Glückspiel: Berlin geht gegen Tricksereien vor

23. Juni 2014, 19:09
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Auf die Spielautomatenhersteller in Deutschland kommen hohe Kosten zu. Die Regierung will Tricks, die Geld in Punkte umwandeln, nicht länger dulden

Der ideale Spieler sieht aus Sicht der Glücksspielindustrie so aus: Er kommt ins Lokal, zückt das Portemonnaie und füttert den Automaten mit Geld. Er spielt und spielt und vergisst, dass es um sein reales Geld geht.

Denn in praktisch allen Geldspielautomaten in Deutschland wird das sogenannte "Punktespiel" praktiziert. Dabei wird der investierte Betrag sofort in Punkte umgewandelt. Und das hebelt die gesetzlichen Regelungen zu Spieldauer, Höchsteinsatz oder Maximalverlust aus.

Diese sind im Paragrafen 13 der Spielverordnung festgelegt. Dort heißt es etwa: "Die Mindestspieldauer beträgt fünf Sekunden; dabei darf der Einsatz 0,20 Euro nicht übersteigen und der Gewinn höchstens zwei Euro betragen."

Gesetzlich geregelt sind auch Gewinne und Verluste: "Die Summe der Verluste (Einsätze abzüglich Gewinne) darf im Verlauf einer Stunde 80 Euro nicht übersteigen. Die Summe der Gewinne abzüglich der Einsätze darf im Verlauf einer Stunde 500 Euro nicht übersteigen."

Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich nun mit den Ministern der 16 Bundesländer auf eine Neufassung dieser Spielverordnung geeinigt. Die Umwandlung von Euro in Punkte und somit die Umgehung der Regelungen soll dann nicht mehr möglich sein.

"Mit dem Verbot des Punktespiels wird ein wichtiges Etappenziel für den Spielerschutz erreicht", sagt Ilona Füchtenschnieder von der Koordinierungsstelle Glücksspielsucht in Nordrhein-Westfalen. Suchtexperten warnen seit Jahren vor dem Glücksspiel nach Punkten an Automaten, weil die Spieler den Bezug zum Geld verlieren.

Weniger Geräte pro Lokal

Auch die Anzahl der Geräte pro Gaststätte wird eingeschränkt. Künftig sind nur noch zwei statt drei Automaten erlaubt. Der maximale Verlust pro Stunde sinkt von 80 auf 60 Euro, der Höchstgewinn von 500 auf 400 Euro.

Unzufrieden ist der Vorsitzende des Verbands der Deutschen Automatenindustrie (VDAI), Paul Gauselmann. Er wirft der Regierung "Überregulierung" vor und warnt vor dem Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen.

In Deutschland gelten 250.00 Menschen als spielsüchtig. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen verzeichnet der deutsche Glücksspielmarkt 32 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. 56 Prozent davon werden an Glücksspielautomaten gemacht. Die 16 deutschen Bundesländer bekommen jährlich drei Milliarden Euro an Steuern, Abgaben und Gewinnausschüttungen.  (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 24.6.2014)

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