Gewerkschaft kritisiert Arbeitsbedingungen bei MediaMarkt/Saturn

24. Juni 2014, 08:24
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Management zu Dialog über Betriebsratsgründung aufgerufen

Die Gewerkschaft kritisiert die Arbeitsbedingungen bei MediaMarkt/Saturn. Zwar gebe es mittlerweile keine Leibesvisitationen mehr, wie sie zu Jahresbeginn bekannt geworden waren, Taschenkontrollen dürften aber nach wie vor stattfinden, so Vertreter der  GPA. Das Media/Saturn-Management wird von der Gewerkschaft zum Dialog bei der Gründung eines Betriebsrates aufgerufen.

Einhaltung der kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen 

Untermauert wurde die Forderung nach Betriebsratswahlen und besseren Arbeitsbedingungen bei der Elektro- und Elektronikhandelskette heute mit einer Umfrage unter den rund 2.400 Beschäftigten, die im ersten Halbjahr durchgeführt wurde. Der Rücklauf sei mit 14,3 Prozent bzw. 342 retournierten Fragebögen gut gewesen.

Es gebe Probleme mit der Einhaltung der kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen nicht nur in einer Filiale, so GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian heute, Montag, in einer Pressekonferenz. Es sei klar, dass Handlungsbedarf bestehe. Für den stellvertretenden GPA-djp-Bundesgeschäftsführer Karl Proyer sind die Taschenkontrollen eine relativ fragwürdige Angelegenheit. 89 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass nach dem Verlassen der Filiale schon die Taschen kontrolliert worden seien. Rund ein Viertel der Befragten habe in der Situation rund um den Jänner erklärt, dass eine Leibesvisitation durchgeführt worden sei, mittlerweile seien diese jedoch offensichtlich eingestellt. Aus den persönlichen Kommentaren in der Umfrage lasse sich herauslesen, dass die Menschen schwer umgehen könnten mit der "permanenten Misstrauenskultur", so Katzian.

Wochenstunden

32 Prozent der Befragten gaben an, dass die vereinbarte Arbeitszeit nicht eingehalten werde, geht aus der Umfrage weiter hervor. Bei 26 Prozent würden demnach die Wochenstunden willkürlich hinauf- und hinuntergesetzt. Fast zwei Drittel (62 Prozent) gaben an, Vor -und Nacharbeiten außerhalb der Öffnungszeiten nicht bezahlt zu bekommen, wie das der Kollektivvertrag eigentlich vorschreibe. Nur für jeden Zweiten eingehalten werde die so genannte "Schwarz-Weiß-Regel" im Handel, derzufolge auf einen Samstag, an dem nach 13 Uhr gearbeitet wird, ein arbeitsfreier Samstag folgen muss. Zudem fänden Schulungen überwiegend in der Freizeit statt. 33 Prozent gaben an, im Krankenstand angerufen zu werden.

89 Prozent der Befragten wünschen sich die Gründung eines Betriebsrates. Für die Gewerkschaft sei diesbezüglich der erste Weg, sich an die Geschäftsführung zu wenden, um Gespräche zu führen. Diese Gesprächsbereitschaft wird aber offenbar vermisst. Die GPA-djp habe nach dem per Anfang April erfolgten Managerwechsel versucht, diesen Weg einzuschlagen, und habe als Zeithorizont "vielleicht im Herbst" als Antwort erhalten. Man wartet nun in nächster Zeit auf Signale. Sollte die Geschäftsführung dieses Angebot zum Dialog nicht annehmen, habe man keine Alternative, als die zuständigen Behörden wie Arbeitsinspektorate und die Gebietskrankenkassen einzuschalten.

Leibesvisitationen und Taschenkontrollen endgültig und ausnahmslos abgestellt

Zu den Forderungen der GPA-djp an die Geschäftsführung gehört unter anderem, dass Leibesvisitationen und Taschenkontrollen endgültig und ausnahmslos abgestellt werden müssten. Zudem müssten Probleme mit der korrekten Einhaltung und Abrechnung der Arbeitszeit sofort gelöst werden, die kollektivvertraglichen Bestimmungen (Schwarz-Weiß-Regel) eingehalten und die Beschäftigten bei der Gründung eines Betriebsrates unterstützt werden.

Bei MediaMarkt-Saturn sei im Gegensatz zu anderen Handelsunternehmen eine zentrale Betriebsratswahl nicht möglich, so Proyer. Sie müsste in jeder Filiale erfolgen. Die erste Betriebsratswahl sei besonders schwierig. Generell zu Arbeitsbedingungen im Handel meinten die GPA-Vertreter, wo es einen Betriebsrat gebe sei es besser, die Chancen seien höher allfällige Probleme abzustellen. In einigen großen Unternehmen sei auch eine Task-Force eingerichtet. Bei Vergehen gegen die "Schwarz-Weiß-Regel" seien für jeden einzelnen Fall Strafen von 300 Euro vorgesehen.

Reihe von Maßnahmen bereits umgesetzt

Die Geschäftsführung von MediaMarkt und Saturn weist angesichts der Gewerkschaftskritik darauf hin, bereits eine Reihe von Maßnahmen gesetzt zu haben. Dem Dialog mit der GPA stehe man grundsätzlich offen gegenüber. Media-Saturn agiere als Unternehmensgruppe klar gemäß der österreichischen Gesetzgebung, das betreffe alle Unternehmensbereiche, auch Dienstverträge und Arbeitsregelungen.

Die zuständigen Geschäftsführer seien angewiesen, als Unternehmer in ihren Media Märkten und Saturn Häusern vor Ort dementsprechend zu agieren. (APA, 24.6. 2014)

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