Ausstellungsräume suchen ihre Zukunft

24. Juni 2014, 17:59
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Nach 19 Jahren endet der Ausstellungsbetrieb der Generali Foundation an ihrer Wiener Adresse. Eine Maßnahme infolge der Einsparungen des Versicherungskonzerns. Aber ist es schon so weit, Lebewohl zu sagen?

Wien - Ein Jahr lang dauerte der Prozess, mit dem Ulrike Grossarth aus Kupferstichen des Rokoko zur "Hohen Schule" der Pferdedressur den gedrillten Tierkörper eliminiert hatte: Lediglich die sprachliche Beschreibung dieser Disziplinierungsposen und die sie umgebende Architektur blieben stehen. Auch die Räume Generali Foundation in der Wiedner Hauptstraße 15 sind bald wieder nur pure Architektur - so wie zur Eröffnung des Hauses 1995.

Denn die kommenden Sonntag zu Ende gehende Retrospektive Grossarths ist die vorerst letzte in der Wiener Geschichte des 1988 gegründeten, privaten Kunstvereins. Nach 58 Ausstellungen, darunter Personalen von Dan Graham, Gordon Matta-Clark, Isa Genzken, Walter Pichler oder Hans Haacke,  ist an dieser Adresse erst einmal Schluss. Ausstellung, so erfuhr man auf Anfrage, finde heuer definitiv keine mehr statt. Der Studienraum bleibt vorerst weiter in Betrieb. Bereits mit Ende März hat Direktorin Sabine Folie die Generali Foundation verlassen - ein Rückzug in Folge der internen Entwicklungen.

Vorgeschichte: Im Jänner hatte der Versicherungskonzern bekanntgegeben (Die Foundation erfuhr von ihrem Schicksal unmittelbar vor der Pressekonferenz.), dass die Sammlung als Dauerleihgabe an das Museum der Moderne (MdM) in Salzburg geht und der Standort Wien aufgelöst werde (Der Standard berichtete).

Für den Bau eines eigenen Ausstellungshauses (inkl. Depot, Büros und Werkstätten) hatten sich einst der langjährige Generaldirektor der Generali, Dietrich Karner, und Sabine Breitweiser, Gründungsdirektorin der Foundation und nun MdM-Chefin eingesetzt. Geplant und umgesetzt wurde das Projekt vom Wiener Büro Jabornegg & Pálffy. Aber noch während des Baus stand die Frage im Raum, ob nicht doch ein Supermarkt in die Ausstellungsräume und Tiefspeicher einziehen werden. Nach Fertigstellung fand das Gebäude in den Branchenmagazinen viel positive Resonanz; Catherine David engagierte Jabornegg & Pálffy für die Documenta X. Was nun aber aus den Räumen wird, wusste man vor fünf Monaten nicht zu sagen. Aber selbst jetzt gibt es - zumindest offiziell - keine konkreten Pläne.

In einer schriftlichen Stellungnahme des Konzerns heißt es: "Bis zum Abschluss der Umzugsarbeiten bleibt der Standort erhalten." (Das Salzburger Depot ist noch nicht gebaut, daher werden auch einige Mitarbeiter der Foundation länger als bis zum Termin 31. März 2015 beschäftigt sein. Wie lange, ist ungewiss.)

Aber was passiert nach der Übersiedlung der Sammlung? Externe Anfragen für die Immobilie gäbe es keine. Supermarkt werde keiner einziehen, konnte man erfahren. Und: Man sei sich des Wertes der Räume bewusst. Daher werde man die Architektur auch nicht abreißen, wie Gerald Ruess, Chef der Generali Real Estate, scherzend versichert. Das wäre in der Tat schwer, ist doch das komplette Ensemble der einstigen k. u. k. Hutfabrik Habig seit 2007 denkmalgeschützt; das schließt auch die neuen Räume ein. Jede bauliche Veränderung ist bewilligungspflichtig, so Landeskonservator Friedrich Dahm. Er empfiehlt eine "kluge Nachnutzung, die wenige bis keine bauliche Veränderung nach sich zieht". Auch die neue Architektur von Jabornegg & Pálffy sei eine wertvolle "Raumschöpfung".

Auf diese "unverwechselbaren, wunderschönen und überaus funktionellen Räumlichkeiten" ist auch Sabine Breitwieser, MdM-Chefin und Gründungsdirektorin der Foundation stolz. Sie teilt mit András Pálffy die Hoffnung, dass der Ort auch künftig einer kulturellen Nutzung zugeführt wird. "Der freiwillige Bildungsauftrag der Privaten ist radikal zurückgegangen", bedauert Pálffy, obwohl er das angesichts der Krise nachvollziehen kann. Allerdings: "Die Kunst bleibt dabei auf der Strecke."

Die durchaus knifflige Frage, die sich also weiterhin stellt: Wo findet sich ein Nachmieter? (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 25.6.2014, Langfassung)

  • Die pure Architektur des White Cube: Mit dem Ende der laufenden Schau werden die Räume der Generali Foundation wieder so aussehen wie zu Beginn.
    foto: margherita spiluttini

    Die pure Architektur des White Cube: Mit dem Ende der laufenden Schau werden die Räume der Generali Foundation wieder so aussehen wie zu Beginn.

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