Polymer: Googles Idee von der “Zukunft der Webentwicklung”

24. Juni 2014, 15:56
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Unternehmen will Entwicklung von Web-Apps vereinfachen - Basis für anstehende Neuerungen des Unternehmens

Im Vorjahr erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, nimmt Polymer bereits eine zentrale Rollen bei der am Mittwoch in San Francisco startenden Google-I/O-Konferenz ein. Gleich sieben Vorträge - und damit immerhin fast ein Zehntel aller Sessions - drehen sich um die Web-Bibliothek. Google selbst bezeichnet Polymer gar als die “Zukunft der Webentwicklung”.

Bausteine

Und solch großspurige Ansagen meint der Softwarehersteller durchaus ernst: Dass das Unternehmen im Web die große Plattform der Zukunft sieht, hatte man in der Vergangenheit bereits mehrfach betont. Polymer soll nun jene Bausteine liefern, mit denen dieses Versprechen auch tatsächlich eingelöst werden soll - und so die Grundlagen für Web-Apps schaffen, die mit nativen Anwendungen konkurrieren können.

Simpel

Die entscheidende Stärke von Polymer liegt in der einfachen Nutzung: Nach außen ist jede Komponente von Polymer schlicht ein Element mit unterschiedlichen Parametern - wie es auch von HTML her bekannt ist. Wer grundlegende Webkenntnisse besitzt, kann sich - vorausgesetzt natürlich, dass es eine passende Polymer-Komponente gibt - also schnell mal ein Overlay oder auch eine Google-Signin-Funktion in die eigene Seite integrieren.

Browser

Auf der technischen Seite baut Polymer auf den WebComponents von HTML5 auf. Dies sowie der Umstand, dass man sich von Beginn an keine Altlasten aufhalsen will, bedingt, dass Polymer derzeit nur auf relativ aktuellen Browsern funktioniert, wie der Kompatibilitätsliste entnommen werden kann. Da selbst in diesen die Unterstützung für aktuelle Webstandards noch nicht ganz dort ist, wo man sie Google für eine Anwendungsplattform gerne hätte, bedient sich das Unternehmen einer Brückentechnologie: Die sogenannten Polyfills sollen fehlende Funktionalitäten in den einzelnen Browsern ausgleichen. Das langfristige Ziel sei es aber, die Polyfills wieder vollständig loszuwerden, betont der Softwarehersteller.

Kein Javascript-Framework

Das Unternehmen streicht dabei heraus, dass es sich bei Polymer nicht einfach um “noch ein weiteres Javascript-Framework” handelt, wie es sie für die Webentwicklung sonder Zahl gibt. Genau genommen sei Polymer auch gar kein Framework, sondern eine Bibliothek. Das eigentliche Framework sei im Polymermodell das Document Object Model, das seit den frühen Jahren des Web für den Umgang mit Objekten in Webseiten zuständig ist.

Komponenten

Bislang noch als experimentelles Projekt bezeichnet, wurden rund um Polymer in den letzten Monaten doch bereits zahlreiche Komponenten entwickelt. Google selbst bietet beispielsweise diverse Komponenten für den Zugriff auf unterschiedliche der eigenen Services an, darunter Google Calendar, Maps oder auch Chart.

Quantum Paper

Damit man mit nativen Anwendungs-Frameworks konkurrieren kann, fehlt derzeit freilich noch ein entscheidendes Puzzlestück, das Google nach aktuellen Berichten allerdings im Rahmen der I/O zu schließen gedenkt: Unter dem Namen “Quantum Paper” soll ein plattformübergreifendes UI-Framework vorgestellt werden, dessen Webvariante auf Polymer basieren soll.

Basis

Damit wäre dann die Basis für Googles Vorstellung der Zukunft der Web-Anwendungs-Entwicklung gelegt. Jetzt müsste man nur mehr die EntwicklerInnen-Community für sich gewinnt - was wohl die schwierigere Aufgabe wird. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 24.6.2014)

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Polymer

  • Das Polymer-Logo.
    grafik: google

    Das Polymer-Logo.

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