Irak-Konflikt wird auch für Nachbarländer zur Belastungsprobe

24. Juni 2014, 06:06
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Türkei beobachtet argwöhnisch Aktivitäten der Kurden - Jordanien ist durch den Vormarsch von ISIS derzeit akut bedroht

Bagdad - Der Irak-Konflikt wird mehr und mehr zu einem regionalen Problem. Die Türkei beobachtet argwöhnisch Aktivitäten der Kurden, andere Länder sorgen sich um ihre Grenzen. Vor allem Jordanien ist durch den Vormarsch der ISIS derzeit akut bedroht.

Der Irak-Konflikt und der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (ISIS) schwächt die Zentralregierung von Tag zu Tag mehr. Beobachter befürchten eine Spaltung des Landes - mit verheerenden Auswirkungen auf die Region. Die Nachbarländer rüsten sich.

TÜRKEI: Das NATO-Land Türkei blickt mit Sorge auf die Lage hinter der Grenze, wo ISIS-Extremisten mindestens 80 türkische Staatsbürger in ihrer Gewalt haben. Ein unabhängiges Kurdistan im Irak nach einer Spaltung des Landes könnte auch Forderungen der kurdischen Minderheit in der Türkei wieder Vorschub leisten. Allerdings deuten Äußerungen aus dem türkischen Regierungsumfeld darauf hin, dass Ankara ein Selbstbestimmungsrecht der irakischen Kurden nicht mehr strikt ablehnt. Hintergrund dürfte sein, dass auch aus Sicht der Türkei ein stabiler kurdischer Puffer zwischen dem Land und den vorrückenden sunnitischen Extremisten hilfreich sein könnte.

IRAN: Die Regierung in Teheran hat mehrmals behauptet, dass sie die Sicherheit im Irak als die eigene ansieht. Das Land hat eine 1.450 Kilometer lange Grenze zum Irak, die schwer zu schützen ist. Außerdem ist der Iran wegen seiner schiitischen Glaubensrichtung alles andere als beliebt bei sunnitischen Völkern - besonders bei sunnitischen Islamisten. Gleichzeitig sieht Teheran nach jahrelanger Isolation derzeit die große Chance, regionalpolitisch wieder mitzuspielen.

SYRIEN: Je mehr die Jihadisten in den von Sunniten besiedelten Gebieten im Norden und Westen des Irak ihre Machtpositionen ausbauen, umso schlagkräftiger werden sie auch in Syrien. Denn beim Vormarsch auf die Hauptstadt Bagdad fiel ISIS-Kämpfern viel Kriegsgerät in die Hände. Über neu eroberte Grenzposten gelangen die Waffen auch schnell wieder nach Syrien. Präsident Bashar al-Assad hat damit einen immer besser ausgerüsteten Gegner. Die ISIS ist auch ein Problem für die Opposition im Land. Denn die Jihadisten dulden keine anderen Regimegegner oder kurdische Milizen in ihrem Machtbereich.

SAUDI-ARABIEN: Das ölreiche Königreich wehrt sich gegen Vorwürfe, zu den wichtigsten Unterstützern der ISIS zu gehören. Das streng sunnitische Riad führt in Syrien einen Stellvertreterkrieg gegen den schiitischen Iran, indem es Rebellen im Kampf gegen Assad finanziert und bewaffnet. Das kam auch der ISIS zugute, die von da aus wieder den Vormarsch im Irak startete. Gleichzeitig will Riad die Jihadisten nicht im eigenen Land haben. König Abdullah ordnete vor Monaten per Dekret an, dass Saudi-Araber, die sich an bewaffneten Konflikten im Ausland beteiligen, nach ihrer Rückkehr mit einer Gefängnisstrafe zwischen drei und 20 Jahren rechnen müssen. Das Verhältnis zwischen Riad und der von Schiiten dominierten Regierung in Bagdad ist frostig. Saudi-Arabien wirft Ministerpräsident Nuri al-Maliki Sektierertum vor.

JORDANIEN: Das haschemitische Königreich ist akut von dem Vormarsch der ISIS-Miliz bedroht - und ein Zerfall des Irak würde die Lage weiter verschlechtern. Nach Berichten über die Übernahme eines wichtigen irakisch-jordanischen Grenzpostens durch die Jihadisten zieht Amman seine Truppen an der 180 Kilometer langen Grenze zusammen. Jordanien steckt bereits in einer wirtschaftlichen und politischen Krise. Die Aufnahme von mehr als einer Million syrischen Flüchtlingen hat die Spannungen im Land noch verschärft. (APA, 24.6.2014)

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