Siemens hofft noch auf Alstom-Bereiche 

23. Juni 2014, 13:45
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Siemens-Chef Kaeser hält Tür für Alstom weiter offen - Kartellamt könnte GE/Alstom-Deal nur unter Auflagen genehmigen

Paris/München/Fairfield - Nach der Niederlage im Alstom-Übernahmekampf hofft Siemens wenigstens bei einem Verkauf von Teilbereichen des französischen Industriekonzerns zum Zuge zu kommen. Experten rechnen fest damit, dass vor allem die europäischen Wettbewerbshüter dem neuen Alstom-Eigner General Electric (GE) Auflagen machen werden.

Insbesondere das Geschäft mit großen Gasturbinen und Generatoren dürfte die EU-Kommission genau unter die Lupe nehmen. Siemens-Chef Joe Kaeser will unterdessen genau beobachten, wie es in Frankreich weiter geht. "Wir sind weiter gesprächsbereit", sagte Kaeser der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). "Unsere Türen stehen Alstom und der französischen Regierung offen." Sollten die Kartellwächter GE und Alstom zur Abgabe von Unternehmensteilen zwingen, könnte Siemens als lachender Dritter bereitstehen.

An der Börse reagierten die Anleger zunächst zurückhaltend. Die Siemens-Aktien gaben knapp ein Prozent nach.

Kaeser will Zugsparte neu regeln

Unabhängig vom Scheitern des Alstom-Deals will Kaeser die Zukunft der Zugsparte neu regeln. "Wir wollten nie unser Bahngeschäft verkaufen, sondern zusammen mit Alstom einen europäischen Champion mit globaler Durchsetzungskraft bauen. Das Ziel bleibt, der Weg dahin wird jetzt ein anderer", sagte der Manager.

Für die Niederlage im Ringen mit GE macht der Siemens-Chef seinen Alstom-Amtskollegen Patrick Kron verantwortlich. "Wir hatten das eindeutig bessere Angebot in puncto Jobs, Preis und Zukunftsperspektive für die französische und die europäische Industrie. Ausschlaggebend war am Ende, dass der Alstom-Chef Deutschland und Siemens entschieden bekämpft hat", sagte Kaeser.

Alstom nahm GE-Angebot an

Nach wochenlangem Bieterkampf hatte Alstom am Wochenende die milliardenschwere Offerte des US-Rivalen GE zum Kauf der Energiesparte angenommen. Zuvor hatte sich auch die französische Regierung für das Angebot der Amerikaner ausgesprochen und zugleich einen Einstieg bei Alstom angekündigt, um sich ein starkes Mitspracherecht zu sichern.

Die Auswirkungen auf die deutschen Standorte ungewiss. Welche Folgen dies für die rund 8.600 Mitarbeiter hierzulande haben werde, werde sich erst in den kommenden Wochen und Monaten konkretisieren, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Berlin. Am Wochenende hatte die Alstom-Spitze das Kooperationsangebot des US-Konzerns angenommen. Gleichzeitig kann der französische Staat mit 20 Prozent größter Aktionär bei Alstom werden. Darauf hatten sich Regierung und Großaktionär Bouygues geeinigt. Der deutsche Siemens-Konzern ist damit aus dem Rennen.

1.000 neue Jobs in Frankreich

Was das für die deutsche Belegschaft heißt, ist offen. Im Gegensatz zu Siemens hatte Alstom in seinem Angebot lediglich zugesagt, 1.000 neue Jobs in Frankreich schaffen zu wollen. Siemens hatte in seinem Angebot für den Bereich Gasturbinen eine dreijährige Beschäftigungsgarantie gegeben. Davon hätten nach Angaben des Alstom-Firmensprechers in Deutschland gut 700 Mitarbeiter profitiert.

Der Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall hatten im Mai eine faire Standortpolitik nach einer Übernahme gefordert. Der Geschäftsführer der IG Metall in Mannheim, Klaus Stein, forderte nun, dass schnell dargelegt werde, was man mit den deutschen Standorten vorhabe und wie die organisatorische Entwicklung aussehe. Nach Salzgitter mit 2.800 Mitarbeitern ist Mannheim mit 1.800 Beschäftigten der größte deutsche Standort. Stein sagte, er sehe durchaus Chancen, dass der Standort in Mannheim in Summe gehalten werden könne.

Wenig Unterstützung der deutschen Regierung

Deutsche Politiker reagierten irritiert. Von der deutschen Regierung sei in der Angelegenheit zu wenig zu hören gewesen, sagte Peter Ramsauer am Montag im Deutschlandfunk. Er hätte sich gewünscht, dass Siemens eine ähnliche Unterstützung erfährt wie Alstom durch die Regierung in Paris. Diese wurde vom Vorsitzenden des Bundestags-Wirtschaftsausschusses in scharfen Worten kritisiert, weil sie GE den Einstieg bei Alstom geebnet hat. "Die französische Regierung hat hier eindeutig nationale Eigensinnigkeiten, französische einseitige Interessen vor die europäischen Interessen gestellt", sagte Ramsauer. Kritisch sei auch, dass der französische Staat sich trotz massiver Schuldenprobleme eine Alstom-Beteiligung leiste. Kaeser will indes von mangelnder Unterstützung nichts wissen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel hätten ihn "hervorragend" unterstützt, ohne sich zu sehr eingemischt zu haben. (APA, 23.6.2014)

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