MediaMarkt/Saturn im Gewerkschaftsvisier

23. Juni 2014, 13:17
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Taschenkontrollen, Arbeitszeitprobleme, die Gewerkschaft fordert das Management zum Dialog auf

Wien - Die Gewerkschaft kritisiert die Arbeitsbedingungen bei MediaMarkt/Saturn. Zwar gebe es mittlerweile keine Leibesvisitationen mehr, wie sie zu Jahresbeginn bekannt geworden waren, Taschenkontrollen dürften aber nach wie vor stattfinden, so Vertreter der "GPA-djp". Das Media/Saturn-Management wird von der Gewerkschaft zum Dialog bei der Gründung eines Betriebsrates aufgerufen.

Untermauert wurde die Forderung nach Betriebsratswahlen und besseren Arbeitsbedingungen bei der Elektro- und Elektronikhandelskette heute mit einer Umfrage unter den rund 2.400 Beschäftigten, die im ersten Halbjahr durchgeführt wurde. Der Rücklauf sei mit 14,3 Prozent bzw. 342 retournierten Fragebögen gut gewesen.

Es gebe Probleme mit der Einhaltung der kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen nicht nur in einer Filiale, so GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian heute, Montag, in einer Pressekonferenz. Es sei klar, dass Handlungsbedarf bestehe. Für den stellvertretenden GPA-djp-Bundesgeschäftsführer Karl Proyer sind die Taschenkontrollen eine relativ fragwürdige Angelegenheit. 89 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass nach dem Verlassen der Filiale schon die Taschen kontrolliert worden seien. Rund ein Viertel der Befragten habe in der Situation rund um den Jänner erklärt, dass eine Leibesvisitation durchgeführt worden sei, mittlerweile seien diese jedoch offensichtlich eingestellt. Aus den persönlichen Kommentaren in der Umfrage lasse sich herauslesen, dass die Menschen schwer umgehen könnten mit der "permanenten Misstrauenskultur", so Katzian.

Arbeitszeit nicht eingehalten

32 Prozent der Befragten gaben an, dass die vereinbarte Arbeitszeit nicht eingehalten werde, geht aus der Umfrage weiter hervor. Bei 26 Prozent würden demnach die Wochenstunden willkürlich hinauf- und hinuntergesetzt. Fast zwei Drittel (62 Prozent) gaben an, Vor -und Nacharbeiten außerhalb der Öffnungszeiten nicht bezahlt zu bekommen, wie das der Kollektivvertrag eigentlich vorschreibe. Nur für jeden Zweiten eingehalten werde die so genannte "Schwarz-Weiß-Regel" im Handel, derzufolge auf einen Samstag, an dem nach 13 Uhr gearbeitet wird, ein arbeitsfreier Samstag folgen muss. Zudem fänden Schulungen überwiegend in der Freizeit statt. 33 Prozent gaben an, im Krankenstand angerufen zu werden.

89 Prozent der Befragten wünschen sich die Gründung eines Betriebsrates. Für die Gewerkschaft sei diesbezüglich der erste Weg, sich an die Geschäftsführung zu wenden, um Gespräche zu führen. Diese Gesprächsbereitschaft wird aber offenbar vermisst. Die GPA-djp habe nach dem per Anfang April erfolgten Managerwechsel versucht, diesen Weg einzuschlagen, und habe als Zeithorizont "vielleicht im Herbst" als Antwort erhalten. Man wartet nun in nächster Zeit auf Signale. Sollte die Geschäftsführung dieses Angebot zum Dialog nicht annehmen, habe man keine Alternative, als die zuständigen Behörden wie Arbeitsinspektorate und die Gebietskrankenkassen einzuschalten.

Zu den Forderungen der GPA-djp an die Geschäftsführung gehört unter anderem, dass Leibesvisitationen und Taschenkontrollen endgültig und ausnahmslos abgestellt werden müssten. Zudem müssten Probleme mit der korrekten Einhaltung und Abrechnung der Arbeitszeit sofort gelöst werden, die kollektivvertraglichen Bestimmungen (Schwarz-Weiß-Regel) eingehalten und die Beschäftigten bei der Gründung eines Betriebsrates unterstützt werden.

Bei MediaMarkt-Saturn sei im Gegensatz zu anderen Handelsunternehmen eine zentrale Betriebsratswahl nicht möglich, so Proyer. Sie müsste in jeder Filiale erfolgen. Die erste Betriebsratswahl sei besonders schwierig. Generell zu Arbeitsbedingungen im Handel meinten die GPA-Vertreter, wo es einen Betriebsrat gebe sei es besser, die Chancen seien höher allfällige Probleme abzustellen. In einigen großen Unternehmen sei auch eine Task-Force eingerichtet. Bei Vergehen gegen die "Schwarz-Weiß-Regel" seien für jeden einzelnen Fall Strafen von 300 Euro vorgesehen.

Maßnahmen bereits umgesetzt

Die Geschäftsführung von MediaMarkt und Saturn weist indes darauf hin, bereits eine Reihe von Maßnahmen gesetzt zu haben. Dem Dialog mit der GPA stehe man grundsätzlich offen gegenüber. Media-Saturn agiere als Unternehmensgruppe klar gemäß der österreichischen Gesetzgebung, das betreffe alle Unternehmensbereiche, auch Dienstverträge und Arbeitsregelungen.

Die zuständigen Geschäftsführer seien angewiesen, als Unternehmer in ihren Media Märkten und Saturn Häusern vor Ort dementsprechend zu agieren. "Ausnahmen oder Verstöße rechtlicher Rahmenbedingungen gestattet die Unternehmensführung nicht", heißt es in einem Statement der Geschäftsführung.

Die Gründung eines Betriebsrates sei unabhängig von den umgesetzten Maßnahmen und von der Unternehmenspolitik stets Mitarbeiter-Angelegenheit. Die Unternehmensleitung bestätige zu keinem Zeitpunkt Maßnahmen, um derartige Initiativen zu unterbinden oder zu verhindern.

Zu den Medienberichten über Mitarbeiterkontrollen und Leibesvisitationen im MediaMarkt Krems zu Jahresbeginn heißt es, die Unternehmensleitung habe sofort reagiert und die Situation im Sinne der Mitarbeiter verantwortungsvoll gehandhabt und lückenlos aufgeklärt sowie die "aus unserer Sicht nötigen Konsequenzen gezogen".

Seit Jahresbeginn umgesetzt

Als Maßnahmen, die seit Jahresanfang umgesetzt worden seien, nennt die Geschäftsführung unter anderem die Ausgabe überarbeiteter Dienstverträge per 1. Jänner 2014. "Die gesetzeskonforme Textierung unserer Arbeitsverträge bzw. allfälliger Anpassungen ist dabei selbstverständlich", so MediaMarkt/Saturn. Den Mitarbeitern habe man angeboten, unklare Vertragsklauseln zu diskutieren, Verträge nötigenfalls anzupassen.

Die regionalen Geschäftsführer seien zu Jahresbeginn auf ihre Rechte und Pflichten vor allem bezüglich Mitarbeiterkontrollen hingewiesen worden. Zudem hätten die regionalen Geschäftsführer an allen Standorten Mitarbeiterveranstaltungen umgesetzt, um die Kommunikation weiter zu verbessern. Angeboten worden sei darüber hinaus die Möglichkeit der zentralen Kontaktaufnahme mit eigenen, speziell geschulten und der nationalen Geschäftsführung unterstellten Mitarbeitern. Aufklärungsaktivitäten würden umgesetzt um jegliche Fehlhandlungen auszuschließen.

Media Markt und Saturn unterstützten eine "offene, transparente und wertschätzende Kommunikation" zwischen Mitarbeitern und ihren Vorgesetzen. "Dem Dialog mit der GPA stehen wir grundsätzlich offen gegenüber", so die Geschäftsführung. Dies habe man Mitte Mai in einem Schreiben an die GPA klar kommuniziert. (APA/red, derStandard.at, 23.6.2014)

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