"Nicht gemacht für Unentschieden"

23. Juni 2014, 18:19
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Dank des Torverhältnisses kann sich Deutschland im finalen Gruppenspiel gegen die USA eine knappe Pleite oder ein Remis leisten

Santo André - 2006, beim "Sommermärchen" genannten Spektakel in Deutschland, als die WM-Gastgeber das Finale knapp verpassten und Dritte wurden, machte Joachim Löw noch den Assistenten von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Da hatten sich beide auf der Bank viel zu erzählen. Acht Jahre später sieht die Sache naturgemäß anders aus: Deutschland trifft am Donnerstag in Recife auf die USA, der einstige Berater trifft auf seinen ehemaligen Chef. Viele Worte sind im Vorfeld der brisanten Partie in Gruppe G nicht gefallen. "Dass wir zuletzt keinen Kontakt hatten, ist aber auch klar", sagte Löw. "Das ist vor einem solchen Turnier, in dem man dann auch noch aufeinandertrifft, normal."

Auch Deutschlands Kapitän Philipp Lahm sieht das Duell der beiden emotionslos. "Das ist ein Thema der Medien, nicht der Spieler. Wir hatten eine super Zeit, aber das ist ein paar Jahre her. Jetzt geht es für uns ums Achtelfinale."

Diesbezüglich sind die Deutschen mit Löw gut auf Kurs. Der dreifache Weltmeister kann sich gegen Klinsmanns USA des guten Torverhältnisses wegen realistischerweise sogar eine knappe Niederlage erlauben. Bei einem Unentschieden wären beide Mannschaften durch - und Deutschland Gruppensieger. Diese Ausgangsposition erinnert an die "Schande von Gijon" 1982: Damals reagierte Österreich im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland auffallend, nämlich gar nicht, auf den Führungstreffer der Deutschen. Beide Teams stiegen auf, Algerien hatte das Nachsehen.

Ein Nichtangriffspakt kommt für Klinsmann überhaupt nicht infrage. "Das ist Teil deutscher Geschichte, nicht der der USA. Wir fahren nach Recife mit dem Selbstvertrauen, um Deutschland zu schlagen." Die Nummer von Löw mag in seinem Handy abgespeichert sein, ein Gespräch mit dem deutschen Teamchef wird Klinsmann aber vorab nicht führen. "Es ist keine Zeit für Freundschaftsanrufe, jetzt geht es ums Geschäft. Wir sind nicht gemacht für Unentschieden. Beide Mannschaften werden da reingehen und wollen die Gruppe gewinnen."

Dafür spricht, dass beide Teams mit ihren letzten Unentschieden nur bedingt zufrieden waren. Miroslav Klose rettete Deutschland gegen Ghana ein 2:2, die US-Amerikaner mussten gegen Portugal am Sonntag erst in letzter Minute den 2:2-Ausgleichstreffer durch Silvestre Varela hinnehmen. "Es war ein fantastisches Match, von dem man noch lange reden wird", sagte Klinsmann. "Wir nehmen diesen Punkt und reden nicht mehr über Portugal."

Diesbezüglich ist sich Klinsmann mit Cristiano Ronaldo einig. Auch der will vor der abschließenden Partie gegen Ghana nicht mehr über Portugal reden, konkreter über die Aufstiegschancen der Portugiesen. "Mathematisch ist es möglich, aber tatsächlich ist es fast unmöglich", sagte der Weltfußballer. Auch Ghana hat mit einem Sieg noch alle Möglichkeiten, wäre aber auf einen Erfolg der Deutschen im Parallelspiel angewiesen. (krud, sid, APA - DER STANDARD, 24.6. 2014)

  • Bei der WM 2006 gab Joachim Löw den taktisch firmeren Assistenten von  Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Am Donnerstag spielt Bundestrainer Löw  gegen US-Cheftrainer Klinsmann.
    foto: apa/epa/berg

    Bei der WM 2006 gab Joachim Löw den taktisch firmeren Assistenten von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Am Donnerstag spielt Bundestrainer Löw gegen US-Cheftrainer Klinsmann.

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