Schwaches Brüstchen

25. Juni 2014, 12:30
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Aerosexuell: Die urbane Freikörperkultur macht auch Männern Mut, deren Brustmuskel unter die Kategorie "normal" fällt

Der eine liegt auf der Bank und sonnt sich, der Nächste fährt pfeifend am Drahtesel vorbei, und der Dritte sitzt gar ohne Oberbekleidung in der U-Bahn. Der entblößte männliche Oberkörper ist bei den sommerlichen Temperaturen wieder präsent – und zwar nicht nur im Schwimmbad oder Park – sondern immer öfter auch im alltäglichen städtischen Raum. Zu entfliehen ist ihm schwer. Denn hat das Auge die nackte Brust erst einmal erfasst, ist es nicht ganz einfach, wieder wegzuschauen. Und das zumeist aus einer überraschten Erschrockenheit heraus. Denn das, was da unbedeckt das Stadtbild prägt, ist in den wenigsten Fällen ein besonders ästhetisches Etwas.

foto: apa/epa/ivan franco
Ein als aerosexuell bezeichneter Mann.

Aerosexuelle

Einen Namen haben die Träger der zur Schau gestellten nackten Oberkörper auch bereits: Aerosexuelle nennt sie etwa die Wochenzeitung "Die Zeit". Ganz im Gegensatz zu den Spornosexuellen. Es ist nämlich so: Letztere – das Wort setzt sich aus Sport und Porno zusammen – gelten als körperbewusste Selbstdarsteller, die auch gerne einmal Fotos von sich auf Facebook stellen, um die nackte, trainierte und gebräunte Muskelpracht zu posten.

foto: ap/thomas haentzschel
Der ehemalige Mister Germany hätte das Zeug zum Sporno.

Selbstbewusste Normalos

Die Aerosexuellen hingegen sind ganz anders. Keine Cola-light-Männer. Sie sind sich nicht zu schade, teigweiße schmächtige Brüste selbstbewusst auszulüften. Im Falle des eingangs erwähnten sich sonnenden Exemplars auf der Bank vor dem Fitnessstudio eines Wiener Verkehrsknotenpunktes ist es ein Bierbauch, der sich auch noch gut in der Horizontalen abzeichnet.

Mut zum Durchschnittskörper haben diese Männer, und warum auch nicht. Nicht mitmachen beim Körperkult – auch begrüßenswert. Herzeigen ist das eine. Bleibt halt dann aber doch noch das andere: das Anschauen-Müssen. Ist Letzteres ein Problem, wird es sich demnächst wohl wieder von selbst lösen. Die fallenden Temperaturen werden dafür sorgen. (red, derStandard.at, 25.6.2014)

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