Kroatien prüft Erdöl-Förderung in der Adria

24. Juni 2014, 13:41
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Grün-Politiker zweifelt an der Richtung der kroatischen Energiestrategie

Zagreb - Das neue EU-Mitglied Kroatien hat seine Strategie für eine wirtschaftliche Erholung auf Energie-Investitionen gestützt. Doch aus den geplanten Projekten wurde bisher nichts. Nur der Ausbau des Wärmekraftwerks Plomin bekam den Status "strategische Investition". Die Nachricht über reiche Vorkommen von Erdöl und Erdgas in der Adria gab den Plänen neuen Schwung. Experten sind jedoch skeptisch.

Kroatien verfolge dabei keine Strategie, sagt etwa der EU-Parlamentarier Davor Skrlec von der Partei ORaH ("Nuss"). "Erdöl in der Adria, da ist eine große Dosis Unsicherheit dabei", sagt der Universitätsprofessor, der bis vor kurzem an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik unterrichtete. "Schon eine geringe Menge Erdöl kann schon eine große Katastrophe auslösen und einen Schaden für den Tourismus anrichten, der eine bedeutenden Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt leistet. Wir laufen Gefahr, den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen", so Skrlec.

Nach Ansicht des Neo-Politikers wäre die Gewinnung von Gas akzeptabler, weil die Risiken geringer seien. Das viel größere Potenzial von Wind und Sonnenenergie werde hingegen nicht genützt. Der Grund dafür sei eine "verfehlte Energiepolitik der letzten 15 Jahre", so Skrlec. 2009 wurde eine Energiestrategie beschlossen, die ein rasantes Wachstum von Erneuerbaren Energien vorsah. "Schon damals waren wir im Rückstand," sagt Skrlec. Erneuerbare Energien machen in Kroatien 13 Prozent der Energieversorgung aus, das Potenzial sei jedoch viel höher als der in der EU vorgegebene Richtwert von 20 Prozent, der auch in der kroatischen Strategie vorgegeben ist.

Nicht gut weg

Das Wärmekraftwerk Plomin, das einen neuen Block C erhalten soll, kommt ebenfalls nicht gut weg, weder bei ORaH, noch bei Umweltorganisationen wie Grüne Aktion und Greenpeace. "Europa geht in die eine Richtung und wir schlagen eine andere ein", sagte der Energieexperte Skrlec kopfschüttelnd. Skrlec kannte das Projekt Plomin C in- und auswendig, als Mitarbeiter des Umweltministeriums war er dafür zuständig. Wegen zu großen Drucks aus dem Wirtschaftsministerium, das Projekt trotz Mängel zu genehmigen, kündigte er. Die damalige Umweltministerin Mirela Holy, die Gründerin der Partei ORaH, hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Posten bereits verlassen. Inoffiziell hieß es, weil sie sich dem Projekt Plomin C widersetzt hätte. Das Kraftwerk soll mit Kohle betrieben werden, ein Rohstoff, der erst nach Kroatien importiert werden müsste. "Mit dem Versprechen, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, wurde den Leuten nur Sand in die Augen gestreut", sagt Skrlec. Kroatien würde nicht einmal mit dem Transport der Kohle ein Geschäft machen. Die Arbeitsplätze wären die gleichen, da ein alter Block des Kraftwerks zugesperrt würde. Außerdem würde der Strom exportiert werden. "Super, wir machen dieses Kraftwerk also in Kroatien, um die Energie nach Italien zu verkaufen. Warum nicht gleich in Italien bauen", fragt der Experte.

Kroatiens Wirtschaftsminister Ivan Vrdoljak gab bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Energie zu, dass die Euphorie bei der Umsetzung der Energievorhaben nachgelassen habe. Von der Ausbeutung von Erdöl- und Erdgas erwartet sich Vrdoljak jedoch noch immer viel. In Sachen Erneuerbare Energien müsse sich Kroatien ein "kleines Wasserkraft-Potenzial" aufbauen, sagte Wirtschaftsminister Vrdoljak bei der Veranstaltung. 2018 soll ein Wasserkraftwerk Kosinj/Senj eröffnet werden. Weiters ist ein Gaskraftwerk in Osijek geplant.

Derzeit gibt die staatliche Agentur für Kohlenwasserstoffe potenziellen Investoren Einblick in die gesammelten Daten zu möglichen fossilen Brennstoffvorkommen in der Adria, die eine norwegische Firma durchgeführt hat. Zu dem tatsächlichen Potenzial gibt es keine Informationen. Laut früheren Angaben hat Kroatien mit dem Zurverfügungstellen von den Daten bereits zwei Millionen Euro verdient. Etwa 40 Interessenten haben dabei zugeschlagen. Die österreichische OMV hielt sich diesbezüglich bedeckt: "Grundsätzlich sehen wir uns immer verschiedenste Möglichkeiten an, aber es ist zu früh, dazu Stellung zu nehmen", hieß es auf Anfrage. (APA, 24.6.2014)

  • In der Adria findet man derzeit vor allem viele Inseln. In Zukunft vielleicht auch Öl.
    foto: ap /darko bandic

    In der Adria findet man derzeit vor allem viele Inseln. In Zukunft vielleicht auch Öl.

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