Der Blick auf Wien, ein Blick von unten

Ansichtssache23. Juni 2014, 14:23
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Im Wiener Museum MUSA wird eine Auswahl aus 18.000 Alltags- und Straßenbildern gezeigt, die der Fotograf Reinhard Mandl in den vergangenen sieben Jahren in und von der Bundeshauptstadt gemacht hat

Wien - Sieben Jahre lang ging Reinhard Mandl durch Wien. In seinen Händen den Fotoapparat, im Kopf die nächste Destination. Um nicht ziellos umherzuflanieren oder die allzu bekannten Großstadtpfade noch breiterzutreten, legte er seinem Fotografieprojekt "Wien.Blicke" ein simples Wegkonzept zugrunde: Jeder Streifzug sollte ihn an einen konkreten, doch unvorhersehbaren Ort der Bundeshauptstadt führen. Sein Zufallsgenerator war das Wiener Straßenregister: Jeweils der erste Eintrag unter jedem Buchstaben wurde zum Ziel - von der Abbégasse in Penzing zur Zachgasse in der Donaustadt.

Was Mandl auf dem Weg vor die Linse bekam, hielt er fest. "Alles kann ein Motiv sein", ist das Credo von Mandls Straßenfotografie. Das treffe auch und vor allem auf Gegenden zu, "wo nichts sehenswürdig zu sein scheint". Bilder von Obdachlosen, die unter den Donaukanalbrücken schlafen, und den mondänen Villenvierteln Richtung Wienerwald, von gleichsam skurrilen Straßenszenen und unwesentlichen Ereignissen geben Zeugnis vom Wesen der Stadt. Und durch die lange Zeitdauer des Projekts auch von der Veränderung im urbanen Raum.

Spiegel der Gesellschaft

"Straßenfotos müssen nicht schön sein", sagt Mandl, "aber einen zweiten genauen Blick sollten sie wert sein. Gelungene Straßenfotografien halten der Gesellschaft einen Spiegel vor." Eine höchst subjektive Bestandsaufnahme des Stadtbildes will der gebürtige Amstettner angefertigt haben und kam nach 180 Fototagen und 18.000 Bildern zu dem Schluss: "Es stimmt nicht, dass man die Stadt, in der man lebt, gut kennt." Selbst wenn Mandl von einem - rein höhenmäßig - erhabenen Standpunkt aus fotografiert, durchzieht sein Werk der Blick von unten, allenfalls auf Augenhöhe mit den Bewohnern der Stadt; doch nie darüber hinaus.

Dabei hielt er fest, "was sonst kaum wahrgenommen wird, scheinbar unbedeutende Dinge und Situationen voller Poesie und Humor, kleine Details großer Ereignisse, aber auch atmosphärische Verdichtungen und Szenen, die unsere Gegenwart repräsentieren", wie es im Ausstellungskatalog zu "Wien.Blicke" heißt. Von Dienstag bis 4. Oktober sind Mandls Bilder in der städtischen Galerie MUSA in der Wiener Innenstadt zu sehen. Der Eintritt ist frei. (mcmt, derStandard.at, 23.6.2014)

foto: reinhard mandl/musa
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