Ein Gijon hat Algerien nicht zu fürchten

23. Juni 2014, 17:08
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Trainer Halilhodzic knöpft sich nach 4:2 über Südkorea seine Kritiker vor

Porto Alegre - Vahid Halilhodzic klatschte mit seinen Spielern ab, ließ sich von den Fans feiern und fuhr dann schweres Geschütz auf. "Ich weiß doch ganz genau, dass sich einige von euch darüber nicht freuen", herrschte der Bosnier die algerischen Journalisten im Bauch des Stadions von Porto Alegre an. "Gerüchte und Lügen wurden verbreitet, meine Familie wurde angegriffen. Ich hätte schon längst aufhören können, aber ich bin gut erzogen und habe trotzdem mit euch gesprochen."

Das begeisternde 4:2 seiner Mannschaft gegen Südkorea, der erste WM-Sieg seit 32 Jahren, der höchste einer afrikanischen Mannschaft überhaupt - mit Halilhodzics Attacken war ein Stück algerischer Fußballgeschichte in den Hintergrund gerückt.

Der 61-Jährige war in den vergangenen Wochen, vor allem aber nach dem 1:2 zum Auftakt gegen Belgien, ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Zu defensiv habe er spielen lassen, der Verbandspräsident wollte sogar die Aufstellung bestimmen, ein Nachfolger wurde gesucht. "Die Kritik war unfair", sagt Halilhodzic nun. "Ich bin vor drei Jahren nach Algerien gekommen, und die Lage glich einem Desaster. Wir mussten von vorn beginnen und ein neues Team entwickeln." Demonstrativ stellten sich die Schützlinge hinter ihren Chef. "Man muss dem Trainer danken", sagte Islam Slimani, der den Torreigen gegen Südkorea eröffnet hatte. "Er hat klare Anweisungen gegeben. Es hat alles perfekt funktioniert."

Halilhodzic widmete den Erfolg "den Fans und dem algerischen Volk. Die Fans standen immer hinter mir. Das ist ein wundervolles Geschenk, auf das wir lange warten mussten." Ein Punkt gegen Russland kann reichen, um erstmals ins Achtelfinale einzuziehen. Algerien ist dank Halilhodzic von niemandem abhängig. Ein Gijon, ein zuungunsten Algeriens abgekartetes Spiel wie zwischen Österreich und Deutschland 1982 in Spanien, kann es in Brasilien nicht geben. (sid, red, DER STANDARD, 24.6.2014)

  • Auch Rafik Halliche netzte gegen Südkorea für Algerien und den  Trainer, den Bosnier Vahid Halilhodzic.
    foto: ap/lee

    Auch Rafik Halliche netzte gegen Südkorea für Algerien und den Trainer, den Bosnier Vahid Halilhodzic.

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