Am CERN wird es wieder spannend

23. Juni 2014, 17:43
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Umbau des Large Hadron Collider beendet, Abkühlung der Anlage hat bereits begonnen - Mit ersten Teilchenkollisionen wird ab Anfang 2015 gerechnet

Genf/Wien - "Die Maschine wacht gerade aus einem langen Schlaf auf, nachdem sie einem wichtigen chirurgischen Eingriff unterzogen wurde." Frédérick Bodry, Technikdirektor am Zentrum für europäische Teilchenphysik (Cern), bemüht medizinische Metaphorik, um den aktuellen Zustand des größten Teilchenbeschleunigers der Welt zu beschreiben.

Rolf Heuer, Generaldirektor des Cern, bilanziert die vergangenen eineinhalb Jahre des Large Hadron Collider nüchterner - und gibt sich zugleich erwartungsfroh: "In den letzten 18 Monaten fanden am LHC zahlreiche Umbauarbeiten statt. Er ist jetzt eine neue Maschine, die bereit ist, uns neue Entdeckungen zu ermöglichen."

Die ersten drei Jahre, die der LHC in Betrieb war, verliefen höhst erfolgreich. Höhepunkt war die Bestätigung des Higgs-Bosons im Juli 2012. Die Ergebnisse verdichteten sich und waren schließlich so überzeugend, dass Anfang Oktober 2013 den theoretischen Physikern François Englert und Peter Higgs der Nobelpreis für Physik 2013 zuerkannt wurde.

Höhere Kollisionsenergien eröffnen neue Möglichkeiten

Damals lief der Large Hadron Collider allerdings "nur" mit sieben bis acht Teraelektronenvolt, sprich: Die kollidierenden Protonen hatten eine kinetische Energie von maximal je 4 TeV. Nach der Umbauphase wird die Kollisionsenergie 13 TeV betragen, was "ganz neue Möglichkeiten eröffnen wird", schwärmt Fabiola Gianotti, leitende Physikerin am LHC.

Bis die neuen Experimente laufen, wird es freilich noch ein paar Monate lang dauern. Die Abkühlung der Maschine hat jedenfalls bereits begonnen, und seit Mittwoch gibt es auch schon wieder einen Teilchenstrahl am Proton-Synchrotron. Mit den ersten Teilchenkollisionen ist allerdings erst ab Anfang 2015 zu rechnen. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 24.06.2014)

  • Peter Higgs beim Besuch des Large Hadron Collider (LHC) in Genf, der mithalf, dass Higgs den Physiknobelpreis 2013 erhielt.
    foto: apa/epa/alan wal

    Peter Higgs beim Besuch des Large Hadron Collider (LHC) in Genf, der mithalf, dass Higgs den Physiknobelpreis 2013 erhielt.

  • Die wichtigsten Konsolidierungsarbeiten am LHC 2013/2014.
    illustration: cern

    Die wichtigsten Konsolidierungsarbeiten am LHC 2013/2014.

  • Schematische Übersicht über den Beschleunigerkomplex am Cern.
    illustration: cern

    Schematische Übersicht über den Beschleunigerkomplex am Cern.

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