehrerbietung mangelt es den Franzosen nach den famosen Auftritten gegen Honduras und die Schweiz nicht. "Sie machen ganz Frankreich Spaß. Die Spielfreude, der Zusammenhalt - es ist wie damals", sagte Youri Djorkaeff, der 1998 mit der Équipe Tricolore zu Hause Weltmeister wurde.

Apropos zu Hause: Von dort bekommt die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps Besuch. Die Spielerfrauen und -freundinnen sind rechtzeitig vor dem finalen Gruppenspiel am Mittwoch (22 MESZ) gegen Ecuador in Rio de Janeiro eingetroffen. Bleiben wollen sie am besten bis zum Finale. "Es ist wunderbar, dass die Mädels endlich da sind", sagte Verteidiger Mathieu Debuchy.

Gegen Ecuador spielen die aufgrund der äußerst positiven Tordifferenz praktisch fix qualifizierten Franzosen, die auch ohne den fehlenden Regisseur Franck Ribéry glänzen, um die weiße Weste. Für den Gruppensieg ist aber gar kein weiterer Erfolg mehr nötig: Frankreich ist auch bei einer knappen Niederlage die Führung kaum mehr zu nehmen. Diese wäre insofern wichtig, will die Deschamps-Truppe im Achtelfinale dem Sieger in Gruppe F aus dem Weg gehen. Dieser dürfte wohl Argentinien heißen.

Weiter als bis in die nächste Runde will Mittelfeldspieler Mathieu Valbuena noch nicht denken. "Favoriten? Wir? Nun mal langsam. Es ist gerade einmal ein paar Monate her, da gab es noch überhaupt keine Begeisterung."

Ecuador könnte sich sogar eine Niederlage leisten, wenn Honduras die Schweiz biegt. Auf das wollen sich die Südamerikaner aber nicht verlassen. Die Hoffnungen ruhen auf Stürmer Enner Valencia, der bisher dreimal und damit ebenso oft getroffen hat wie Frankreichs Karim Benzema. "Er ist ein Geschenk Gottes", sagte Trainer Reinaldo Ruena.  (krud; sid, DER STANDARD, 25.6.2014)

Gruppe E, 3. Runde, Mittwoch

Honduras - Schweiz

Honduras: 18 Valladares - 21 Beckeles, 5 Bernardez, 3 Figueroa, 7 Izaguirre - 20 Claros, 19 Garrido, 8 W. Palacios, 15 Espinoza - 11 Bengtson, 13 Costly

Ersatz: 1 Lopez, 22 Escober - 2 Chavez, 4 Montes, 6 Garcia, 9 J. Palacios, 10 M. Martinez, 12 Delgado, 14 Boniek, 17 Najar, 23 Chavez, 16 R. Martinez

Teamchef: Luis Suarez (COL)

Schweiz: 1 Benaglio - 2 Lichtsteiner, 20 Djourou, 4 Senderos, 13 Rodriguez - 15 Dzemaili, 8 Inler - 23 Shaqiri, 10 Xhaka, 18 Mehmedi - 9 Seferovic

Ersatz: 12 Sommer, 21 Bürki - 3 Ziegler, 6 Lang, 22 Schär, 7 Barnetta, 11 Behrami, 14 Stocker, 16 Fernandes, 17 Gavranovic, 19 Drmic

Es fehlt: 5 Van Bergen (Bruch des linken Augenhöhlenbodens)

Teamchef: Ottmar Hitzfeld (GER)

Ecuador - Frankreich
Mittwoch, 22 Uhr MESZ, Rio de Janeiro, Maracana, SR Noumandiez Doue (CIV)

Ecuador: 22 Dominguez - 4 Paredes, 2 Guagua, 3 Erazo, 10 W. Ayovi - 16 A. Valencia, 6 Noboa, 14 Minda, 7 Montero - 13 E. Valencia, 11 Caicedo

Ersatz: 1 Banguera, 12 Bone - 18 Bagui, 21 Achilier, 5 Ibarra, 8 Mendez, 15 Arroyo, 19 Saritama, 20 Martinez, 23 Gruezo, 9 Rojas, 17 J. Ayovi

Teamchef: Reinaldo Rueda (COL)

Frankreich: 1 Lloris - 2 Debuchy, 13 Mangala, 21 Koscielny, 17 Digne - 18 Sissoko, 12 Mavuba, 14 Matuidi - 8 Valbuena, 9 Giroud, 10 Benzema

Ersatz: 16 Ruffier, 23 Landreau - 3 Evra, 15 Sagna, 19 Pogba, 22 Schneiderlin, 7 Cabella, 11 Griezmann, 20 Remy

Es fehlt: 6 Cabaye (gesperrt)

Fraglich: 4 Varane (Gastroenteritis), 5 Sakho (Oberschenkelzerrung)

Teamchef: Didier Deschamps

  • Auch Ecuador darf noch hoffen.
    foto: apa/zapata

    Auch Ecuador darf noch hoffen.

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