Betonblumentöpfe als neue Grenze im Kosovo

23. Juni 2014, 20:15
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Radikale Kosovo-Albaner haben am Sonntag versucht, den "Friedenspark", der auf der serbischen Seite der Brücke im ethnisch geteilten Mitrovica statt der Barrikaden errichtet worden war, zu zerstören

Mitrovica/Sarajevo - Manche schrien "UÇK, UÇK", den Namen der Kosovo-Befreiungsarmee, und verbrannten serbische Flaggen. In albanische (nicht kosovarische) Flaggen gehüllt, warfen die Männer Steine und zündeten Autos der Stadtverwaltung an. 21 Zivilisten und 13 Polizisten wurden verletzt. Am Sonntag kam es im südlichen Teil der kosovarischen Stadt Mitrovica zu Ausschreitungen von Kosovo-Albanern, die am Nachmittag mit einer friedlichen Demonstration begonnen hatten.

Die Proteste richteten sich gegen den neuerrichteten "Friedenspark" auf der serbischen Seite der Brücke über den Ibar, die das mehrheitlich von Serben bewohnte Nordmitrovica mit dem von Albanern bewohnten Süden, verbindet. Der "Friedenspark" wurde erst am Freitag angelegt, nachdem Donnerstagnacht die Sandhaufen, die seit etwa drei Jahren auf der Brücke aufgeschüttet sind, entfernt worden waren.

Die Aktion erfolgte aufgrund des Drucks der serbischen Regierung, die die Integration des Nordkosovo in die staatlichen Strukturen des Kosovo unterstützt. Die Barrikaden auf der Brücke galten als Symbol für eine Grenze, die es nach dem April-Abkommen zwischen dem Kosovo und Serbien vom Vorjahr so nicht mehr geben soll. Teil des Plans war es, dass statt der Barrikaden der "Friedenspark" entstehen sollte.

Deshalb legten Gärtner in Anwesenheit serbischer Politiker und der Polizei einen Rasen an, drei Reihen an Betontöpfen mit Bäumchen wurden zudem auf die Brücke gestellt. Manche Leute im Süden sahen in dem "Friedenspark" aber nur eine neue Barrikade mit hübscherem Aussehen. Die für Autos gedachte Brücke kann weiterhin nicht befahren werden.

Ängste ausgelöst

Der Bürgermeister von Südmitrovica, Agim Bahtiri, hatte vor den Ausschreitungen dazu aufgerufen, die neuen Barrikaden sofort zu entfernen, sonst werde man "morgen sehen, was passiert". Seine Geduld sei zu Ende. Der Bürgermeister von Nordmitrovica, Goran Rakic, warnte dagegen vor "provokanter Rhetorik". Doch auch Premier Hashim Thaçi kritisierte den Park als "illegales Spiel". Präsidentin Atifete Jahjaga sah den Park allerdings als Fortschritt und sagte, dass "die Serben aus dem Norden nun statt an Barrikaden an Parks denken".

Am Montag war die Situation in Mitrovica ruhig. Zehn Personen wurden verhaftet, die versucht hatten, den Park zu zerstören. Adrijana Hodzic, eine Politikerin, die mit beiden Seiten kooperiert, betont, dass man die Ängste der Leute im Norden verstehen müsse. Als nach der Entfernung der Barrikaden viele Leute aus dem Süden auf die Brücke gekommen seien, hätte dies Spannungen und Ängste im Norden ausgelöst. Vor zehn Jahren waren bei pogromartigen Ausschreitungen zigtausender Kosovo-Albaner gegen Serben und andere Minderheiten, tausende Serben vertrieben worden. Die Barrikaden auf der Hauptbrücke in Mitrovica waren immer rein symbolischer Natur. Es war immer möglich über andere Brücken in der Stadt, den Ibar zu passieren.

Die Eskalation kann auch vor dem aktuellen politischen Hintergrund gesehen werden. Drei Oppositionsparteien stellten sich nach der Wahl gegen eine Koalition mit Thaçi. Deshalb kann dieser nun keine Regierung bilden. Die Frage wird nun vom kosovarischen Verfassungsgericht geklärt. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 24.6.2014)

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