Heinisch-Hosek will über kürzere Sommerferien verhandeln

24. Juni 2014, 13:27
637 Postings

Unterrichtsministerin: "Ferien dem Lebensrhythmus der Kinder anpassen" 

Alle Jahr wieder kommt nicht nur zu Weihnachten das Christkind, sondern auch zum Schulende die Debatte über die Länge der Schulferien. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist nun bereit dazu, über eine Reform der Ferien zu verhandeln, erklärte sie vor dem Ministerrat am Dienstag. Angestoßen wurde die Debatte von SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann, die sich für eine Änderung der schulautonomen Tage zu "familienautonomen Tagen" ausspricht.

Derzeit gibt es an Pflichtschulen vier schulautonome Ferientage, an Bundesschulen fünf. Die Sommerferien dauern neun Wochen lang, Österreich liegt hier innerhalb Europas im Mittelfeld. In Bulgarien haben Volksschüler etwa 16 Wochen Sommerferien, die Italiener haben zwölf Wochen im Sommer frei. Kürzere Ferien haben zum Beispiel Deutschland, Dänemark und England mit sechs Wochen.

"Neun Wochen zu lang"

Heinisch-Hosek will nun die oft aufgeworfene Frage der Sommerferien neu diskutieren. "Die Sommerferien sollten sich dem Lebensrhythmus von Kindern anpassen", sagt die Unterrichtsministerin. Sie will mit Erziehungswissenschaftern Gespräche darüber führen, welche Ferienlänge für das Lernen ideal ist. "Neun Wochen könnten zu lang sein, die Kinder die Lerninhalte vergessen", erklärt Heinisch-Hosek.

Danach will die Unterrichtsministerin mit Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern verhandeln. Eine Änderung soll es nur dann geben, wenn sich alle einig sind. Einen konkreten Vorschlag für eine Reform will Heinisch-Hosek noch nicht machen. Sie wolle hier den Verhandlungen nicht vorgreifen. Der Vorschlag von SPÖ-Bildungssprecherin Grossmann sei ebenso überlegenswert wie die Idee, dass die Bundesländer die schulautonomen Tage festlegen.

ÖVP dagegen

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) spricht sich jedenfalls gegen kürzere Sommerferien aus. Aus dem Büro der Ministerin heißt es auf Anfrage von derStandard.at, dass Karmasin ebenfalls das Gespräch mit den Schulpartnern suchen will, um über die schulautonomen Tage zu diskutieren. Karmasin schlägt vor, dass alle schulautonomen Tage von den Landesschulräten festgelegt werden. Es sei für Familien ein Problem, wenn ihre Kinder verschiedene Schulen besuchen und an unterschiedlichen Tagen frei haben.

Davon hält Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) nicht viel. "Man wollte mit den schulautonomen Tagen den Schulen mehr Entscheidungsfreiheit geben", sagt er zu derStandard.at. "Wenn man das wieder zurücknehmen will, muss ich das zur Kenntnis nehmen, aber die Frage ist dann, was man eigentlich will." Einerseits für mehr Autonomie einzutreten und dann andererseits den Schulen diese Freiheit wieder wegzunehmen sei nicht konsequent.

Gewerkschaft für Gespräche offen

Generell steht Kimberger einer Diskussion über die Länge der Ferien und Änderungen bei schulautonomen Tagen offen gegenüber. Er schränkt jedoch ein, dass er bisher noch keinen Vorschlag gehört habe, der besser für Kinder und Eltern sei als die jetzige Regelung. "Wenn es ein Konzept gibt, dem alle zustimmen, dann sind wir aber nicht die, die das verhindern", sagt Kimberger. Das Argument, dass Eltern bei langen Sommerferien oft Schwierigkeiten haben, für ihre Kinder einen Betreuungsplatz zu finden, lässt der Gewerkschafter allerdings nicht gelten: "Ich verstehe das Problem, aber Aufgabe der Schule ist nicht die Betreuung, sondern in erster Linie die Wissensvermittlung."

Laut Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek bräuchten die Verhandlungen für eine Reform der Ferien einen Vorlauf von einem Jahr. Dass Änderungen bis zum nächsten Sommer umgesetzt werden, ist also unwahrscheinlich. Vor allem deshalb, weil die Unterrichtsministerin eine Einstimmigkeit aller Schulpartner verlangt. Bundesschulsprecherin Angie Groß hat sich aber bereits gegen kürzere Sommerferien ausgesprochen. "Wir brauchen diese Zeit zur Erholung", sagt sie zur APA. (Lisa Aigner, derStandard.at, 24.6.2014)

  • Österreich liegt mit neun Wochen Sommerferien innerhalb Europas im Mittelfeld.
    foto: dpa/hildenbrand

    Österreich liegt mit neun Wochen Sommerferien innerhalb Europas im Mittelfeld.

Share if you care.