Graz: Rätsel um brisantes Demo-Video

24. Juni 2014, 17:28
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Vorwurf: Polizist löschte Daten einer Filmkamera

Graz - Ein Polizist habe ihm während einer Demo in Graz die Videokamera weggenommen und die Daten gelöscht. Stimmt nicht, kontert die Behörde, ein Beamter hätte die Kamera neben einem Transparent liegen gesehen, der Demonstrant müsse das Gerät wohl verloren haben.

Dienstagmittag im Landesverwaltungsgericht in Graz holte Richter Erich Kundegraber - der Demonstrant hatte gegen die Polizei eine Maßnahmenbeschwerde eingebracht - den Linzer Kripobeamten und Datenforensiker Uwe Sailer in den Zeugenstand. Sailer sollte aus den Datenresten, die er auf der Kamera noch sicherstellen konnte, den Tathergang rekonstruieren.

Videokamera "in Bewegung"

Die Filmsequenzen wurden im Gerichtssaal abgespielt, und für Sailer war klar: Die Kamera konnte - den noch vorhandenen akustischen Daten nach zu schließen - nicht auf den Boden gefallen sein, die Videokamera sei "in Bewegung" gewesen. Es müsse sie jemand in einer Tasche getragen haben - zumal auch deutlich Funksprüche zu hören sind.

"Schließen Sie daraus, dass ein Polizist die Kamera bei sich hatte?", fragte der Richter. Sailer formulierte es vorsichtig: Er könne eindeutig sagen, dass jene Person, die die Polizei-Funksprüche abgegeben habe, auch die Kamera getragen habe. "Danke, die Analyse war sehr aufschlussreich und nachvollziehbar", sagte der Richter. Er verzichte auf einen weiteren Akustikexperten - und schloss das Beweisverfahren. Das Urteil ergeht schriftlich. (mue, DER STANDARD, 25.6.2014)

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